13. November 2009

Lautsprecheraffäre bleibt Thema

RHEINFELDEN. Die unglückliche Lautsprecherinstallation am Minarett beschäftigte die 12 Mitwirkenden an der Mitgliederversammlung des Christlich islamischen Vereins Hochrhein (CIVH) am Mittwochabend im Pfarrzentrum St. Josef. Erfreut war die Runde im 10. Jahr bei den Neuwahlen Werner Ross (Pfarrer i. R.) einstimmig als Vorsitzenden in seinem Amt bestätigen zu können.

Begegnungen am Tag der offenen Moschee | Foto: Pascal Waldszus
Vorstandsstellvertreter Herwig Popken lobte Ross Vorstandsarbeit: "Wir danken für Ihre interessanten Anregungen, die Sie aus ihrer überregionalen islamisch-christlichen Arbeit einfließen lassen. Ingeborg Omer (Stellvertreterin) überreichte Ross, der unter anderem in der islamisch-christlichen Konferenz für Süddeutschland mitwirkt, als Geschenk für sein tatkräftiges Engagement "Angriff von Rechts – Die Strategie der Nazis und was man dagegen tun kann" , ein Buch von Patrick Gensing (Juli 2009), das unter anderem Bedrohungen aus rechtsextremistischen Kreisen gegenüber muslimischer Integrationsbestrebungen in Deutschland thematisiert.

Als der CIVH in Rheinfelden im Herbst 2008 anlässlich 70 Jahre "Reichskristallnacht" den multireligiösen Gottesdienst feierte und dies öffentlich machte, wurde er von der rechtsextremen Szene angefeindet. "Im Internet wurde von Rechtsextremisten thematisiert, dass die Muslime "jetzt schon in den Kirchen hocken!", erzählte Werner Ross.

Erfreut zeigte sich die Runde, dass trotz des Ausstiegs von Kassenwartin Schadia Tahar, die gebürtige Tunesierin musste aus familiären Gründen die Arbeit aufgeben, der siebenköpfige Vorstand wieder einen Interessenten fand. Ahmad Morsel,gebürtig aus dem Südlibanon und seit 17 Jahren in Deutschland wohnhaft, wurde einstimmig in den Vorstand gewählt. CIVH–Mitglied Osama Omer lobte die bunte islamische Zusammensetzung des Vorstands und dass man mit Morsel jemanden gefunden habe ,der reines Hocharabisch beherrsche und den Islam mit libanesischer Färbung verkörpere. Ingeborg Omer (zweite Stellvertreterin)steht für die deutsche Muslimin im Vorstand, Yilmaz Özarslan(Beisitzer) ist hingegen von der türkisch-islamischen Union.

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Von kommunaler Seite wirken Hannelore Nuß (Beisitzerin) und Herwig Popken (2.Stellvertreter) mit. Ross kommt von evangelischer und Dagmar Henninger von römisch-katholischer Seite. Einstimmig wurde der Vorstand im Amt bestätigt, wobei einzelne Ämtervergabe noch intern geregelt werden.

Die Montage der Lautsprecher am Minarett sei zu Monatsbeginn mit dem Moscheenvorstand diskutiert worden, berichtete Ross. Yilmaz Özarslan ließ die Runde wissen, dass der Vorstand der Moschee für Januar eine außerordentliche Vorstandswahl auf der Agenda habe, da die Lautsprecheraffäre womöglich personelle Veränderungen nach sich ziehen werde. Ross bedauerte die fehlende Kontinuität im Moscheenvorstand, da häufiger personeller Vorstandswechsel die Zusammenarbeit erschwere.

Ross erinnerte an den Vertrag zwischen der Stadt Rheinfelden und der türkisch-islamischen Gemeinde, dem Eigentümer der Moschee, der regle wann mit menschlicher Stimme vom Minarett ausgerufen werden könne. Das wäre zum Ramadan und zum Freitagsgebet. Der neue Imman habe die Lautsprecher herumliegen gesehen und sie montieren lassen. Beim dritten Lautsprecherverstärkten Ausruf sei einem Kunden im benachbarten Getränkehandel aufgefallen, dass Verstärker im Einsatz sind. Für die schweizer Volksabstimmung, ob Minarettneubauten (vier gibt es in der Schweiz bereits) zulässig sind oder nicht, sei der Rheinfelder Vorfall in einem ungünstigen Moment gekommen, da Diskussionstendenzen ausgemacht wurden wie:"Die machen nachher doch was sie wollen und hängen einfach Verstärker auf", skizzierte Ross die Entwicklung. Die Homepage des CIVH wird ausgebaut und ist abbrufbar unter http://www.civh.de

Zum ersten Advent, der dem islamischen Opferfest entspricht, wird es um 16.30 Uhr in der Moschee ein multireligiöses Gebet geben.Das Motto heißt: "Wie soll ich dich empfangen und dir begegnen?"

 

Autor: Chris Rütschlin



2 Kommentare

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Carl-Michael  

Carl-Michael 14. November 2009 - 12:00 Uhr

so ein zufall aber auch, ei, ei, ei. solche lautsprecher liegen ja bekanntlich an jeder ecke rum, wenn sie nicht auf bäumen wachsen. dass man diese entegegen der vertraglichen bestimmungen ohne rücksprache installiert, versteht sich ebenfalls von selbst. der deutsche dhimmi wirds schon hinnehmen!

der eigentliche skandal waren die raktionen danach:

"Bedri Karakilinc, einer der Vorsitzenden türkisch-islamischen Gemeinde, zeigt sich keiner Schuld bewusst. Mit der Genehmigung für das Minarett sei damals lediglich eine bestimmte Dezibelzahl als maximale Lautstärke vereinbart worden. Lautsprecher seien laut Karakilinc nicht verboten worden. Die jetzige Anlage mit den drei 30-Watt-Lautsprechern sei im vereinbarten Rahmen und indes nur ein Provisorium, dem das Wetter zu sehr zusetze. Ein professioneller Elektriker solle die Anlage demnächst noch einmal gegen eine andere austauschen" (BZ, 12.10.09).

wenisgtens herr özarslan scheint das einzusehen, wenn er konsequenzen ankündigt. es wird ein langer weg für die islamische gemeinde, das vertrauen zurückzugewinnen, wenn es denn jemals vorhanden war.

habe gestern erst wieder gelesen, wie es christen aber auch aleviten in der türkei ergeht, von saudi-arabien will ich gar nicht sprechen. und dann muss man immer wieder hören, türken/araber/moselms würden in der BRD dikriminiert und seien deswegen in allen neagativstatistiken so weit vorne.

 

Asma 14. November 2009 - 12:20 Uhr

Sehr geehrter Herr Rütschlin,
stammt dieser Satz von Ihnen?
[*** editiert von der Redaktion. Grund: Verstoß gegen Netiquette ***]

Zum ersten Advent, der dem islamischen Opferfest entspricht, wird es …Falls von Ihnen, korrigieren Sie bitte den Unsinn.

Mit freundlichen Grüßen
Asma