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25. November 2014

Ohne Wohnungen klappt es nicht

Die Gemeinschaftsunterkunft ist überbelegt.

  1. Freude herrscht in der Unterkunft bei Auszügen. Die Familie Naisiri bekam eine Wohnung in Lörrach zugewiesen. Foto: Martina proprenter

RHEINFELDEN. Der Landkreis hat im Oktober 72 Flüchtlinge aufgenommen, mehr denn je. 35 zogen in die Gemeinschaftsunterkunft an der Schildgasse. Dort ist kein Bett frei, trotz des gleichzeitigen Auszugs von 31 Bewohnern. Sie ist für 394 Menschen ausgelegt und mit 424 Menschen belegt. Deshalb suchen das Landratsamt und die Freundeskreise Miteinander und Asyl dringend Mietwohnungen. Überfüllte Unterkünfte und die schwierige Unterbringung der Menschen, die ausziehen dürfen, stellen das Landratsamt und die Ehrenamtlichen vor größte Probleme.

Der Strom der Neuankömmlinge steigt seit langem stetig. Veronika Slivka vom Landratsamt Lörrach erwartet weiter eher mehr denn weniger Bedarf an Wohnraum für die Zeit nach dem Leben in der Gemeinschaftsunterkunft: "Wir rechnen momentan für 2015 mit etwa 200 Leuten in der Anschlussunterbringung."

Um diese Anschlussunterbringung zu gewährleisten, bleiben den Städten und Gemeinden drei Monate Zeit. In diesem Jahr schätzt Slivka diesen Personenkreis auf etwa 180 Menschen. Ihre Zahl ist schwierig vorherzusehen. Die Sachbearbeiterin für Aufnahme und Integration geht die Namenslisten monatlich durch, um auf dem neuesten Stand zu sein.

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Erst bis Januar 2016 wird sich ein natürlicher Fluss entwickelt haben, der die Zahl der Menschen mit dem Recht auf eine Anschlussunterbringung kalkulierbarer machen wird. Dies ermöglicht das seit Jahresbeginn geltende Flüchtlingsaufnahmegesetz, das Slivka als deutliche Erleichterung betrachtet: "Es hat sich sehr, sehr gelockert." Der Aufenthalt eines Flüchtlings in der Gemeinschaftsunterkunft ist nun auf zwei Jahre begrenzt, unabhängig vom Fortschritt und Ausgang seines Asylantragsverfahrens.

Dieses Gesetz hat aber auch eine trügerische Seite, die sich den Flüchtlingen zeigt. Denn viele, die eine Mietwohnung beziehen dürfen, hoffen, nun auch finanzielle Unterstützung aus Hartz IV zu erhalten. Sie empfinden ihren Auszug als eine weitere Etappe zur Integration. So war das früher, ist es aber nicht mehr. Bis die Entscheidung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über den Asylantrag gefällt ist, kann es auch länger dauern.

Wenn Menschen, die in der Gemeinschaftsunterkunft Platz für Neuankömmlinge machen sollen, keine Wohnung finden, gerät die Verteilung ins Stocken. "Die Anschlussunterbringung muss funktionieren", betont Slivka. Fast jede Gemeinde muss ihre Quote erfüllen; Rheinfelden allerdings nicht, da die Stadt diese mit der Unterkunft an der Schildgasse bereits übererfüllt hat.

Wer wohin geschickt wird, ist kein Lotteriespiel. "Wir schauen uns mit den Sozialarbeitern und Mitarbeitern der Gemeinschaftsunterkunft jeden Fall genau an", sagt Slivka. Auf Besonderheiten wie den Ort einer Arbeitsstelle oder die Gesundheit betreffend werde selbstverständlich eingegangen. So wurde eine Dialysepatientin in Schopfheim auch dorthin zum Wohnen geschickt. Wer eine Wohnung findet, bevor ihm eine Gemeinde zugewiesen wurde, könne dort auch hinziehen. "Da hängen wir sehr viel Arbeit rein", sagt Slivka.

Seit diesem Jahr entscheidet das Landratsamt in Absprache mit der Ausländerbehörde, wer in die Anschlussunterbringung kann. "Somit können wir eher auf die persönlichen Belange der Heimbewohner eingehen." Früher war das RP Karlsruhe bei diesem Prozess zwischengeschaltet.

Jörg Hinderer, Beauftragter für Asyl im Kirchenbezirk Markgräflerland und Mitglied des Freundeskreis Asyl, weist nicht nur auf Chancen hin, die Flüchtlinge mit sich bringen. Der Pfarrer betont, Flüchtlinge zu schützen, gebiete der christliche Glaube. In der Stadt nahm die Akzeptanz der Asylarbeit seinem Eindruck nach deutlich zu. Menschen übernehmen Patenschaften und bringen sich vielfältig ehrenamtlich ein.

Doch freie Wohnungen im Landkreis zu finden, ist ein Kunststück. Slivka sagt, sie habe sich früher nach Dienstende mit Flüchtlingen auf die Suche gemacht. "Ich habe leider wenige Erfolge feiern können. Was man kann, ist, die Leute zum Nachdenken anregen."

WER LEBT HIER?

Erwachsene: 301.

Kinder: 123.

Geschlechter: 272 männlich, 152 weiblich.

Alleinstehende: 136 männlich, 22 weiblich.

71 Familien mit 266 Personen.  

Autor: BZ

Autor: Peter Gerigk