"Treue der Zuschauer baut uns auf"

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Do, 25. Juli 2013

Rheinfelden

BZ-INTERVIEW mit Thomas Rist über das Leichtathletik-Nachtmeeting des TV Rheinfelden im Europa-Stadion am Freitag.

RHEINFELDEN. Seit 24 Jahren veranstaltet der TV Rheinfelden jährlich einen Leichtathletikwettbewerb, der in der Region seines gleichen sucht. Das 25. Nachtmeeting im Europastadion beginnt stets in den kühleren Abendstunden und endet im Flutlichtschein. Es zieht Athleten an, die sonst nicht hier zu sehen sind, und Zuschauer, die nicht viel mit dem Sport zu tun haben. BZ-Redakteur Peter Gerigk sprach mit Abteilungsleiter Thomas Rist darüber, warum er selbst nie dort startete, ob wieder ein Stadionrekord wackelt und was das Nachtmeeting so attraktiv macht.

BZ: Herr Rist, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie ans Nachtmeeting denken?

Rist: Für mich selbst erstmal Stress. Wir diskutierten ja sogar schon einmal, ob wir es weiter veranstalten können. Bis zum ersten Startschuss ist es für uns Stress, dann wird es schön. Unser Problem ist: Bekommen wir Aktive, die über Bezirksniveau hinausreichen, die also sonst nicht im Bezirk starten? Die Sportler melden immer sehr spät ihre Teilnahme an. Wir profitieren viel von Schweizern, aber diesmal fürchte ich, bekommen wir wenige. Denn am Wochenende findet die Schweizer Meisterschaft statt. Dort startet auch Sven Tarnowski, der aber zusagte, trotzdem als Zuschauer zu kommen. Außerdem gibt es für uns mit der deutschen Jugendmeisterschaft in Rostock starke Konkurrenz. Den Termin wollen wir nie vom ersten Freitag nach den Schulferienbeginn verschieben, denn danach sind unsere Helfer im Urlaub. Bis Mittwoch hatten sich 150 Sportler angemeldet.

BZ: Sind Sie selbst schon beim Nachtmeeting gestartet?

Rist: Das bin ich noch nie. Als ich zur Polizei kam, war für mich fertig mit Wettkämpfen. Ich machte zehn Jahre lang gar keinen Sport mehr und bin erst durch meine Tochter zum TV Rheinfelden gekommen, früher war ich beim TuS Höllstein. Von uns starten aber Pia Günther im Kugelstoßen, Luis Franke über 200 Meter, Weit und Hoch sowie Johannes Redmann im Kugelstoßen und Speerwurf. Achthundertmeterläuferin Sophia Sturm ist gesundheitlich angeschlagen und ist deshalb nicht dabei.

BZ: Welcher sportliche Höhepunkt ist diesmal zu erwarten?

Rist: Das ist schwierig zu sagen. Bisher hervorzuheben ist laut Meldung Sebastian Starke von ABC Ludwigshafen mit 10,93 Sekunden über 100 Meter und mit 22,24 Sekunden über 200 Meter. Speerwerferin Sephora Bissoly ist mit ihren 59,52 Metern der europäischen Spitze nahe und könnte den vor fünf Jahren aufgestellten Stadionrekord von 60,70 Meter der US-Amerikanerin Kim Kreiner gefährden.

BZ: Was macht das Nachtmeeting attraktiv für die Sportler?

Rist: Es gibt ganz wenige Flutlichtwettkämpfe außer den höherklassigen Wettkämpfen, an denen niemand aus Süddeutschland startet. Diese Gelegenheit nehmen viele Aktive gerne wahr. Bei uns ist es auch nicht so steif, wir lassen die Zuschauer möglichst nahe ran. Das schafft eine schöne Atmosphäre.

BZ: Worin liegt der Reiz für Zuschauer?

Rist: Beispielsweise in den Speerwürfen in den Nachthimmel, da leuchten sie richtig. Wir haben immer 300 bis 400 Besucher auf der Tribüne, mehr als bei vielen Meisterschaften. Wir sind stolz, bis heute durchgehalten zu haben, das gelang uns auch wegen des Zuschauerinteresses. Diese Treue baut uns auf. Gerhard Klaus gehört als Stadionsprecher einfach dazu. Er vermittelt den Zuschauern mit Sachverstand Wissenswertes.

BZ: Zahlen Sie den Sportlern Antrittsgeld?

Rist: Nein, sondern leistungsabhängige Prämien, die bis zu 200 Euro betragen. Wer gewinnt, aber keine gute Leistung zeigt, bekommt weniger dafür. Wegen des Geldes kommt niemand. Wir erleichtern ihnen so nur die Anreise. Jugendliche freuen sich oft auch über 50 Euro, die sie bekommen. Wir wollen nicht drauflegen, sondern machen Gewinn, denn wir für die Jugendarbeit verwenden. Zuschauer zahlen auch keinen Eintritt. Wir haben eine Wirtschaft mit besonderen Angeboten, nicht nur mit dem gewohnten Einerlei. Die Frauen sind da sehr engagiert.

Das Nachtmeeting im Europastadion dauert am Freitag, 26. Juli, von 18.30 bis 22.30 Uhr, und kostet für Zuschauer keinen Eintritt.