Wasser ablassen für ein stabiles Netz

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 11. Dezember 2014

Rheinfelden

Behörden stimmen moderater Flexibilisierung der Stromerzeugung zu / Beitrag zur Energiewende.

RHEINFELDEN (BZ). Einen wichtigen und wertvollen Beitrag zur Stabilität des Stromnetzes dürfen die Energiedienst-Wasserkraftwerke Rheinfelden, Laufenburg und Wyhlen künftig leisten, hat das Unternehmen am Mittwoch mitgeteilt. Die drei Wasserkraftwerke bieten als erste am Hochrhein sogenannte Systemdienstleistungen an.

Neu am Regelenergiemarkt
Das bedeutet, die Wasserkraftwerke dürfen ihre Erzeugung so anpassen, dass sie zur Sicherung der Stabilität des Stromnetzes beitragen, und damit am Regelenergiemarkt teilnehmen. Bislang verlangte die Konzession der Wasserkraftwerke am Hochrhein, dass sie die gesamte zur Verfügung stehende Wassermenge zur Stromerzeugung nutzen. Eine moderate Leistungsreduzierung wird nun durch die Schweizer und deutschen Behörden für die drei Laufwasserkraftwerke geduldet – zunächst drei Jahre lang.

Hintergrund dieser Maßnahme ist der steigende Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung. Vor allem die zunehmende Erzeugung aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen ist fluktuierend und bei bestimmten Wetterlagen schlecht prognostizierbar. Abweichungen von den Prognosen sind in diesen Situationen groß. Damit das Stromnetz aber sicher und stabil ist, müssen sich Stromverbrauch und Stromerzeugung jederzeit in der Waage befinden.

Sollfrequenz
Darauf zu achten, ist die Aufgabe der Übertragungsnetzbetreiber. Sie können ein Ungleichgewicht durch die Abweichung der Sollfrequenz von 50 Hertz erkennen. Die Systemdienstleistungen, zum Beispiel von Kraftwerken, helfen, diese Sollfrequenz wieder herzustellen. Auf Anforderung der Übertragungsnetzbetreiber erhöhen oder drosseln die Kraftwerke ihre Produktion je nach Notwendigkeit.Diese Aufgaben übernehmen bislang vor allem konventionelle Kraftwerke. Durch den Anstieg der Erzeugung aus erneuerbaren Energien werden diese Kraftwerke aber zusehends vom Markt verdrängt. Laufwasserkraftwerke können bei der Drosselung der Leistung in die Bresche springen. Sie können binnen weniger Minuten ihre Erzeugung herunterfahren, indem sie Wasser nicht zur Produktion nutzen, sondern über das Stauwehr des Kraftwerks fließen lassen.

Start schon in diesem Jahr
"Wir sind froh, dass wir mit den Systemdienstleistungen noch in diesem Jahr starten können. Dadurch werden wir bereits über die kritischen Weihnachtswochen einen wertvollen Beitrag zur Netzstabilität und damit auch für das Gelingen der Energiewende leisten können", kommentiert Daniel Schölderle, Leiter Energiewirtschaft bei Energiedienst, die Entscvheidung. "Die schnelle Umsetzung wäre allerdings ohne die gute Zusammenarbeit mit der TransnetBW, dem für Baden-Württemberg verantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber, nicht möglich gewesen", sagt Schölderle. Das Entgegenkommen der Behörden ermöglicht es Energiedienst laut Schölderle auch, die Erzeugung zu reduzieren, wenn der Strompreis negativ ist. "Dies war bislang ebenfalls nicht möglich und hat uns schon viel Geld gekostet, da wir dafür bezahlen mussten, dass uns dann jemand den Strom abnimmt."

Wo beginnt ED damit?
Für die Systemdienstleistungen wird Energiedienst zunächst die Laufwasserkraftwerke Rheinfelden und Laufenburg einsetzen. Laut Behörden können bei Abruf der Regelleistung durch den Übertragungsnetzbetreiber bis jeweils 50 Prozent der aktuell maximal möglichen Leistung eines Kraftwerkes geliefert werden. Das heißt die Kraftwerke dürfen ihre aktuelle Leistung, um bis zu 50 Prozent reduzieren. Allerdings dürfen insgesamt nur maximal 3 Prozent der mittleren Jahresproduktion der drei Hochrheinkraftwerke für Systemdienstleistungen genutzt werden. Energiedienst bietet die Regelenergie zunächst nur für den deutschen Markt an.

Umwelt und Schifffahrt:
"Für uns ist wichtig und selbstverständlich, dass wir die Leistungsreduktion ohne Auswirkungen auf die Umwelt erreichen können", erklärt Wolfgang Biesgen, Leiter des Bereichs Kraftwerke bei Energiedienst. "Wenn wir Wasser im Rahmen der Regelenergiebereitstellung über das Stauwehr abführen, wird es keine Schwall- und Sunk-Erscheinungen geben. Das haben wir getestet und es klappt sehr gut. Umwelt und Schifffahrt werden also nicht negativ beeinflusst, obwohl wir sicherlich zu ungewohnten Zeiten Wasser über das Stauwehr werden abfließen lassen."