Wehmütiger Abschied von Jana Kempf

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Di, 30. Januar 2018

Rheinfelden

Nach acht Jahren verlässt die Awo-Kreisgeschäftsführerin die Region / Aufbau des Schatzkästleins ist einer ihrer großen Verdienste.

RHEINFELDEN. Jana Kempf verlässt Rheinfelden und den Kreis. Etlichen Kunden des AWO-Schätzkästleins ist sie bekannt, vor allem aber allen Ortsgruppen der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis. Acht Jahre lang war sie Kreisgeschäftsführerin des Sozialverbandes. Kempfs Nachfolgerin wird Ina Pietschmann, vorher stellvertretende Geschäftsführerin.

Vielleicht erinnert sich so mancher Einwohner auch noch Kempfs Wahlkampf im Jahr 2009. Damals kandidierte sie für die SPD, noch unter ihrem Geburtsnamen Zirra, für den Deutschen Bundestag. Marion Kaspers-Merk hatte sie als ihre Nachfolgerin empfohlen. Zwar verlor sie knapp gegen den CDU-Kandidaten Armin Schuster, aber sie erreichte immerhin hinter Gernot Erler das zweitbeste Ergebnis für die SPD im gesamten Land.

Heinz Engelhardt, damals AWO-Kreisvorsitzender, konnte Kempf dann für den Verband gewinnen. Und er übertrug ihr gleich eine reizvolle Aufgabe, den Aufbau des Schätzkästleins in Rheinfelden. Das war das erste Gebrauchtwarenkaufhaus der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Lörrach.

Kempf, damals noch Zirra, ging die Aufgabe mit Elan an, baute ebenso schnell und zielgerichtet die Angebote für Kinder der AWO im Kreis auf. In Karsau, Maulburg, Weil am Rhein, Steinen und etlichen weiteren Orten gab es auf diese Weise Ferienangebote für Kinder und auch Weihnachtsaktionen. Die Kreativwerkstatt ist nur ein weiteres Beispiel. So unterstützte sie auch die Festigung schwacher Ortsvereine. Vor allem aber trug das Wachsen des Schatzkästleins dazu bei, dass etliche Einwohner, die lange Zeit keine Arbeit hatten und sich überflüssig fühlten, wieder anspruchsvolle Aufgaben fanden; nicht nur irgendeine Beschäftigung, sondern Arbeit, bei der sie spürten, gebraucht zu werden und anderen zu helfen. Vor allem hatte die junge Geschäftsführerin das soziale Zusammenleben von Einwohnern mit sehr ungünstigen sozialen Bedingungen im Blick.

Inzwischen heiratete sie und bekam zwei Kinder und brachte nun Familie und Arbeit unter einen Hut. Kein Wunder, dass da Belastungsgrenzen deutlich wurden. So war AWO-Kreisvorsitzende Hannelore Nuss gar nicht mal so sehr überrascht, als Jana Kempf, wie sie nun heißt, ihr von der Absicht erzählte, Familie und Beruf besser als bisher zu koordinieren und deshalb ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin beenden möchte. "Du bist jung, voller Ideen und immer ansprechbar und wer weiß, ob sich der Kreis nicht irgendwann wieder schließen wird, dort wo ich dich kennen und schätzen gelernt habe– in der Politik," verabschiedete die Kreisvorsitzende ihre Geschäftsführerin. Dabei erinnerte sie auch an ihre erste Begegnung. Engagiert und streitbar sei Kempf damals schon gewesen, sie setzte sich voller Überzeugung für ihre Ziele ein.

Kempf wechselt in die Stadtverwaltung Waldkirch

Auch Oberbürgermeister Klaus Eberhardt fand lobende Worte, schließlich habe sie mit dem Schatzkästlein ein Erfolgsmodell ausgebaut. Wenn heute 40 Mitarbeiter dieses Gebrauchtwarenkaufhaus betreiben, sei das enormer Teamarbeit zu verdanken, für die Kempf die Weichen gestellt habe. Eberhardt erinnerte auch an die von ihr geförderten Angebote für Kinder: "Besondere Bedeutung haben das Projekt AWO-Kids für Grundschüler oder au der Aufbau der Schülerfirma der Eichendorffschule." Dabei bekommen Kinder im Schatzkästlein professionelle Betreuung und erwerben Grundkenntnisse der Warenpräsentation, für den Umgang mit Kunden und zur Preisgestaltung.

Künftig wird Kempf in der Stadtverwaltung Waldkirch das große Ressort Jugend, Familie, Integration, Inklusion und Soziales verantworten.

Eberhardt meinte dazu, Waldkirch könne sich freuen, denn Jana Kempf wisse, wie die Dinge laufen. Mit herzlichen Worten bedankte sich Kempf bei ihren bisherigen Mitarbeitern, alle hätten sie dazu beigetragen, dass Schatzkästlein und AWO-Kreisverband heute so gut funktionieren.