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31. Juli 2009

"Wir halten das Ergebnis für einen Akt gelebter Demokratie"

BZ-INTERVIEW mit Toni Grabsch und Wilhelm Staufenbiel, den Organisatoren der Unterschriftenaktion im Krankenhaus-Förderverein zur aktuellen Entwicklung.

RHEINFELDEN. Vier Monate sind vergangen seit der Übergabe von 5751 Unterschriften Rheinfelder Bürger an Landrat Walter Schneider, mit denen sie eine eigene Chefarztstelle Innere am Kreiskrankenhaus fordern und der Entscheidung des Kliniken-Aufsichtsrats, diesen Weg zu gehen. Die Organisatoren der Unterschriftenaktion, Wilhelm Staufenbiel und Toni Grabsch (Krankenhausförderverein) sehen sich in ihrer Arbeit durch das Ergebnis bestätigt. Ingrid Böhm-Jacob sprach mit beiden über Aktion und Erwartungen.

BZ: Im April hat sich ihre Stirn beim Gedanken an das Kreiskrankenhaus Rheinfelden noch in Sorgenfalten gelegt. Haben sich Ärger und Sorgen angesichts der Aufsichtsratentscheidung der Kliniken jetzt wieder gelegt?

Staufenbiel: Wir beiden sind zuständig für die Unterschriftenaktion und wir freuen uns nun, dass Landrat, Geschäftsführer und Aufsichtsrat eingesehen haben, dass es ohne einen Chefarzt Innere keine erfolgreiche Arbeit gibt. Wir halten das Ergebnis für einen Akt gelebter Demokratie. Deshalb möchten wir uns bei allen Bürgern bedanken, die sich mit ihrer Unterschrift dafür eingesetzt haben, aber auch allen Geschäftsleuten, die die Listen ausgelegt haben.

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BZ: Die Fortschritte für den Krankenhausstandort und die medizinische Versorgung führen Sie auf die Abstimmung der Bürger mit den Füßen zurück?

Staufenbiel: Auf jeden Fall. Erst in der letzten Woche wurden im Krankenhausförderverein Gespräche geführt. Das war die Ursache dafür, dass Geschäftsführung und Landrat umgekehrt sind. Es haben jetzt viele an einem Strick gezogen, auch die niedergelassenen Ärzte, die Stadtverwaltung und der Gemeinderat. Am Wichtigsten aber war die Abstimmung der Bürger in einem nie da gewesenen Votum, so dass wir 5751 Stimmen in nur 14 Tagen gesammelt haben. Das jetzt erzielte Ergebnis lässt uns hoffen, weil es zeigt, dass die Gremien bereit sind, ihre Meinung zu hinterfragen, es hat sich gezeigt, dass wenn Bürger auf die Barrikaden gehen auch ein Ergebnis dabei erzielt wird.

BZ: Unterschriften alleine bewegen erfahrungsgemäß nur dann etwas, wenn bei den Entscheidungsträgern auch die Einsicht besteht, dass die Wünsche und Forderungen berechtigt sind.

Staufenbiel: Wir haben vorher oft Einsicht für Rationalisierungsmaßnahmen am Krankenhaus gezeigt und unser Einverständnis erklärt, zum Beispiel dafür, dass die Küche weg ist. Aber in der Inneren war ein Punkt erreicht, wo die Gremien einsehen mussten, dass es so nicht mehr geht. Wir gehen außerdem davon aus, dass die Chefarztstelle sich alleine trägt.

BZ: Der erste Schritt ist getan. Ihnen kommt es aber nicht nur auf Bewegung, sondern auch auf qualitative Verbesserung an. Wie soll die denn aussehen?

Staufenbiel: Wichtig ist für uns, dass der Aufsichtsrat schnell tätig wird und die Chefarztstelle rasch und qualifiziert besetzt. Wir sind der Meinung, dass dies nicht über Datamed geschehen sollte, weil dies einen negativen Touch hat. Zunächst einmal sagen wir "Hut ab Herr Landrat", weil wir es bemerkenswert finden, dass er auf unsere Linie eingeschwenkt ist. Jetzt hoffen wir im weiteren, dass auch bald die Kapazität wieder auf 60 Betten ausgelegt wird.

BZ: Das heißt, die Erwartungen im Krankenhausförderverein sind somit erst einmal erfüllt?

Staufenbiel: Wenn das alles so kommt, dann werden sie zunächst erfüllt. Für uns scheint es aber auch noch wichtig, dass in den Aufsichtsrat der Kliniken mehr fachlich kompetente Leute sitzen, oder dass zumindest der Rat fachkundiger Bürger eingeholt wird. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man Ärzte, aber auch Mitglieder im Krankenhausförderverein zumindest beratend hinzuzieht.

BZ: Im Gemeinderat wurde darauf gedrängt eine Bürgerversammlung zum Krankenhaus einzuberufen. Die SPD, die dazu den Anstoß gab, sieht nach der Entscheidung der Klinikleitung nun aber keinen dringenden Handlungsbedarf mehr. Teilen sie diese Einschätzung?

Staufenbiel: Ich denke, dass es im Moment keine Notwendigkeit für eine Bürgerversammlung gibt. Wir sind aber der Meinung, dass das Kreiskrankenhaus offen sein sollte und weiterhin Vorträge und Tage der offenen Tür anbieten. Wir werden versuchen, konstruktiv mitzuarbeiten und dies auch kritisch tun. Aber wir werden genauso anerkennen, wenn die drei Klinikstandorte funktionabel erhalten werden, speziell das Rheinfelder Krankenhaus. Man darf auf unsere Unterstützung zählen. Ganz wichtig erscheint uns für die Mitarbeiter das Zeichen der Aufbruchstimmung. Ein wesentlicher Punkt im Qualitätsmanagement ist die Mitarbeiter-Zufriedenheit, die ist so wichtig wie die medizinische.

BZ: Sie tragen beide die Entwicklung engagiert mit?

Grabsch: Ja. Das Wichtigste sind die Mitarbeiter, dass auch sie wieder nach vorne blicken. Es ist positiv, dass dieses Zusammenstehen erfolgreich war und man sieht, dass es bürgernahe Politik geben kann, die zum Kurswechsel führt.

Autor: ibö