"Wir sind am Anfang eines Prozesses"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 30. Mai 2015

Rheinfelden

BZ-INTERVIEW mit Ina Heidemann, Vorsitzende des Turnvereins Rheinfelden, zum Ergebnis der drei Zukunftsveranstaltungen.

RHEINFELDEN. Der TV Rheinfelden, mit 1100 Mitgliedern der größte Verein der Stadt, hat in den letzten Tagen drei Abendveranstaltungen abgehalten, in denen die Mitglieder aufgefordert waren, neue Ideen einzubringen, um die Zukunft des Vereins zu sichern, der Mühe hat, seine Führungspositionen zu besetzen. Ralf Staub hat bei der Vorsitzenden Ina Heidemann nach dem Ergebnis gefragt.

BZ: Frau Heidemann, wie ist es gelaufen bei Ihren drei Veranstaltungen in der vergangenen Woche?
Heidemann: Es ist uns gelungen, über die brenzlige Vereinssituation zu informieren und den ersten Schritt in Richtung Vereinserhalt und Umstrukturierung zu wagen. Diejenigen, die der Einladung gefolgt sind, haben sich deutlich für den Vereinserhalt ausgesprochen. Sie haben sich sehr engagiert und konstruktiv mit dem aktuellen Ist-Zustand auseinander gesetzt. Dabei haben sich viele Erkenntnisse und wertvolle Ansatzpunkte ergeben, auf die nun aufgebaut werden soll.

BZ: Wie war die Stimmung?
Heidemann: Alle drei Abende haben sich mit den gleichen Fragestellungen beschäftigt. Bedingt durch die Bedürfnisse der Teilnehmenden wurden jedoch durch deren unterschiedliche Sichtweisen jeweils andere Schwerpunkte gesetzt. Die Angst um den Verein war dabei ebenso deutlich spürbar, wie der Wunsch und Wille, ihn zu erhalten.

BZ: Dann sind Sie zufrieden mit dem Zuspruch der Vereinsmitglieder?
Heidemann: Ich bin um jeden der 76 Teilnehmer froh, die der Einladung gefolgt sind. Hoffnung hat mir gemacht, dass auch Mitglieder und Eltern gekommen sind, die bislang nicht den Weg zu uns gefunden hatten. Zunächst war ich ein wenig enttäuscht, dass es auch viele Mitglieder gibt, die auf unser Anschreiben gar nicht reagiert haben. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass von den nun aktiv Beteiligten eine Aufbruchstimmung in die Abteilungen getragen wird.

BZ: Sie hatten ja bewusst die Mitglieder unter 70 angeschrieben. Sind denn auch viele Jüngere gekommen?
Heidemann: Ich möchte zunächst dafür um Verständnis werben, dass dieser Personenkreis keine persönliche Einladung für die Veranstaltungen erhalten hat. Grund ist, dass ich so großen Respekt vor den jeweiligen Verdiensten um den Verein und der Lebensleistung habe, dass ich diesen Personenkreis ausdrücklich nicht mit den Sorgen des Vereins belasten wollte. Zurück zu Ihrer Frage: Das Alter der Teilnehmenden entsprach der Bandbreite der jeweils eingeladenen Übungsgruppen. Also Eltern von Kleinkindern und Jugendlichen sowie Erwachsene ab Anfang 30 bis 60+, davon jedoch relativ wenige im Mittelfeld von 35 bis 45.

BZ: Sind auch Vorschläge für eine neue Vereinsstruktur oder eine andere Art der Zusammenarbeit gekommen?
Heidemann: Ja. Es wird jedoch Aufgabe des Projekts sein, sich schrittweise mit deren konkreten Umsetzung zu beschäftigen.

BZ: Bisher hat ja nicht nur der Gesamtvorstand unter Personalmangel gelitten, sondern auch mehrere Abteilungen. Zeichnet sich jetzt ab, dass sich auch dort Mitglieder bereit finden, künftig Verantwortung zu übernehmen?
Heidemann:Wir sind erst am Anfang eines Prozesses. Ob und in welchem Umfang künftig von welchen Personen in welchen Funktionen Verantwortung übernommen wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt weder für den Hauptvorstand noch für die Abteilungen sagen.

BZ: Wie geht es in den Abteilungen weiter, in denen sich niemand gefunden hat?
Heidemann: Die Vereinssatzung sieht grundsätzlich vor, dass über deren Auflösung zu entscheiden ist. Hiervon werden wir Gebrauch machen, wenn sich im Laufe des Projekts keine Verantwortlichen finden lassen.

BZ: Sie haben drei Abendveranstaltungen einberufen und externe Moderatorinnen engagiert: Hat sich der Aufwand für Sie unter dem Strich gelohnt? Würden Sie ein solches Vorgehen auch anderen Vereinen empfehlen, der TV Rheinfelden ist ja nicht der einzige Verein in einer solchen Situation?
Heidemann: Die Unterstützung durch externe Moderatorinnen habe ich als sehr hilfreich empfunden. Die externe Fach- und Sachkenntnis hat den Veranstaltungen eine professionelle Struktur gegeben und damit den Gedankenaustausch sowie den Perspektivenwechsel erheblich gefördert. Auch die nächsten Schritte werden daher ebenfalls mit externer Begleitung beraten und vorbereitet. Ob und in welchem Umfang sich dieses Vorgehen auf andere Vereine übertragen lässt, vermag ich aus der Ferne nicht zu beurteilen.

BZ: Sie selbst hatten ja in der jüngsten Hauptversammlung angekündigt, 2016 nicht mehr für das Amt der Vorsitzenden zur Verfügung zu stehen: Bleibt es auch nach den drei Veranstaltungen dabei?
Heidemann: Ja, ich möchte künftig an anderer Stelle im Verein mitwirken.

Zur Person: Ina Heidemann, Jahrgang 1968 ist seit zehn Jahren Vorsitzende des Turnvereins, Mitglied ist sie seit 1970. Von Beruf ist sie Zollbeamtin.