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12. Januar 2015

Zwei Städte bilden einen Lebensraum

Beim gemeinsamen Neujahrsempfang fordert Klaus Eberhardt die offene Gesellschaft ein, Franco Mazzi freut sich auf die Entente.

  1. Neue Aufmachung mit farbiger Lichtregie: Das Salonorchester der Musikschule unter Leitung von Thomas Himmler brachte die gut 500 Besucher im Bürgersaal in beschwingte Stimmung, der große Auftritt für beide Rheinfelden kam in dieser Form bestens an. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  2. Stadtammann Franco Mazzi legt die Messlatte hoch. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  3. OB Klaus Eberhardt tritt für die offene Stadt ein. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  4. Unter CDU-Männern (von rechts): Bundestagsabgeordneter Armin Schuster, Paul Renz, Bürgermeister Tobias Benz (Grenzach-Wyhlen) Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  5. Unter SPD-Männern (von links): Landtagsabgeordneter Hidir Gürakar, Alfred Winkler und Kurt Ohlenschläger Foto: Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Die Nachbarstädte gleichen Namens sind sich weiterhin grün. Beim 16. gemeinsamen Neujahrsempfang am Freitag zogen Oberbürgermeister Klaus Eberhardt und sein Schweizer Amtskollege Franco Mazzi für ihre Kommunen positive Bilanz. Die Entwicklungskurve zeigt an beiden Rheinufern nach oben und rund 500 Besucher freuten sich über die Erfahrung, dass die Zusammenarbeit unter dem Strich handfeste Vorteile für beide Seiten bietet. Deshalb machen beide Rheinfelden da weiter, wo sie im Vorjahr erfolgreich auf Kurs waren: bei der Entente Florale Europe.

Herausforderung Integration
Mit anhaltendem Beifall bestärkten die Gäste das Bekenntnis des OB zur offenen Gesellschaft und einer in ihrem Selbstverständnis für Flüchtlinge offenen Stadt. Seine Solidaritätsbekundung nach dem mörderischen terroristischen Anschlag von Paris gipfelte mit der Aussage: "Nous sommes Charlie". Klaus Eberhardt stellte in seiner Rede den Gewinn des grenzüberschreitenden Denkens und Handelns in den Mittelpunkt und nannte für die badische Seite zehn Kernziele der weiteren Entwicklung (wir berichteten). Er appellierte, die Herausforderung anzunehmen und weiter Flüchtlinge zu integrieren. Die geschichtliche Entwicklung der Stadt und die Verleihung des Bürgerpreises an den Freundeskreis Asyl belegen: "Wir können das". Der OB betonte, dass sich die "freie und demokratische Gesellschaft" weder durch "selbsternannte Patrioten" noch durch einzelne brutale Terroristen davon abbringen lassen soll. Die Stadt leistet in diesem Jahr mit dem Bau weiterer Integrationsklassen einen weiteren Schritt. Eberhardt kündigte aber auch an, dass sie sich weiterhin "um eine menschenwürdige Unterbringung" der Flüchtlinge vor Ort "gegenüber der aktuellen Situation der Schildgasse" zu kümmern habe.

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Sein Dank ging an die "Vielzahl von Kümmerern" vor Ort, die ein "Reichtum dieser Stadt" darstellen, weil sie sich in Vereinen, an runden Tischen und anderen Organisationen um die Stadtgesellschaft bemühen. Auch die Kirchen leisten einen wichtigen Beitrag für ein gutes Miteinander.

Blühendes Bündnis
Damit Rheinfelden tatsächlich weiter floriert, wie es das Wettbewerbsmotto der Entente Florale Europe 2015 verspricht, wurden alle Gäste mit einem mehrseitigen Infoblatt und einer Samentüte bedacht, die die Blütenvielfalt aus allen Lagen von Rheinfelden beinhaltet. In gewohnt humorvoller Rede griff Stadtammann Franco Mazzi auf das zuerst kleine "gemeinsam aufblühende Pflänzchen" des Grün-Wettbewerbs zurück und lobte die Initiative für ihre prächtige Entwicklung. "Die Aussaat ist grenzüberschreitend aufgegangen mit einer Goldmedaille, so dass beide Städte nun in einer "Grünraum-Championsleague" als "eine Stadt Rheinfelden auftreten". Daneben erinnern sich die die Nachbarn in diesem Jahr an ein Ereignis von hoher geschichtlicher Bedeutung für die Entwicklung des Zähringerstädtchens. Mazzi erinnerte an die Folgen des Konzils von Konstanz vor 600 Jahren, die sich als "eine Art Lotto-Sechser" ausgewirkt haben und den Schlüssel zum Aufstieg des Wirtschaftsstandorts begründeten. Sonderausstellungen werden "1415 – die Eidgenossen kommen einfach nicht bis zu uns" zeigen.

In seinem Rück- und Ausblick freute sich Mazzi, dass eine repräsentative Bevölkerungsbefragung bestätigt habe, dass die Bürger "gern oder sehr gern" in Rheinfelden/Schweiz leben und nur ein Prozent "ungern". Das Ergebnis betrachten die Nachbarn als Verpflichtung, sich für eine gute Infrastruktur zu engagieren, denn fast elf Prozent der Bevölkerung also 1350 Personen sind deutscher Nationalität. Diesen Beliebtheitsfaktor interpretierte Mazzi unter Lachen und Applaus mit "prozentual anteilig vergleichbar mit Mallorca". Unter dem Aspekt, dass der Lebensraum einen weiteren Brückenschlag braucht, erwartet Mazzi, dass ein neuer Rheinsteg mit Anschlüssen an die Ufer "Gestalt" annimmt.

Weitere Fotos vom Neujahrsempfang sind zu sehen unter: http://mehr.bz/empfang2015

Autor: Ingrid Böhm-Jacob