RHEINGEFLÜSTER: Ohne das Kino wäre Breisach ein Stück ärmer

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Sa, 11. Januar 2014

Breisach

Das Mittelzentrum Breisach hat eine gute Infrastruktur. In der Stadt gibt es unter anderem ein allgemeinbildendes und ein technisches Gymnasium, eine Realschule, eine Haupt- und Werkrealschule, mehrere Grundschulen, die große Gewerbeschule, ein Krankenhaus, eine gute Verkehrsanbindung auf Straße und Schiene, den Rheinhafen, die Jugendherberge, das Amtsgericht, die Außenstelle des Landratsamtes, mehrere größere bedeutende Firmen, viele Radwege und eine weit über Deutschland hinaus bekannte Ruderregattastrecke. Und es gibt, zumindest bis im Sommer, noch das kleine Kino in der Rheinstraße, das den Namen Engel-Lichtspiele trägt.

Zugegeben: Mit den großen Kinopalästen in Freiburg können die Engel-Lichtspiele nicht mithalten. Wer einen Blockbuster, also einen großen Film, gleich zum Bundesstart sehen will, der muss in das Oberzentrum fahren. Dabei fallen nicht nur Fahrtkosten, sondern in der Regel auch Parkgebühren an. Wem die Aktualität dagegen nicht so wichtig ist, der ist mit dem Breisacher Kino bislang sehr gut gefahren. Kein Parkplatzproblem, ein äußerst freundliches Personal, bequeme Sitze mit genügend Abstand zum Nachbarn, kurze Wege, viele anspruchsvolle Filme und ein geringer Eintrittspreis von in der Regel 6 Euro je Vorstellung sind hier als Vorteile zu nennen.

Jetzt jedoch ist der Bestand dieses Kleinods bedroht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Aktuell ist es die technische Entwicklung, die den Eigentümern und Betreibern Helga und Fredo Mattheis zu schaffen macht. Auf ihren Projektoren können sie nur noch 35 Millimeter-Filmkopien abspielen, diese stellen gerade die großen Filmverleiher jedoch seit Herbst vergangenen Jahres nicht mehr her. Die Filme werden jetzt als kleine digitale Festplatten in die Kinos geliefert. Um diese abzuspielen, ist ein Beamer nötig, der um die 80 000 Euro kostet. Viel Geld für ein kleines Kino.

Außerdem haben Fredo Mattheis das 70. und seine Frau Helga das 75. Lebensjahr erreicht. Nachfolger aus der Familie gibt es nicht. Schließlich hat es Fredo Mattheis gründlich satt, sich von den Filmverleihern auf der Nase herumtanzen zu lassen. Diese stellen gerade an die kleinen Lichtspielhäuser zum Teil absurde Forderungen, die kaum zu erfüllen sind.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass sich die Familie Mattheis Mitte des Jahres aus dem Kino-Geschäft zurückziehen und die Engel-Lichtspiele schließen wollen. Gleichzeitig ist es aber für die Stadt Breisach und die vielen treuen Kino-Besucher auch jammerschade. Denn die Münsterstadt würde dadurch ohne Zweifel kulturell ein Stück ärmer.

Hoffnung macht jedoch, dass sich Helga und Fredo Mattheis wünschen, dass irgendjemand anderer ihre Engel-Lichtspiele weiter betreibt. Vielleicht finden sich ja einige Kino-Liebhaber, die zu diesem Zweck einen Verein gründen. Mit einem städtischen Zuschuss könnten sie es vielleicht schaffen, das Kino am Leben zu erhalten. Ein Versuch wäre es auf jeden Fall wert.