Große emotionale Momente

Jörg Schimanski

Von Jörg Schimanski

Di, 24. November 2015

Rheinhausen

Musikvereine Niederhausen und Nordweil überzeugen / Landesehrennadel für Peter Gitzinger.

RHEINHAUSEN. Große emotionale Momente, hohe Auszeichnungen, ein bestens aufgelegtes Gastorchester und ein sehr gut gespieltes, stimmiges Programm der Gastgeber, das waren die Zutaten, die das Jahreskonzert des Musikvereins Niederhausen zu einem besonderen Erlebnis machten.

Mit einer schönen Geste wartete der Verein bereits bei der Begrüßung durch den Vorsitzenden Peter Gitzinger auf. Als Anteilnahme für die Anschläge von Paris wurde die Marseillaise gespielt. Die Gäste vom Musikverein Nordweil, die in diesem Moment auf der Bühne waren, wurden vom Musikverein Niederhausen vom Publikumsbereich aus unterstützt. Das Publikum hatte sich zuvor für eine Gedenkminute erhoben. Durch die intensive Freundschaft Rheinhausens zur Partnergemeinde Wittisheim bekam diese Geste eine noch tiefere Bedeutung.

Ein weiterer emotionaler Höhepunkt war das Trompetensolo von Jana Stephan. Das Stück war nicht im Programmheft angekündigt, es sollte eine Überraschung für ihre beiden Großväter werden. Einer davon, Ernst Stephan, konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein, der andere, Ehrendirigent Willi Meyer, herzte seine Enkelin nach gelungenem Einsatz. "Der alte Dessauer" gilt als sogenanntes Bravourstück für Trompete und mit Bravour meisterte Jana Stephan diese Aufgabe. Sie spielte das Stück auswendig. Tosender Applaus und der Respekt der Musikerkollegen waren der verdiente Lohn.

Bei den Ehrungen gab es eine dicke Überraschung. Zunächst wurden Herbert Schwörer für 25 Jahre, Rainer Gitzinger für 40 Jahre und Anton Schönstein für 50 Jahre aktive Tätigkeit im Dienste der Blasmusik vom Präsidenten des Oberbadischen Blasmusikverbands, Harald Bobeth, geehrt. Willi Maurer, der ebenfalls für 50 Jahre geehrt worden wäre, war leider erkrankt. Meinrad Hensle, Willi Maurer und Anton Schönstein wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Völlig überraschend trat Bürgermeister Jürgen Louis nach den Ehrungen ans Rednerpult. In der Regel werden die musikalischen Ehrungen ausschließlich von den Verbandsvertretern durchgeführt. Louis hatte jedoch eine hohe politische Ehrung im Gepäck. Peter Gitzinger erhielt für sein ehrenamtliches Engagement über mehrere Jahrzehnte die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg verliehen. Louis überreichte die Auszeichnung im Namen des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Besondere Würdigung erfuhr dabei der Einsatz Gitzingers bei den Großveranstaltungen zum 200-jährigen Bestehen des Vereins oder "Rock am Schopf". Auch die gelebte Freundschaft mit den Musikerkameraden von der anderen Rheinseite wurde erwähnt. Gitzinger zeigte sich von der Ehrung überrascht.

Überzeugender Auftritt der Gäste aus Nordweil

Gitzinger ist seit dem Jahr 2002 Vorstand des Musikvereins Niederhausen, dem er seit 1969 angehört. Bereits vor der Übernahme des Vorsitzes übernahm Gitzinger im Verein Verantwortung, unter anderem als Jugendleiter. "Die Ehrennadel ist der Beweis, dass ich doch einiges richtig gemacht habe", so Gitzinger.

Richtig war es auch, für das Doppelkonzert den Musikverein Nordweil unter der Leitung von Zsolt Sandor zu buchen. Die Nordweiler hatten in ihrer Programmhälfte fast in jedem Stück noch einen besonderen musikalischen Leckerbissen eingebaut. Das Querflötensolo von Angela Sandor-Takács bei "Tico Tico" war genauso begeisternd wie das Trompetensolo ihres Mannes Zsolt Sandor beim Stück "Granada". Herausragend war Sänger Sven von Thun bei "Don’t let the sun go down on me", einem Stück von Elton John.

Die humorvolle Moderation des Vorsitzenden Volker Götz rundete den überzeugenden Auftritt der Nordweiler ab, deren Dirigent Zsolt Sandor nach seiner Umsiedlung nach Deutschland mit seiner Familie ja zunächst in Rheinhausen lebte und beim MV Niederhausen erste Orchestererfahrung in Deutschland sammeln durfte. Sandor erinnert sich gern daran, wie gut er in Rheinhausen aufgenommen wurde. Noch heute betreut er den Männergesangverein "Sängerlust" Oberhausen.

Nachdem die Gäste einen sehr guten Auftritt hingelegt hatten, der mit viel Applaus belohnt wurde, konnten die Gastgeber das gute Niveau halten und überzeugten ihrerseits mit einem abwechslungsreichen Programm mit pfiffigen Ideen. Eröffnet wurde der zweite Programmteil mit dem sinfonischen Marsch "Skyliner" von Otto M. Schwarz, den er im Jahr 2015 komponierte. Mit "Coldplay on Stage" erinnerte der Musikverein Niederhausen an die erfolgreiche Veranstaltung "Rock am Schopf", mit der im Frühjahr Maßstäbe in Sachen Organisation und musikalischer Umsetzung gesetzt wurden und mit der sich Dirigent Thomas Hertweck einen lang gehegten Traum erfüllte.

Zwei deutsche Musiker wurden mit jeweils einem Medley besonders gewürdigt: Herbert Grönemeyer und Nena. Mit dem Stück "Spanish Fever" zeigte der MV Niederhausen, dass er auch den temperamentvollen Flamenco drauf hat. Sehr gekonnt gespielt war auch das Stück "Typewriter" aus dem Jerry Lewis Film "Der Ladenhüter". Lukas Gitzinger schlüpfte dabei in die Rolle des amerikanischen Komikers. Dabei war sein Bedienen der antiken Schreibmaschine nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern das Tippen war genau auf das Orchester abgestimmt und passte auf den Punkt. Eines der vielen kleinen Details, die diesen Konzertabend zu einem echten Erlebnis gemacht haben.