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18. Juli 2015

Abstand ist nur eine Empfehlung

Vortrag über Windkraft zog rund 100 Interessierte nach Hütten.

  1. Kommen Windanlagen auf den Hotzenwald? Foto: Archivfoto: Mielcarek

RICKENBACH-HÜTTEN. Zu einer Infoveranstaltung über Windkraft und mögliche Standorte von Windkraftanlagen in Hütten hatten Bürger des Ortes eingeladen. Hansjörg Jung, Präsidialrat im baden-württembergischen Luftfahrtverband, referierte über "Windkraft in Baden-Württemberg – Grundlagen der Windenergie" und Georg Liehr, geschäftsführender Vorsitzender der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald, nahm Stellung zu den möglichen Standorten von Windkraftanlagen am Schellenberg aus Sicht der Flugsportler.

"Wir sind kein Verein und keine Bürgerinitiative, weder Windkraftgegner noch Windkraftbefürworter", erklärte Günther Vöckler, der die Veranstaltung gemeinsam mit Conny Metzger, Thomas Schmidt und Michael Thoma organisiert hatte, eingangs. Ziel der Veranstaltung sei eine Information über Windkraft unabhängig vom Kommerz, fuhr er fort. Wie groß das Bedürfnis an entsprechenden Informationen ist, zeigte allein schon die Tatsache, dass sich rund 100 Bürger, unter ihnen etliche Gemeinderäte, eingefunden hatten.

Für den Vortrag über Windenergie konnte Hansjörg Jung, ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet, gewonnen werden. Ausführlich, aber ein wenig zu sehr ins Detail gehend, referierte er über die Grundlagen der Windenergie und Voraussetzungen für die Nutzung der Windenergie, stellte die Funktionsweise von Windkraftanlagen vor, nahm zu Ertragsberechnungen Stellung und beschrieb Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Mensch und Natur. Ein Problem sind Windkraftanlagen insbesondere in Hinblick auf die von ihnen ausgehenden Geräusche, weshalb im Windenergieerlass Baden-Württemberg von 2012 ein Abstand von 700 Metern zwischen Windenergieanlage und Wohnbebauung empfohlen wird, so Jung. Auch auf mögliche, aber bisher nicht erwiesene Auswirkungen durch Infraschall wie Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten ging er ein.

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Georg Liehr von der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald nahm Stellung zu den möglichen Standorten von Windkraftanlagen auf dem Gebiet Schellenberg südlich des Flugplatzes. Aufgrund der Windverhältnisse und der Thermik sei das Gebiet südlich des Flugplatzes ideal für die Segelflieger, insbesondere auch für die Ausbildung der Flugschüler. Sollten in diesem Bereich Windkraftanlagen aufgestellt werden, sei dort ein Flugbetrieb nicht mehr möglich, erklärte er. Bei einem Ausweichen nach Norden sei aber aufgrund von Abwindfeldern ein Windenstart nicht mehr möglich, ein Hochschleppen mit Motorflugzeugen oder ein Start mit Motorseglern sei aber mit Lärmbelästigung der Bevölkerung verbunden, fuhr er fort. Und: Wenn auch nördlich des Flugplatzes Windräder aufgestellt würde würden, bedeute dies das Ende des Segelfluges auf dem Hotzenwald. Um den Platz dann nicht brachliegen zu lassen, käme die bisher vermiedene Nutzung für Motorflugzeuge in Betracht, was wiederum zu einer Lärmbelästigung führen würde. Liehr sprach sich zwar gegen den Standort Schellenberg, nicht aber generell gegen Windkraftanlagen aus, Man sei bestrebt, Lösungen zu finden, auch wenn diese Einschränkungen mit sich brächten, betonte er.

Es gehe nicht darum, Windkraft generell abzulehnen, sondern gegenüber der Verwaltung die Ansprüche der Bürger darzulegen, wurde in einer Diskussionsrunde erklärt. Einer der Versammelten drängte darauf, die Abstände zwischen Windkraftanlage und Wohnbebauung vom Gemeinderat festlegen zu lassen.

Eine Kompromisslösung sei die beste Lösung, resümierte Vöckle. "Die nächsten Monate werden zeigen, in welche Richtung es geht", fuhr er fort. Es gelte, den Segelfliegern den Rücken zu stärken.

Autor: Christiane Sahli