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11. September 2015

Ausflugstipp

Flugtage in Hütten mit der Super Constellation

Ein seltener Klassiker ist bei den Flugtagen in Hütten dabei.

RICKENBACH-HÜTTEN. Ein Luftfahrtfest für die ganze Familie soll es sein, wenn am Wochenende die Flugtage am Segelflugplatz Rickenbach-Hütten stattfinden. Veranstalter sind die Segelflieger der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald, die zahlreiche Flugzeuge vom Oldtimer bis zur modernen Kunstflugmaschine präsentieren werden.Ein Höhepunkt wird der Besuch der Breitling Super Constellation aus Basel sein.

Sie gilt als schönstes Flugzeug der Welt und wird, geeignetes Flugwetter vorausgesetzt, am Sonntagnachmittag Hütten in geringer Höhe überfliegen. Denn am 13. September wird dieser besondere Airliner 60 Jahre alt und fliegt eine "Ehrenrunde" von Basel über den Hotzenwald.

Die Lockheed L-1049 Super Constellation, von Luftfahrtfans kurz Super Connie genannt, hat das Zeug zum Superstar. Wo bei anderen Propeller-Airlinern der Fünfzigerjahre ein wuchtiges Seitenleitwerk den Abschluss bildet, sind es bei der Super Connie drei fast schon filigran erscheinende Seitenruder, die sie unverwechselbar macht. Eigentlich wäre ja ein einziges Seitenleitwerk technisch gesehen völlig ausreichend, wenn es genügend groß dimensioniert ist. Aber mit nur einem wäre die Maschine so hoch geworden, dass sie nicht mehr in die damaligen Hangars gepasst hätte. Also wurden drei Kleinere gewählt. Ausgestattet mit einer Druckkabine für den Flug in großen Höhen, etwa 480 Stundenkilometern Reisegeschwindigkeit und mehr als 6000 Kilometern Reichweite konnten bis zu 100 Passagiere einen für die Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts nicht gekannten Reisekomfort genießen.

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Weltweit fliegt heute außer der schweizerisch zugelassenen Connie nur noch eine weitere Maschine gleichen Typs in Australien. Diese darf aber keine Passagiere befördern.

Die Spannweite beträgt 37 Meter

Die deutsche Lufthansa Berlin Stiftung lässt derzeit in den USA aus Teilen von drei ausgemusterten Flugzeugen quasi eine nahezu neuwertige Maschine der Super-Star-Baureihe der Constellation-Familie wieder auferstehen. Bis sie fliegt, wird es aber noch einige Zeit dauern. Im Frühjahr gründeten einige Schweizer die Super Constellation Flyers Association (SCFA) in Basel mit dem Ziel, eine Super Connie zu erwerben, flugfähig zu machen und sie dann in der Schweiz mit Passagieren zu betreiben. 15 Jahre, etliche tausend Arbeitsstunden und einen vielstelligen Frankenbetrag später sind aus der kleinen Schar von Enthusiasten mehr als 2600 Mitglieder geworden, die sich unterstützt von mehreren Sponsoren und durch Flugkostenbeiträge dem Erhalt ihres außergewöhnlichen Airliners widmen. Da die 1955 gebaute Super Connie rechtlich gesehen ein Vereinsflugzeug ist, dürfen auch nur Mitglieder der SCFA mitfliegen. Ein Vereinsbeitritt ist für 120 Schweizer Franken aber problemlos zunächst für ein Jahr möglich. Nach frühestens 30 Tagen Mitgliedszeit kann dann gegen eine je nach Flugdauer entsprechende Gebühr mitgeflogen werden. Auch viele deutsche Flugbegeisterte sind bereits in der SCFA Mitglied.

Wer am Euroaiport Basel-Mulhouse einmal die Chance hat, den Airliner zu besichtigen und dann womöglich mondänen Luxus in der Kabine erwartet, wird staunen: Ziemlich nüchtern ist das Innendesign, und das einzige Toilettenabteil im Heck überrascht mit sehr rustikalem Charme. Der Grund: Die eidgenössische Super Connie war ursprünglich ein Transportflugzeug des US-Militärs, weswegen die Bestuhlung und das Interieur eher spartanisch ausfielen.

Wenn die Maschine zum Leben erwacht, kann man erahnen, warum die Super Connie so viele Menschen fasziniert. Vibrationen, Geräusche und sogar Gerüche werden vom Passagier wahrgenommen, wie in keinem modernen Flugzeug. Und nach dem Abheben geht die Super Connie äußerst sanft in einen flachen Steigflug. Die dabei beruhigend brummenden Sternmotoren haben schon manchen Passagier viel zu schnell in einen tiefen Schlaf versetzt. Wer aber an einem der großen Fenster die beiden riesigen Propeller beobachtet und zuschaut, wie die Landschaft relativ langsam unter dem Airliner hinwegzieht, erlebt eine Zeitreise in eine Ära der Luftfahrt, wie sie einst die Großeltern kannten. Während des Flugs mit dem Oldie brauchen die Passagiere auch nicht angeschnallt bleiben, sondern dürfen frei in der Kabine hin und her schlendern.

Nachdem die eidgenössische Super Connie durch 2009 entdeckte Schäden mehr als ein Jahr lang flugunfähig – im Fachjargon "gegroundet" – war, erlebte sie bereits ihren dritten Rollout: den ersten 1955, als sie in Betrieb genommen wurde, den zweiten 2004 nach der Restaurierung und zuletzt vor vier Jahren nach dem Beheben der Korrosionsprobleme sowie einer kompletten Neulackierung.

Stationiert ist der 37 Meter Spannweite messende Klassiker im King-Size-Format in den Sommermonaten am Flughafen Basel-Mulhouse. Im Winter, wenn nicht geflogen wird, bildet ein großer Hangar am Flughafen Zürich das temporäre Zuhause der Maschine.

Infos zum Flugtag gibt’s unter      http://www.flugtag-huetten.de

Autor: Jürgen Schelling