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14. Mai 2016

Frühe Zeichen von Bergbau im Murgtal

Gedenkstein in Wieladingen zeugt auch von einer alten Befestigungsanlage.

  1. Dieser rund 90 Jahre alte Gedenkstein am Wieladiner Murgtalrand erinnert an alte Erwerbsformen und Bergbauaktivitäten auf dem Wald. Foto: Adam

RICKENBACH-WIELADINGEN (am). Dass es auf der Gemarkung von Rickenbach neben der über 700 Jahre alten Burgruine von Wieladingen noch einen anderen Ort mit Resten einer Burganlage gibt, wissen heute nur noch wenige Rickenbacher. Zu ihnen zählt der Schreinermeister und frühere Landwirt Franz Käser aus Wieladingen, in dessen Grundstücksbereich am Rande der Murgtalschlucht eine uralte Befestigungsanlage zu erkennen ist. An die Besonderheit dieses Ortes am Rande des steil abfallenden Murgtals erinnert auch ein Gedenkstein, der auf eine Heidenschmiede und auf Bergbauaktivitäten des 18. Jahrhunderts hinweist.

Aufgestellt wurde dieser Granitstein von der Murger Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe, die vor der Gründung eines Rickenbacher Ortsvereins auch Mitglieder vom Wald hatte. Für rund 100 Mark fertigte seinerzeit der Hottinger Steinmetz Angelo Brunelli den Stein an, wie Rickenbachs Altbürgermeister Georg Keller in seinem Dokumentationsband "Den Kreuzen folgen" festhält. Das sagenumwobene Gelände der "Heidenschmiede" steht in einem Zusammenhang mit früheren Grabungen nach Erdschätzen, wie die Silbervorkommen damals genannt wurden. Alte Akten aus dem Archiv der früheren selbständigen Gemeinde Willaringen belegen Schürfarbeiten im Bereich des Murgtalhangs, nur die genaue Lage des Bergwerkes ist nach Angaben Kellers nicht überliefert worden.

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Aus den Akten geht hervor, dass mehrere Bewohner des Kirchspiels Rickenbach und "ein Leutnant im Bernischen" für 14 Tage vom Freiburger Bergrichtamt eine Schürfgenehmigung erhielten. Über den Erfolg der Arbeiten in einem alten, verlassenen Werk ist jedoch nichts bekannt geworden. Aus dem Jahr 1864 stammt eine noch erhaltene Verfügung des Willaringer Bürgermeisteramtes zu den Grabungen. Darin wird alles Graben nach Silbererzen untersagt. Betroffen von dem Verbot waren die Wieladinger Bürger Johann Baier, Martin Käser, Martin Kaiser und Josef Häsle. Die von ihnen eröffnete Grube sollte nach der Anordnung wegen Einsturzgefahren alsbald wieder unzugänglich gemacht werden.

Keine Überlieferungen gibt es zu der hinter dem Stein liegenden Burganlage. Das Gelände wurde bereits von Beauftragten der Denkmalpflege begangen und beurteilt, wie der Vorsitzende des Fördervereins Burgruine Wieladingen, Gottfried Nauwerck, weiß. "Dabei konnte anhand von Lesefunden bestätigt werden, dass dieser Bereich einmal ein bevölkerter Platz direkt am Murgtalabhang war", erinnert Nauwerck. Es könne vermutet werden, dass dort schon im 12. Jahrhundert, also schon vor dem Bau der heutigen Wieladinger Burg unter den Lehnhöfen, eine befestigte Wohnanlage bestand. Diese Schutzanlage wurde womöglich verlassen, weil sie für Angreifer leichter zugänglicher war als der Platz, an dem später auf einem Felssporn beim Lehnbach die Burg der Wieladinger Adelsherren errichtet wurde.

Autor: am