Integration über die Musik

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Sa, 14. April 2018

Rickenbach

Dank Bläserjugend Hotzenwald und Marianne Baitsch lernt ein syrisches Mädchen Klarinette.

RICKENBACH. Die zehnjährige Malak Alahmad aus Syrien lernt Klarinette. Ihre musikalische Ausbildung verdankt sie der Bläserjugend Hotzenwald, die über die Vermittlung der Musiklehrerin Gabi Barth ein Leihinstrument zur Verfügung stellte. Die Kosten der Instrumentalausbildung übernahm in Form einer musikalischen Patenschaft Ärztin Marianne Baitsch.

Vor rund drei Jahren kam Familie Alahmad aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Damaskus nach Deutschland. Zunächst hatte Familienvater Adham die Flucht gewagt, war in der Flüchtlingsunterkunft in Rickenbach gelandet und hatte es schließlich geschafft, ein Visum für seine Frau und die drei Töchter zu bekommen. Dank einer glücklichen Fügung erhielt die Familie eine freie Einliegerwohnung in Egg zugewiesen, die von der Besitzerin des Wochenendhauses zur Verfügung gestellt worden war.

Aber Wohnungsinhaberin Marianne Baitsch gab nicht nur das Dach über dem Kopf, sondern kümmerte sich auch um die vielen Details, die eine Integration wesentlich erleichtern. So fand der Familienvater, der in Syrien zuerst als Maler und später als Kulissenbauer und Beleuchtungsspezialist in Filmproduktionen tätig gewesen war, bald Arbeit, die drei Töchter lernten schnell deutsch und fanden Anschluss, Tochter Malak nahm in der Grundschule am Blockflötenunterricht der Bläserjugend Hotzenwald teil.

Beim Aktionstag der Bläserjugend mit Instrumentenvorstellung stand dann Malaks Wunschinstrument schnell fest, die Klarinette. Über die Mitgliedschaft in der Bläserjugend des MV 1860 Rickenbach konnte sie das Leihinstrument erhalten, und Marianne Baitsch sprang für die Bezahlung der Unterrichtsgebühr ein. Nach inzwischen fast eineinhalb Jahren Instrumentalunterricht an der Jugendmusikschule Bad Säckingen kann Malak nun bereits im Vorstufenorchester, den BJH-Music-Kids, mitspielen.

Die ganze Familie ist glücklich über diese "Musikerkarriere" ihrer Tochter, wenngleich die Eltern den Vorsatz haben, mit ihren Kindern nach Syrien zurückzukehren, sobald dort ein gefahrloses Leben wieder möglich sein wird. Wie lange das indes noch dauert und wie weit die Töchter in der Zwischenzeit dank ihrer guten Integration Deutschland als ihre Heimat begreifen werden, ist vollkommen unklar. Die Flucht, ohnehin zumeist nur eine Option für besser gestellte Familien, hat die gesamten Rücklagen verschlungen, die frühere Existenz der Familie komplett ausgelöscht. An eine Wiederaufnahme der Tätigkeit von Mutter Jasmin, die in Syrien in der öffentlichen Verwaltung gearbeitet hatte, ist überhaupt nicht zu denken.

Auch Malaks kleine Schwester hat mittlerweile musikalische Pläne, deren mögliche Finanzierung sogar schon beim Präsidenten des Blasmusikverbandes Hochrhein, Felix Schreiner, gelandet ist. In diesem Zusammenhang kam jedoch auch das Problem zur Sprache, dass auch einheimische Familien oft Schwierigkeiten haben, in Zeiten der Professionalisierung der Vereinsausbildung die Kosten zum Erlernen eines Instrumentes für ihre Kinder zu stemmen. Ein Thema, das die BJH zusammen mit der Jugendmusikschule erkannt hat und schon seit einiger Zeit diskutiert.