Flugplatz Hütten

Der Alltag von Segelflugschülern: Unbeschreibliche Eindrücke

fau

Von fau

Di, 13. August 2013

Rickenbach

BZ-Mitarbeiter Ralph Fautz hat einen Tag lang den Alltag von Segelflugschülern am Flugplatz in Hütten erlebt.

RICKENBACH-HÜTTEN. In gefühlten drei Sekunden von Null auf Hundert – nein, die Rede ist nicht von der AMG-Version der neuen S-Klasse, sondern vom Start eines Segelflugzeugs – an der Winde am Segelflugplatz Hütten geht es rasant hinauf in die Lüfte, wo sich ein phänomenaler Blick über das Wehratal und den Hotzenwald auftut. Unser Mitarbeiter Ralph Fautz erlebte einen Tag lang den Alltag von Segelflugschülern und Piloten.

Einsteigen und losfliegen? Nein! Bis ein Segelflieger in der Luft ist, muss einiges getan werden. Früh morgens um sechs herrscht an einem Sommermorgen bereits reges Treiben im Flugzeughangar der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald (LGH) am Flugplatz in Hütten. Die Hobbypiloten und jene, die es werden wollen, schieben die Segelflugzeuge aus dem Hangar oder vom Hänger.

Nach dem die Flügel montiert sind, folgt ein gründlicher Außencheck: Sind rundum Schäden sichtbar? Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Strömungskanten der Tragflächen. Beim Technikcheck werden das Höhenleitwerk und die Landeklappen auf ihre Funktion überprüft. Sie werden über einen Seilzug gesteuert, der über Pedale und Hebel im Flugzeug bedient wird. Vor dem Flug steht dann noch das Wetterbriefing an. Aus welcher Richtung kommt der Wind und wie stark ist er? Wie warm wird es? Ziehen Unwetter auf? All diese Fragen beeinflussen den Flugtag und die geplante Strecke. Die Wetterkunde ist auch Bestandteil der Flugausbildung.

Bevor es losgeht, wird der Fallschirm angezogen. Pilot Bernhard Egger wird mit mir eine kleine Runde über den Flugplatz drehen. Aber Wolken und Nebelwände, die aus dem Wehratal empor steigen, verzögern den Start. Eine Achterbahn ist nichts gegen das, was gegen 7.30 Uhr folgt: In atemberaubendem Tempo zieht die Winde das Flugzeug an und beinahe senkrecht geht es in die Luft. Klack und das Seil klinkt aus. Vor uns tut sich unter den Wolken das Wehratal auf und der Flugplatz erscheint zunehmend kleiner. Wir drehen ein paar Runden über das Dorf und den Platz, ehe es wieder auf den Boden geht. Die unbeschreiblichen Eindrücke, die die Flugschüler und Piloten immer wieder schilderten, machen sich – neben einem gewissen Unwohlsein im Magen – auch in mir breit.

Vom Ende der nach Westen gerichteten Startbahn rollt der alte Ford Mondeo an. Mit ihm bringen die Piloten und Flugschüler die Seile der Winde wieder die etwa 700 Meter zum Start zurück. Auch wenn die Sonne inzwischen höher steht, kalt ist es nach wie vor. Gegen neun Uhr sitzen alle beim Frühstück an der Fliegerklause zusammen. Jeder erzählt und stellt Fragen. Die Wochenenden auf dem Flugplatz sind sehr lustig und erlebnisreich. Viele der Flieger bleiben über Nacht auf dem eigenen Campingplatz. Noch den ganzen Tag über gibt es zahlreiche Starts und Landungen. Das Wetter war ideal und gegen Mittag wurde es richtig warm. Die Fahrer der Winde hatten allerhand zu tun. Wenn das Seil anzog musste jeder der dort Anwesenden weit genug weg oder im Windenfahrzeug sei – aus Sicherheitsgründen. Wehratal, Rheintal oder auch das Gerspacher Plateau, die Hobbypiloten hatten an diesem Tag eine Menge Flugrouten zur Auswahl.

Jeder packt an, wo er gebraucht wird

Jeder Tag geht zu Ende und am frühen Abend trudeln die ersten Flieger wieder ein. Auch hier packt jeder wieder an, wo er gerade gebraucht wird – zunehmender Müdigkeit und Unlust zum Trotz. Segelfliegen ist bei weitem kein Sport der oberen Zehntausend, da sind sich alle Flieger einig. Die Preise der Flugerlaubnis sind erschwinglich und das soll auch so bleiben. Da nur mit der Kraft der Luft geflogen wird, fallen Treibstoffkosten weg. Wer sich fürs Segelfliegen interessiert und älter als 14 Jahre ist, kann mit der Ausbildung beginnen. Im Sommer steht der praktische Teil der Ausbildung an, in den Wintermonaten folgt die Theorie. Den Unterricht und die Ausbildung übernehmen die Fluglehrer ehrenamtlich.

Die Luftsportgemeinschaft Hotzenwald informiert auf ihrer Internetseite unter http://www.lg-hotzenwald.de über Segelfliegen, Ausbildung, Kosten und Termine.