Ein Künstler auf der Suche nach einer neuen Wirklichkeit

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Do, 07. Juni 2018

Riegel

Bei der Vernissage zur neuen Dalí-Ausstellung in der Kunsthalle Messmer in Riegel führte der Kunsthistoriker Friedhelm Häring in die Werke ein.

RIEGEL. Vielleicht hat ein Engel Salvador Dalí die Hand geführt. Über solche Hintergründe sinnierte Friedhelm Häring bei der Vernissage zur neuen Dalí-Ausstellung in der Kunsthalle Messmer in Riegel. Der Kunsthistoriker und frühere Direktor des Oberhessischen Museums in Gießen nahm in seiner unnachahmlichen Art das Publikum mit in die Kunstwelt Dalís und tendierte zwischendurch zu einer launigen Predigt über die Menschheitsentwicklung. Damit gab er den zahlreichen Zuhörern viel Stoff mit auf den Rundgang, um die Bildsprache der rund 150 ausgestellten Werke zu erahnen. "Dalí – Der Zauber des Genies" hat Jürgen Messmer seine neue Ausstellung betitelt. Im Mittelpunkt stehen grafische Arbeiten von Salvador Dalí.

Und Friedhelm Häring setzte die Holzschnitte, Kaltnadelradierungen und Lithografien in große Rahmen. Der eine war das künstlerische – das spanische – Dreigestirn aus Pablo Picasso, Joan Miró und Salvador Dalí, deren Werke schon einmal in irgendeiner Form in der Kunsthalle Messmer zu sehen waren. Den anderen Rahmen bildeten die großen Denker Albert Einstein, Sigmund Freud und Karl Marx. Von deren bahnbrechenden Ansichten seien diese Künstler inspiriert gewesen, neue Wege zu gehen, erklärte Häring. Neue Wege, das habe auch geheißen, dass man miteinander für Skandale gesorgt habe, sagte Häring. Süffisant deutete er an, was da im Gefühl einer neuen Sexualität so alles demonstriert und gelebt worden sei. Die drei Bürgersöhne hätten ihre alte Weltordnung zerfallen sehen und sich aufgemacht, zu einem neuen Verständnis zu kommen.

Ein künstlerisches Ergebnis ihrer Alchemie war der Surrealismus. Universalgenie Dalí, der als Maler, Dichter und Filmemacher unterwegs war, sei mit seinen Fantasien und seinen fantastischen Bildern zwar surreal, aber nicht weg von der Welt gewesen, sondern auf der Suche nach einer anderen Wirklichkeit. Dazu gehörten auch seine Streifzüge durch Renaissance und Manierismus.

Die Alchemie des Lebens, auf die er gestoßen sein könnte, mag man in seiner Serie zu Dante Aligheris "Göttlicher Komödie" entdeckten. Die Grafiken mit seinen figuralen Vorstellungen von Fegefeuer und Paradies sind in der Kunsthalle zu sehen. Die Drucke zeichnen sich auch durch die künstlerisch-technische Umsetzung der überirdischen Mystik aus. Die Farbholzschnitte geben den Drucken ein besonderes Flair.

Die Ausstellung ist bis zum 14. Oktober zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Führungen gibt’s sonntags um 14.30 Uhr, am zweiten Mittwoch im Monat um 17 Uhr und nach Vereinbarung. Mehr unter http://www.kunsthallemessmer.de