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10. Mai 2012

Rückkehr zu Propellern, Triebwerken und Pionieren

Gerhard Ochsendorf, einst Flugzeugbauer bei Junkers und Lehrer, arbeitet als Rentner an einem Buch für den Geschichtsverein Riegel.

  1. Gerhard Ochsendorf (l.) und Peter Ziegler vor dem Bild einer startenden Ariane. Foto: M. Haberer

RIEGEL. Zu "Römer und Raketen" im Archäologischen Museum in Riegel gehört auch, die Jugend mit diesen Geschichtsthemen vertraut zu machen. Ein Standbein, nämlich Luft- und Raumfahrt, soll künftig mit einem eigenen Buch den Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Gerhard Ochsendorf stellt in "Höhepunkte der Luft und Raumfahrt" locker gestaltet alles Wissenswerte vor.

Bürgermeister Markus Jablonski konnte den 86-jährigen Gerhard Ochsendorf für den Geschichtsverein gewinnen. Jablonski kam zum 85. Geburtstag, um Ochsendorf zu gratulieren, und hat den Rentner angesichts dessen Vergangenheit auf den Geschichtsverein und dessen modernes Standbein aufmerksam gemacht. Denn der frühere Lehrer in der damaligen DDR hat noch in den 40er-Jahren eine Lehre beim Flugzeugbauer Junkers gemacht. "Ich hätte nicht gedacht, dass ein Geschichtsverein so umfassend interessiert sein kann", sagt Ochsendorf zu dem, was Jablonski ihm erzählte und was er gerade auch mit der neuen Konzeption des Museums zu sehen bekam.

Ochsendorf ist in Vielbaum in Sachsen-Anhalt geboren. Bis 1940 absolvierte er die Volksschule. Auf dem Arbeitsamt seien Schüler wie er gleich nach kriegswirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgewählt worden, erinnert er sich. Getestet wurde die Fingerfertigkeit und Rechnen. Das beste Drittel der Schüler kam zu Junkers, das nach der Enteignung von Hugo Junkers zum Staatskonzern umgewandelt worden war. Ochsendorf lernte im Zweigwerk Magdeburg. Dort lernte er jenen "Junkers-Geist" kennen, der die Firmenphilosophie ausmachte: Eine umfassende Ausbildung sollte die Lehrlinge fit für den Beruf und das Leben machen. Die Lehre war verbunden mit Berufsschule, was in etwa dem heutigen "dualen System" der Berufsschulen entspricht. In seinen Lehrlingsjahren durfte er an den Vorläufern von Flugzeugteilen feilen, wie sie im Archäologischen Museum zu sehen sind. Auch Junkers arbeitete damals an der Entwicklung von Strahlentriebwerken. Im Werk habe er nur mitbekommen, dass er mit ganz neuen Werkstoffen arbeiten musste, so Ochsendorf. Zum Piloten hat es ihm nicht mehr gereicht. Er habe zwar die Flugtauglichkeitsprüfung bestanden, so Ochsendorf. Doch dann sei er für die Infanterie ausgebildet worden. Strahlenflugzeuge hat er erst als Kriegsgefangener gesehen.

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Nach dem Krieg war es für ihn vorbei mit dem Flugzeugbau. Denn wegen der Familie kehrte er wieder in die Sowjetzone zurück und da gab es so etwas nicht mehr. Er studierte auf Lehramt, behielt aber sein Faible für die Luftfahrt. Einige Jahre nach der Wende kam er nach Riegel, wo bereits sein Sohn Fuß gefasst hat. So viele Jahre nach seiner Ausbildung beschäftigt er sich nun wieder intensiv mit Propellern, Triebwerken und Flugpionieren, damit der didaktische Auftrag des Museums dem Nachwuchs etwas Anschauliches in die Hände geben kann. Der Geschichtsvereinsvorsitzende Peter Ziegler denkt, dass das auf 111 Seiten angewachsene Werk 2013 herausgegeben wird.

Autor: Michael Haberer