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02. Dezember 2013

Auf leise Art spektakulär

Mundharmonikaspieler Max de Aloe im Jazztone.

  1. Max de Aloe in Lörrach Foto: Mink

Die Mundharmonika ist ein recht beliebtes Begleitinstrument, vor allem beim Blues, aber auch bei Folk und Jazz. Gekonnt gespielt kann man mit dem kleinen Instrument wunderbare Akzente setzen. Doch in der Regel bleibt die Mundharmonika Begleiter. Nur wenigen gelingt es, die Musikharmonika in den Stand eines Soloinstruments zu erheben, was einiges an technischer Brillanz und virtuosem Können erfordert. Toots Thielemans hat das auf eindrucksvolle Weise vorgemacht, und am Freitag gastierte im Lörracher Jazztone ein Musiker aus Italien, dem dieses Kunststück ebenfalls in verblüffender Weise gelingt. Max de Aloe, vor 45 Jahren in Busto Arsizio nordwestlich von Milano geboren, hat das Spiel auf der Mundharmonika zu faszinierender Perfektion entwickelt. Mit seinem Quartett führte er vor, wie dieses kleine, unscheinbare Instrument tragende Säule eines abendfüllenden Programms sein kann. Erstaunlich, was Max de Aloe gelingt, aus der Mundharmonika herauszuholen. Sanft und lyrisch lässt er sie Lieder singen, filigrane Läufe und Melodien holt er aus ihr hervor, er malt Klangbilder und bleibt doch immer einer berührenden Harmonik verhaftet. In sich versunken, mit einer Riesenmenge an Gefühl gewann er der Mundharmonika wunderbare Lieder, Melodien und Musikstücke ab.

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Dazu hat er sich aber auch versierte Mitstreiter ins Boot geholt. Drei Italiener und ein Fast-Italiener bilden das Quartett, wie Lorenzo Petrocca scherzte. Sein Bruder Anthonio Petrocca spielte zurückhaltend, aber dennoch lebhaft die Drums. Zart und inspiriert entlockte Wolfgang Mörike, angeblich ein Nachfahre des Dichters Eduard Mörike, seinem ungewöhnlich gebauten Kontrabass melodiöse Grooves. Gitarrist Lorenzo Petrocca, der schon häufig mit ganz unterschiedlichen Formationen im Jazztone zu Gast war, begeisterte aufs Neue mit seinem meisterhaften und wunderbar flüssigen Spiel und seiner unglaublichen Schnelligkeit.

Max de Aloe und Lorenzo Petrocca verbindet nicht nur die gemeinsame Abneigung gegen Silvio Berlusconi, wie sie verrieten, sie erwiesen sich im Jazztone auch als geniale Partner auf musikalischem Terrain, die sich die Bälle zuspielten und in virtuosen Höhenflügen abwechselten. Drums und Bass bildeten dazu das solide und lässig groovende Fundament, nicht ohne eigene Akzente zu setzen. Das Repertoire war ein schöner Mix aus Standards und eigenen Stücken von Max de Aloe und Lorenzo Petrocca, lässig swingender Jazz mit Latin-Einflüssen, der bei flüchtigem Zuhören manchmal nach Easy-Listening klang, bei genauem Zuhören aber viele Feinheiten offenbarte. Ruhige, zarte und lyrische Stücke prägten dem Programm ihren Stempel auf, oft wurde die Musik aber auch sehr rhythmisch und schnell, nicht ohne den melodiösen Charakter aus dem Auge zu verlieren. Das Max de Aloe Quartett gab ein auf leise Art spektakuläres Konzert, denn in Sachen Mundharmonika erlebt man derartige Meisterhaftigkeit nicht so oft. Wer die Mundharmonika so spielt wie Max de Aloe, kann sie getrost zum Soloinstrument machen.

Autor: tm