Der König der Alpen

tm

Von tm

Mi, 29. Oktober 2014

Rock & Pop

Hubert von Goisern trat mit neuen Songs im Lörracher Burghof auf und schaffte es einmal mehr, seine Fans zu begeistern.

Er hat die alpine Volksmusik vom Kitsch befreit und sie mit Rock und Weltmusik, neuerdings auch mit Country, Cajun und Zydeco angereichert. Damit entwickelte sich Hubert von Goisern zum wichtigsten Vertreter der so genannten Neuen Volksmusik und machte sich tatsächlich jede Menge Freunde. Das war auch bei seinem Konzert am Montagabend im Lörracher Burghof zu erleben, das ausverkauft war.

Die Begeisterung des Publikums schlug ihm und seiner Band von Anfang an entgegen, auch wenn er nicht unbedingt alle Publikumswünsche erfüllte. Nach seiner Tour 2012, bei der auch im Burghof war, habe er sich überlegt, ob er nochmals auf Tournee gehe und was er dann mache. Denn Wiederholungen liegen dem Oberösterreicher nicht, auch wenn manche Zuhörer das schade finden. "Man kann auch nicht jeden Tag Schnitzel essen, irgendwann hängt einem das zum Hals heraus, auch wenn es noch so gut zubereitet ist", stellte er fest. Und weil ein paar Besucher widersprachen setzte er noch ein bekräftigendes: "Doch!" hinzu. Deshalb hat er sich zunächst neue Anregungen geholt und ein paar neue Songs geschrieben, bevor er sich wieder auf Tour begab.

Mit diese neuen Songs – ein neues Studioalbum ist in Arbeit – bestritt er den ersten Teil des Konzerts. Die kamen bei "Jambalaya" von der Weltmusik her, bei "Stoansteirisch" mischte er harten Rock und treibende Beats mit Ländler und Alpenjodeln und Cajun aus dem Süden der USA. Dorthin ist er auch gereist, wie er erzählte, um Anregungen zu suchen. Weil man sich heute über die USA wieder so ärgern könne wie in den 70er Jahren, wollte er dort Freunde finden. Einen mit dem er sich auch musikalisch verstand, fand er in der Person von Steve Fisher aus Nasville Tennessee, der in der Band nun die Hawaii-Gitarre spielte und damit eine Menge Cajun- und Zydeco-Feeling mitbrachte.

Und wie so oft ließ sich Hubert von Goisern von seinen Erlebnissen zu Songs anregen, so von einer Schnapsprobe, die man mit dem frisch aus Amerika eingetroffenen Fisher machte. Daraus wurde der Song "Schnaps", der durch ein hypnotisches Riff und eine schneidende Rock-Gitarre bestach und natürlich durch Huberts virtuoses, energiegeladenes Akkordeonspiel. Dass die Ziehharmonika, die sein Markenzeichen ist, aber nicht das einzige Instrument ist, das er beherrscht, bewies er mehrfach.

"Am helllichten Tag" eröffnete er mit einem Mundharmonika-Solo, bei "I bin ganz alloan" fügte er ein jazziges Horn-Solo bei, später spielte er auch Keyboard und Gitarre. Er adaptierte den Bob-Dylan-Song "Corinna Corinna", machte aus der Hymne "Amazing Grace" den Song "So a Seg’n", um dann mit "Susanna" wieder Volldampf-Ländler-Rock zu liefern. Mit dem bissigen, energiegeladenen "Snowdown", das die Konfliktherde der Welt thematisierte, verabschiedete sich die Band nach etwas mehr als einer Stunde von der Bühne, nur um sogleich wiederzukehren und nochmals ebensolange zu spielen.

Und jetzt folgten ein paar der Hits, auf die das Publikum gewartet hatte: "Über-Unter-Ober-Österreicher" ganz akustisch, "Koa Hiatamadl", "Brenna tuats guat". Die Band mit Severin Trogbacher an der Gitarre, Helmut Schartlmüller am Bass und Alexander Pohn am Schlagzeug legte voll los und hatte jede Menge Spaß dabei, ebenso wie das Publikum, das begeistert tanzte und tobte. Dann stieß auch Steve Fisher wieder dazu, es folgte der Country-Alpen-Rock "Stadltür" und mehrere Balladen, die durch schöne Melodien und emotionale Tiefe bestachen.

Nach insgesamt 20 Songs verabschiedete sich die Band, kam jedoch zu einer Zugabe wieder, bei der Hubert von Goisern ein Alphorn spielte, das man schon 200 Jahre bevor es in der Schweiz erwähnt wurde in Salzburg gespielt habe, wie er meinte. Hubert von Goisern zeigte sich im vollen Burghof noch immer als der musikalische Grenzgänger und bissige Zeitkritiker, als den man ihn kennt und schätzt. Das Publikum war begeistert.