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07. Januar 2009 13:15 Uhr

Zurück in dier 80er

Die NDW-Show "Ich will Spaß" in Freiburg

Markus, Hubert Kah, Frl. Menke und der frühere UKW-Sänger Peter Huber boten im Freiburger Konzerthaus unter dem Motto "Ich will Spaß" eine bizarr-kurzweilige Revue mit lauter Liedern von damals.

  1. In Klaus-Maria-Brandauer-Pose präsentierte sich Hubert Kah. Foto: Rother

  2. Sie hatten Spaß: Markus und Frl. Menke Foto: rother

  3. „Ich geb’ Gas“: Markus nimmt sich auf die Schippe. Foto: Rother

Im Vorfeld von Konzerten geht bei den Redaktionen ja allerlei Pressematerial ein – aber eine Witzliste gibt es wirklich nicht alle Tage. Die Veranstalter von "Ich will Spaß" hatten der Ankündigung gleich ein ganzes Set an Sprüchen aus den 1980er Jahren beigefügt, etwa "Alle jagen den weißen Hai – nur nicht Schröder, der ist der Köder". Wer dabei politisch weing korrekt aber wissend schmunzelnd kann, wäre wohl auch bei der "ultimativen Neue Deutsche Welle Show" am Dienstagabend gut aufgehoben gewesen, denn die setzte naturgemäß auf eine Höchstdosis Nostalgie.

Viele Besucher hatten sich allerdings nicht ins Freiubrger Konzerthaus verirrt. 40 bis 60 Euro für die möglicherweise abgetakelten Helden von einst schienen wohl doch ein zu hohes Investment. Die "Ich will Spaß"-Show entpuppte sich jedoch als bizarr unterhaltsame Revue, die den titelgebenden Wunsch des Publikums durchaus befriedigte.

Anfangs war Markus kaum zu hören

Dabei verhieß der Auftakt nichts Gutes: In grausigem Sound stimmte NDW-Sänger Markus seinen größten Hit an, "Ich will Spaß" eben. Der Gesang war kaum zu hören – vielleicht auch kein Fehler, denn besondere Stimmgewalt war in den 1980er Jahren nicht nötig, um als deutscher Sänger in die Charts und vor allem in Dieter Thomas Hecks legendäre "ZDF-Hitparade" zu kommen.

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Deren eher Schlager-seliges Publikum verblüfften die NDW-Musiker seinerzeit mit schrägen Kostümen und frechen bis sinnfreien Texten. Dass zusammenwuchs, was nicht zusammengehören schien, lag schließlich an der enormen Eingängigkeit und Mitsingbarkeit der Hits – bis heute gibt es keinen Faschingsball und kaum eine Studentenparty, auf der nicht ein NDW-Programmblock das Stimmungsbarometer in die Höhe treibt.

So dürfte es in Freiburg kaum jemanden gestört haben, dass die versammelten Interpreten – neben Markus noch Frl. Menke, Hubert Kah und UKW-Frontmann Peter Hubert – von Musikkritikern damals als Totengräber der ursprünglichen Neuen Deutschen Welle gescholten werden: Auf die politische Subversivität von Gruppen wie Deutsch-Amerikanische Freundschaft oder Die tödliche Doris, so der Vorwurf, folgten leicht modernisierte Karnevalsschlager. Das mag richtig sein, unbestreitbar bleibt aber, dass sich die Hits der nur für wenige Jahre aufschäumenden Welle als ausgesprochen haltbar erwiesen haben.

So konnte die "Ich will Spaß"-Besetzung nach Behebung der Sound-Probleme aus dem Vollen schöpfen und stimmte auch Hits anderer Interpreten an – etwa in einem Nena- oder einem Falco-Medley. Dafür hatte man sich klugerweise zwei Ensemblemitglieder aus dem "Falco meets Amadeus"-Musical hinzugeholt, die gesangstechnisch doch einiges mehr drauf hatten als die einstigen Stars. Auch die vier Tänzerinnen wechselten im Rekordtempo ihre witzigen Outfits – vom Nena-Ebenbild über "Computerliebe"-Futurismus bis hin zur Balleteinlage bei "Jeanny".

Recht denkwürdig gerieten auch die Auftritte von Hubert Kah, der sich hochdramatisch im Klaus-Maria-Brandauer-als-Mephisto-Look in Szene setzte, und auch seine schönen späteren Hits wie "Wenn der Mond die Sonne berührt" schmachtete. Als wahre Rampensau präsentierte sich der jovial-berlinerische UKW-Sänger Peter Huber. Als er auch noch mit Markus "Ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt" anstimmte, lösten sich die Zuschauer begeistert mitsingend von den Sitzen – Angela Merkel hätte es mit Freude vernommen. Neben solchen Gesangseinlagen konzentrierte sich Markus auf seine Rolle als etwas holpriger Conférencier mit Sprüchen wie "Nena war so etwas wie die Britney Spears der Achtziger – nur mit Achselhaaren".

Dem Nostalgiefaktor wurde also ordentlich Rechnung getragen. Was aber vor allem bleibt, ist die erstaunliche – oder erschütternde – Erkenntnis, dass man jede, aber wirklich jede Textzeile der unzähligen Lieder des Abends noch im Kopf hatte. Gut, bei "Traumboy" von Frl. Menke hat man mal etwas gezögert – aber auch nur ganz kurz. . .









Autor: Stefan Rother