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01. Oktober 2012

Vom ersten Ton an das Publikum voll im Griff

Der Gitarrist Fred Chapellier aus Frankreich und The Nighthawks aus den USA eröffneten die zweite Saison der Weiler Bluesnächte.

  1. Gitarrist Fred Chapellier und Mark Wenner von den Nighthawks machem am Ende gemeinsame Sache. Foto: Adrian Steineck

Blues boomt. Szenegrößen wie Joe Bonamassa füllen die Royal Albert Hall, und auch ein Brite wie Mark Knopfler huldigt auf seinem aktuellen Soloalbum diesem uramerikanischen Musikstil. Vergangenenes Jahr hatte das Weiler Kulturamt mit dem Team von "exbluesive", zu dem der Radiomoderator und Bluesredakteur Klaus Deuss gehört, die Weiler Bluesnächte gestartet und damit einen Nerv getroffen. Alle vier Bluesnächte waren ausverkauft. Am Freitag startete die Reihe nun mit einem Auftritt der US-Combo The Nighthawks in die zweite Saison.

Die 150 Zuschauer im diesmal nicht ganz ausverkauften Haus der Volksbildung erlebten vor den Bluesveteranen aus Washington den französischen Gitarristen Fred Chapellier. Was der Musiker samt seiner Band bei seinem erst zweiten Deutschland-Konzert ablieferte, war schlicht virtuos. Mit seinen furiosen Soli wie etwa bei "Living In A Dream" von seinem Album "Electric Venues" hatte Chapellier die Besucher vom ersten Ton an im Griff. Dabei spielte der Ausnahmemusiker aus Metz sich nie auf Kosten seiner drei Mitstreiter in den Vordergrund, geriet seine Virtuosität nie zum Selbstzweck. Vielmehr übertrugen sich Leidenschaft und Spielfreude auf das Publikum. Bei einem Stück begrüßte Chapellier als "Special Guest" Big Daddy Wilson, Bluessänger aus North Carolina, auf der Bühne. Dass dieser erst seit wenigen Jahren in der Bluesszene aktiv ist, mochten viele ob der Intensität kaum glauben. Erst nach mehreren Zugaben durfte Fred Chapellier die Bühne verlassen – vorerst.

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Nach einer solchen Vorgruppe hätte es jede Band schwer. The Nighthawks gingen denn auch von Anfang an in die Vollen. Die Band, die ihr 40-jähriges Bestehen feiert und damit eine der dienstältesten Bluesbands der USA ist, gab in Weil am Rhein ihr einziges Deutschlandkonzert. Und die vier Herren waren nicht gewillt, irgendetwas zurückzuhalten. Frontmann und Gründungsmitglied Mark Wenner, mit seinen tätowierten Armen und den Flammen auf seinem Bühnenoutfit eine beeindruckende Erscheinung, bewies, warum er als einer der weltbesten Bluesharp-Spieler gilt. Immer wieder lieferte er beeindruckende Soli ab. Mal wechselte er in Sekundenbruchteilen zwischen zwei Mundharmonikas hin und her, dann wieder benutzt er den Mikrofonständer als Schlagzeug. Neben Wenner gehören der Gitarrist Paul Bell, Johnny Castle am Bass und Schlagzeuger Mark Stutso zur aktuellen Band. Blues ist Emotion, und diese nahm man den Musikern jederzeit ab. So den Liebeskummer in "Where Do You Go When You Go Where You’re Going Without Me?" oder die Wut, die aus Zeilen wie "Woke Up This Morning With A Demon In My Eyes" spricht. Der "Blues Train" nahm rapide Fahrt auf. Neben älteren Songs wie dem wuchtigen Canned Heat-Cover "Let’s Work Together", bei dem Mark Wenner sich stimmlich nicht hinter Bob "The Bear" Hite zu verstecken braucht, überzeugte auch "A Damn Good Time", das Titelstück der neuen CD.

Zum Ende des Konzerts hin kam es schließlich zum musikalischen Gipfeltreffen, als Chapellier samt Band die Bühne betrat und mit den Nighthawks einige Stücke darbot. Im Kollektiv musste niemand gegenseitig etwas beweisen, und doch liefen die acht Musiker zur Höchstform auf. War zuvor durch die Bestuhlung die Stimmung etwas zurückhaltender als bei den Bluesnächten im Gewölbekeller des Alten Rathauses, hielt es jetzt niemanden mehr auf seinem Sitz. Begeistert spendeten die Besucher am Ende des Konzerts – eines der letzten Stücke hieß passenderweise "Nightwork" – frenetischen Beifall.
– Bei der nächsten Bluesnacht am 20. Oktober sind Marquise Knox aus den USA und Stefania Calandra aus Italien im Gewölbekeller des Alten Rathauses Weil am Rhein zu Gast.

Autor: Adrian Steineck