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08. Februar 2014 17:15 Uhr

Interview

Wir sind Helden-Sängerin spricht über ihr Soloalbum "Ein leichtes Schwert"

BZ-Interview mit Judith Holofernes von Wir sind Helden. Während die Band pausiert hat, hat die in Freiburg aufgewachsene Sängerin ihr erstes Soloalbum "Ein leichtes Schwert" aufgenommen.

  1. In Freiburg aufgewachsen: Judith Holofernes – Sängerin von Wir sind Helden. Foto: Beck Music

Nach vier Alben mit Hits wie "Die Reklamation", "Müssen nur wollen" und "Gekommen um zu bleiben" hat sich die Band Wir sind Helden im April 2012 in ein unbefristetes Sabbatical verabschiedet. Schneller als sie selbst dachte, hat deren in Freiburg aufgewachsene Sängerin Judith Holofernes (37) wieder Songs geschrieben und das Soloalbum "Ein leichtes Schwert" aufgenommen. Darauf findet sie zurück zum schelmischen Pop, der sehr spontan klingt und mit nun mit Country und Zydeco eingefärbt ist. Peter Disch hat mit Holofernes über ihren Alleingang gesprochen.

BZ: Das Album wirkt so entspannt. Da scheint jemand viel Spaß zu haben, an dem was er macht. Woher kommt das?
Holofernes: Schön, dass sich diese Grundstimmung so überträgt. Das ist genau, wie es sich auch für mich anfühlt. Das Hauptmerkmal der Zeit, in der die Platte entstanden ist, war Freiheit, das war alles so aus der Hüfte geschossen und klingt auch so. Damit bin ich sehr glücklich.

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BZ: Einer der Songs heißt "Nichtsnutz". Ist Müßiggang für Sie etwas Gutes oder aller Laster Anfang?
Holofernes: Ich finde Müßiggang und unser Verständnis von Arbeit und Arbeitsmoral ein hochspannendes Thema. Bei mir persönlich sieht man ja jetzt, was ich mit meiner Freizeit gemacht habe – ich hatte bald Hummeln im Hintern. Aber ich weiß auch, dass Müßiggang wertvoll ist und Kunst ohne Müßiggang nicht funktioniert, genauso wie Glück.

BZ: Sie haben am Computer an den Demos gearbeitet, ohne anderen was davon zu sagen. War auch Ihr Mann und Helden-Schlagzeuger Pola Roy außen vor?
Holofernes: Pola hat parallel auch eine Platte aufgenommen und deshalb überhaupt keine Zeit, sich das dauernd reinzuziehen, obwohl er mein wichtigster Berater ist. Aber das war auch gut für mich. So musste ich wirklich allein da ran gehen und meinem Anspruch, als vollständige Musikerin selbst klarzukommen, gerecht werden.
BZ: Die Helden waren basisdemokratisch. Wie fühlt sich nun die Alleinherrschaft an?
Holofernes: Es fühlt sich fantastisch an, weil ich bei dieser Platte mit Leuten gearbeitet habe, die viel Input brachten, aber gut damit leben konnten, dass es völlig klar war, dass es meine Platte ist. Auf der anderen Seite war es immer auch ein guter Schutz, Teil einer Herde zu sein, auch wenn Demokratie ein schwieriges Konstrukt ist, wenn es um Kreativität geht. Ich liebe meine Band immer noch. Aber es war auch schön, zu sehen, dass ich die anderen zwar vermisse, diesen Schutz aber nicht mehr brauche. Dadurch bin ich vielleicht auch erwachsener geworden.
BZ: Auch wenn es Ihr Soloalbum ist, so waren mit Ihrem Mann, dem Bassisten Jörg Holdinghausen und dem Produzenten Ian Davenport viele aus der Helden-Mannschaft beteiligt. Wie war das für die nicht involvierten Helden Mark Tavassol und Jean-Michel Tourette?
Holofernes: Ich habe beiden das Album geschickt. Jean hat mir eine ganz wunderbare, ausführliche Mail geschrieben. Warum er die Platte toll findet, dass er mir Glück wünscht – ich hab fast geheult. Bei Mark weiß ich, dass wir uns gegenseitig dabei zuschauen, wie wir verwirklichen, was wir bei den Helden nicht machen konnte, weil es nicht zur Band gepasst hat.
BZ: Aber ihr seid jetzt nicht per Sie oder redet nur noch über Dritte miteinander? Holofernes: Überhaupt nicht (lacht, wie während des ganzen Interviews). Wir haben uns ja auch nicht aufgelöst, wir verstehen uns noch. Uns verbindet eine sehr ungewöhnliche Bandgeschichte. Das hatte einfach was Märchenhaftes. Und das verbindet, fast so stark wie Familie. Ich weiß einfach, wer im zweiten Jahr der Bandgeschichte mit mir vor Zehntausenden bei Rock am Ring gespielt hat und wie sich das angefühlt hat. Das waren wir vier und das wird keiner von uns je vergessen.

BZ: Sie spielen sehr oft Ukulele – wieso?
Holofernes: Bei der Ukulele kommen zwei meiner Lieben zusammen – die Country- und Folk-Liebe und die zur afrikanischen Musik, in der ähnlich klingende Instrumente vorkommen. Beides hat den Weg auf die Platte gefunden haben, zum Beispiel im Song "Nichtsnutz".

BZ: Ab April geht es auf Tour. Wer steht mit Ihnen auf der Bühne?
Holofernes: Anders, als manche vielleicht erwarten, setze ich mich nicht allein mit der Gitarre und einem Schemelchen hin. Eine Überraschung wird sein, dass Pola nicht dabei ist, eine traurige Überraschung, aber eine ganz wichtige Entscheidung für unser Familienleben (das Paar hat zwei Kinder, Anm. der Red.) Wir werden zu sechst auf der Bühne stehen. Zwei Frauen sind dabei. Jörg Holdinghausen ist wie ein Sechser im Lotto, weil er alles spielen kann, was man ihm in die Hand drückt. Dazu kommt noch ein weiterer Multiinstrumentalist, Martin Wenk von Calexico.

BZ: Spielen Sie auch Helden-Songs?
Holofernes: Erstmal nicht. Weil es sich für mich zu komisch anfühlen würde. Vielleicht auf späteren Touren mal einen selten gespielten Lieblingssong von mir, aber definitiv nichts, bei dem ich ganz starke Bilder im Kopf habe. Lieder, die wir jahrelang zusammen gespielt haben – das kann ich erst mal nicht machen.

– Judith Holofernes: Ein leichtes Schwert (Four Music/Sony)

Autor: Peter Disch