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28. Juli 2010
"Als erstes kam Kirchenmusik"
TICKET-INTERVIEW: John Wetton über seine musikalische Laufbahn und die Band Asia / Freitag in Bad Krozingen.
Sie waren eine der erfolgreichsten Bands der 80er Jahre: In der Supergroup Asia spielten frühere Mitglieder von Emerson, Lake & Palmer, King Crimson und Yes. Sie paarten Progressive Rock mit pathetischen Stadion-Rock-Elementen. Ihr Hit hieß "Heat Of the Moment". Die ursprüngliche Formation steht seit 2006 wieder auf der Bühne. Am Freitag spielen Asia beim Open Air im Park in Bad Krozingen. Alfred Rogoll sprach mit Bassist und Sänger John Wetton (61).
Ticket: Mister Wetton, wie begann Ihr musikalisches Leben?John Wetton: Zum Bass fand ich zufällig. Mein früheres musikalisches Leben war die Kirchenmusik. Meine ersten Instrumente waren Klavier, Orgel und Gesang, alles mit kirchlichem Hintergrund. Mein sechs Jahre älterer Bruder ist Kirchenorganist und Chorleiter. Als der Rock ’n’ Roll kam , interessierte auch ich mich für die Gitarre. Nur hatten Interpreten wie Duane Eddy oder The Shadows wenig Farbe. Es bot mir nicht die Melodik und Chöre wie in der Klassik oder Kirchenmusik. Doch als die Beatles kamen, änderte sich alles! Jetzt wurde Pop interessant. Da waren die Beatles, die Beach Boys, Procol Harum, alle mit wirklich guten Akkordfolgen.
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Wetton: Ich wollte ein Teil davon sein. Mein erste Band war Family. Dann ging ich zu King Crimson, ich dachte für die nächsten 20 Jahre. Leider ging es aber nur drei Jahre. Musik solch neuer, extremer Art stand nicht unter dem besten Stern. Mein Bassspiel bei King Crimson war ziemlich hart und wild. Eine solche Band gab es nie mehr. Sie war großartig. Konzerte dauerten oft nur 60 Minuten. Aber es war genug, es war sehr intensiv.
Ticket: War die Arbeit mit dem schwierigen Crimson-Mastermind Robert Fripp problemtisch?
Wetton: Nein, hervorragend. Wir waren sehr, sehr gute Freunde. Er kommt auch aus Bournemouth, wo ich zwar nicht geboren, aber aufgewachsen bin. Das Gros von King Crimson war born of Bournemouth. Dort gab es eine sehr starke Musikszene, weil es eine Stadt mit großen Sprachschulen ist. 100 000 Schüler im Sommer wollen unterhalten werden. In den 50er und frühen 60er Jahren hatte jedes Pub, jeder Club, jedes Café Live-Musik mit hervorragend geübten Musikern. Ein sehr gesunder Ort zum Aufwachsen.
Ticket: Eine Wiege des Prog-Rock?
Wetton: Ja. Aber auch Procol Harum sind ein Ausgangspunkt des Prog-Rock. Ich denke Progressive Rock ist eine Verbindung aus Klassik und Jazz, Rock und Jazz, irgendwo mit Blues drin. Prog-Rock heute bedeutet etwas anderes als vor 40 Jahren, doch für mich waren die frühen Beach Boys fantastisch. Sie bewegten sich vorwärts in jeder Bedeutung des Wortes, waren wirklich progressiv. Die Art, wie sie den Klang benutzten, war unglaublich. Die Beatles und die Beach Boys legten die Latte so hoch, dass es schwierig wurde zu folgen. Nach diesem Standard schaue ich immer noch. Als die Musik Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre den Bach runter ging, war da entweder Punk oder Disco. Die Musik wurde schlechter, ungebildeter und mehr Schein als Sein.
Ticket: War Asia als Prog-Supergroup geplant?
Wetton: Schlagzeuger Carl Palmer ist ebenso ein Glied der Progressive-Szene wie Steve Howe. Etwas jünger ist Keyboarder Geoff Downes, der vor seinem Yes-Engagement mit den Buggles "Video Killed The Radio Star" kreierte. Doch er kommt von gleichem Kirchen-Background wie ich, und wohl deshalb arbeiten wir beide bei Asia hervorragend als Komponisten-Team.
Ticket: Wo steht der Prog-Rock heute?
Wetton: Wir als Asia pflegen unseren Stil der 80er, eine Destillation des Prog-Rock. Wir sind bei Vier-Minuten-Songs statt Elf-Minuten-Stücken. 1972 nahmen King Crimson eine meiner Ideen, es begann als drei Minuten-Track und war zum Schluss ein zwölfminütiges Werk. Bei Asia machen wir’s umgekehrt.
Ticket: Wieviel neue Stücke sind im Programm?
Wetton: Wir haben mit "Omega" ein neues Album. 1983 machten wir "Alpha", und das Neue erinnert mich daran. Es ist sehr direkt, und beide sind gute Zeugnisse unserer Karriere. Einer meiner Favoriten von "Omega" ist "I Believe". Wir eröffnen unser Set damit. Ein starkes Stück, sehr positiv, Es ergreift das Publikum ähnlich wie "Heat Of the Moment". Das basiert übrigens auf Dur-Sequenzen, das findet man nicht oft bei Pop-Songs. Das andere Stück, das ich sehr mag, ist "End Of the World", das zentrale Stück des Albums. Mein Text erzählt, dass es eben nicht das Ende der Welt ist. Ich mag keine Alben machen, die mit Gefühlen wie "Keine Chance, nichts geht mehr" kokettieren.
OPEN AIR IM PARK
Das Bad Krozinger Open Air im Park bietet nach Klassik am ersten Wochenende nun in dieser Woche
Musik anderer Genres. Am Donnerstag, 29. Juli, um 20 Uhr, werden die Klostertaler mit ihrer Volksmusik im Kurpark erwartet. Das Konzert gehört zur Abschiedstournee der Gruppe. Die beiden weiteren Open-Air-Konzerte des Festivals bringen zwei weltbekannte britische Bands nach Bad Krozingen, beide aus dem Genre des Progressive Rock. Am Freitag, 30. Juli, ab 20.30 Uhr, treten Asia auf, nächste Woche dann, am Freitag, 6. August, ebenfalls ab
20.30 Uhr, Procol Harum ("A Whiter Shade of Pale"). Infos zu allen Konzerten gibt es beim BZ-Kartenservice (siehe Seite 2).
Autor: tst
Autor: rog
