Auf dem Weg zum Rock-Olymp

Bernd Peters

Von Bernd Peters

Fr, 04. November 2016

Rock & Pop

BZ-PORTRÄT des in Bad Krozingen lebenden Gitarristen und Bandleaders Michael Goldschmidt.

Schon die Plattenhülle macht die Marschrichtung deutlich: Da wird standesgemäß eine "Flying V" Gitarre abgefackelt. Hintendran eine Backsteinmauer, oben drüber der kantige Schriftzug "Goldsmith" und unten der Titel des Albums: "Fire!" Ganz klar: Hier wird gerockt, und zwar ordentlich.

Hinter dem eindrucksvollen optischen Auftritt steckt der Gitarrist, Sänger, Komponist und Texter Michael Goldschmidt (38), der in Bad Krozingen lebt. Seit über einem Jahrzehnt ist der Musiker im Profigeschäft unterwegs. Als Bühnentechniker und später auch als Musiker in der Bernard Allison Group hat er die halbe Welt gesehen. Der Job war nach dem Studium an der Jazz und Rock Schule in Freiburg sein Einstieg ins Profigeschäft. In Basel war er zuletzt am Theater für das Musical "Jesus Christ Superstar" verpflichtet, als nächstes steht dort eine Ballett Produktion von "Robin Hood" in seinem Terminkalender. Dazwischen arbeitet Michael Goldschmidt als Dozent unter anderem an der Jazz und Rock Schule, gibt Privatunterricht und steht als Duopartner mit seiner singenden Lebensgefährtin Lena Knobloch auf der Bühne. Oder er rockt mit Goldsmith, seiner Band, zu der Organist Jens Fritz, Schlagzeuger Frank Schweier und der namhafte Jazzbassist Bernd Heitzler gehören.

"Ich hab meine erste Band gegründet, noch bevor ich Gitarre spielen konnte", erzählt Michael Goldschmidt. Ganze 13 Jahre war er damals alt, seine Helden waren Bands wie Iron Maiden und Metallica, und wie man eine Gitarrist spielt, schaute der 13-Jährige sich in einem Gitarrenladen im heimischen Heilbronn von einem Verkäufer ab. Mit einigem Erfolg: Nach ersten Versuchen als Punkband landeten Goldschmidt und seine Kumpels mit ihrer Thrash-Band Blackend beim Metal-Label "Massacre" und veröffentlichten dort drei CDs. Als die Band auseinanderbrach, nahm der damals 23 Jahre alte Gitarrist das Studium in Freiburg auf, an dessen Ende er quasi zufällig mit Blues-Größe Bernard Allison in Kontakt kam, der von jetzt auf gleich einen Ersatz für seinen erkrankten Bühnentechniker suchte. "Bernard fand dann auch meine Spielweise cool, so bin ich seine Band gekommen", erzählt Michael Goldschmidt.

Rund zehn Jahre sind seither vergangen. Die Arbeit mit Allison habe ihm viel Freiraum gewährt, was er sehr genossen habe. Dass die Musik stilistisch nicht ganz seine Sache war, störte Goldschmidt dabei nicht. "Für mich war damals alles rosarot: Ich war Profigitarrist!"

Derzeit liegt der Fokus jedoch ganz auf seinem eigenen Projekt Goldsmith: der klassisch orientierte Hard Rock, den die Band mit einigen Blues-Rock Einschlägen auf "Fire!" spielt, lässt klare Bezüge zu den Vorbildern Goldschmidts erkennen. Gerade, wenn der Gitarrist auch als Sänger ordentlich Druck entfacht, erinnert er an James Hetfield von Metallica. Aber auch modernere Bands wie die Foo Fighters oder Veteranen wie Deep Purple haben in den ausgetüftelten Songs des Musikers wie "No Way Outta Here" oder "Higher Sphere" ihre Spuren hinterlassen: die Mixtur aus eingängigen Melodien, gediegener Härte, hervorragender und songdienlicher Gitarrenarbeit und kraftvollem Gesang hat das Zeug zum musikalischen Selbstläufer und muss keine internationalen Vergleiche scheuen. Weder die Metal-Ballade "Longing For Tomorrow" noch der hymnische Rock-Brecher "What Is Our Victory" lassen beispielsweise Hitqualitäten missen.

Kein Wunder also, dass Michael Goldschmidt mit einem Grinsen "den Rock-Olymp" als sein nächstes Ziel auserkoren hat. Auf dem Weg dahin will er aber zunächst einmal "Fire!" auf die Bühnen der Region bringen. Was bei den vielfältigen beruflichen Verpflichtungen der Goldsmith-Mitglieder, die allesamt Musikprofis sind, gar nicht so einfach scheint.

Goldsmith: Fire! (N 13 Records).