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27. April 2017

Bohnenbrei und Kaffee am Lagerfeuer

Der Gitarrist Larry Garner und die Norman Beaker Band bei der Weiler Bluesnacht.

  1. Larry Garner an der Gitarre. Foto: Martina David-Wenk

Bevor sich der Blues in Weil am Rhein in die Sommerpause verabschiedet, sorgte er nochmals für volle Ränge im Weiler Kesselhaus. In Larry Garner und der Norman Beaker Band hatte Klaus Deuss vom Verein Exbluesive auch zwei musikalische Hochkaräter aufgeboten.

Der charismatische Larry Garner aus Baton Rouge in Louisiana wird begleitet von Norman Beaker und seiner Band aus Manchester in Großbritannien. Diese transatlantische Bluesconnection bewies an diesem Abend, was für ein Jungbrunnen Musik sein kann. Ihre Protagonisten bleiben jung, selbst wenn es äußerlich gar nicht danach aussieht. Von Norman Beaker aus Manchester gerät Deuss ins Schwärmen, weil er einer der wenigen Engländer sei, der in die Blues Hall of Fame aufgenommen worden sei. Er und seine Band bilden den kontrastreichen Hintergrund zu Larry Garner, der seine Gitarrenkünste mit viel Posterboy-Glamour garniert. Während die Engländer ihr Programm abarbeiten, routiniert mit viel Herz tun sie das, was ihnen Freude macht, braucht Leadgitarrist Larry Garner die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Publikums.

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Der strahlende Gitarrist hier und der bescheidene Musiker dort – von diesem fruchtbaren Gegensatz lebt das Konzert. Deshalb ist der Blues auch so ungeheuer lebendig in dieser Formation. Die Musiker pflegen ihre Traditionen, und doch ist ihre Musik zeitlos. So sehr sie den Traditionen verhaftet ist, so sehr zeigt sie auch, welch tiefe Emotionalität der Blues immer noch besitzt. Um die Leute zum Tanzen zu bewegen, hat es dann doch nicht gereicht. Die roten Stühle, aus der Stadt der Stühle blieben an ihrem Platz. Immerhin wippten die Füße, klatschten die Hände, wiegten die Köpfe des Mehrgenerationen-Publikums. Die Musiker spürten, dass sie ankamen, was sie wiederum beflügelte. Am Abend zuvor im Waldhaus in Schweigmatt muss die Stimmung so großartig gewesen sein, dass die Musiker die Besucher mehrere Stunden in Schopfheims Höhenteilort auf den Tanzbeinen hielten.

Für Blues-Fans war der Abend wie geschaffen: Klasse Musiker, eine heimelige Atmosphäre unter Freunden, Blues, wie der Fan ihn gerne hätte, und musikalische Glanzlichter, die immer wieder für Szenenapplaus sorgten. Nicht nur bei Larry Garner oder Norman Beaker. Vor allem Nick Streed an den Keyboards verblüffte mit sirrenden, kaum fassbaren Klängen. Dabei hatte das Stück "Night time is the right time so traditionell begonnen: ein Blues so dick wie Bohnenbrei, so schwarz wie Kaffee und so heiß, wie das Lagerfeuer um das alle bei diesen Klängen sitzen. Und dann eben Nick Streed am Keyboard: Plötzlich ist die musikalische Szenerie nicht mehr nur überbordend sinnlich und irdisch, sondern erhält eine Spur Jenseitiges. Bis Herbst müssen die Bluesfreunde übrigens nicht warten. Am 30. Juni veranstaltet Exbluesive für die Stadt Schopfheim ein Open-Air-Festival. Schopfheim feiert Jumelage und so spielen Bluesmusiker aus allen Schopfheimer Partnerstädten und Regionen an diesem Tag für die Bevölkerung.

Autor: Martina David-Wenk