Die Hälfte der Bühne gehört dem Star aus Chicago

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mi, 29. November 2017

Rock & Pop

John Primer und die Robbert Fossen Band gastierten in der Reihe von "Exbluesive" in Schopfheim-Fahrnau.

Was kommt eigentlich nach einer Premiere? Den Auftritt von John Primer mit der Robbert Fossen Band einfach als nächsten Event in der neuen Reihe von "Exbluesive" in der Agathenkapelle zu benennen, ist zu banal. In Theateraufführungen soll die zweite Veranstaltung meist hinter der ersten zurückstehen. Der 71-jährige Gitarrist und seine niederländische Begleitband hätten es verdient, Opener dieser neuen Reihe zu sein. Laut Rolf Pessel vom Verein Exbluesive sei man hier noch am Austesten. Insoweit hat der Bluesmusiker wiederum Glück, Nachfolgekünstler in der Reihe der illustren Musiker in Schopfheim-Fahrnau zu sein.

Von Legenden spricht Rolf Pessel zu Beginn, die zu verpflichten dem Bluesclub eine Ehre ist. Auch John Primer ist eine Legende, in Camden, Mississippi, geboren, lebt er seit Mitte der 1970er Jahre in Chicago und hat sich dem Chicagoblues verschrieben. Die Robbert Fossen Band ergänzt den älteren Herrn aus Chicago zur perfekten Chicagoblues-Quintett. Elektrische Lead- und Begleitgitarre, Harp, dazu den Bass und das Schlagzeug, das braucht der Chicagoblues. Robert Fossen ist Träger des Dutch Blues Award, doch wie die musikalischen Gewichte verteilt sind, zeigt sich schon an der Anordnung auf der Bühne. Während sich Robbert Fossen und seine Kollegen auf die eine Seite drängen, gehört die andere Hälfte dem Star aus Chicago. Zum einen braucht er den tatsächlichen Raum, er beweist dem Publikum seine Jugendlichkeit, indem er sich beseelt von seiner Musik zu zierlichen Tanzschritten hinreißen lässt. Den musikalischen Raum nimmt sich der Gitarrist einfach, wenn er Robert Fossen an die Wand spielt.

Fossen, der fast fünfzigjährige Gitarrist und Mundharmonikaspieler, ist immer dann am besten, wenn er es auf den Wettstreit mit der Legende nicht ankommen lässt. Die beiden Bluesmusiker begeistern die Zuhörer wenn sie sich im musikalischen Dialog zwischen Gitarre und Mouth-Harp aufeinander einlassen, sich füreinander, gegeneinander am perfekten Klang hochschrauben und sich die Zuhörer am Ergebnis dieses musikalischen Zwiegesprächs freuen dürfen.

Es ist diese pulsierende, stets vorwärtstreibende Kraft des Blues, die die Menschen für diese Musik immer noch begeistert, dieses Relikt aus alten Zeiten ist ewig jung, so wie seine Protagonisten, selbst Tänzer gibt es in diesem Raum, an diesem Ort, zu dieser Zeit. Und John Primer, bei dessen Gitarrenspiel es dem einen oder anderen kalt den Rücken hinunter läuft, kultiviert diese unbändige Kraft des Blues mit der Weisheit des Alters.

Genau deshalb zollen wir den Blues-Legenden so viel Respekt. Im Blues fordern sie ihren Teil vom Leben ein. Dass sie dies als ältere Herren immer noch tun und dies voller Inbrunst, das Ganze trotzdem aufrecht und nie verlogen wirkt, macht den Reiz solcher Konzerte mit den Granden der Szene aus. Tolles Konzert vor ausverkauftem Haus.