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10. November 2016

Weil am Rhein

Eine Liebeserklärung an den Blues von Tee Dee Young und der Henry Carpaneto Band

Tee Dee Young und die Henry Carpaneto Band reißen die Zuschauer zu Küssen hin.

  1. Tee Dee Young (Mitte) und die Henry Carpaneto Band groovten bei der Weiler Bluesnacht. Foto: Adrian Steineck

Am Dienstag trat im Rahmen der Weiler Bluesnächte der Gitarrist und Sänger Tee Dee Young auf. Das Konzert, das der US-Amerikaner aus Lexington in Kentucky gemeinsam mit der italienischen Henry Carpaneto Band bestritt, war mit gut 40 Besuchern so wie der Auftritt am Vorabend im Schopfheimer Berggasthof Waldhaus nicht ganz ausverkauft, geriet aber nichtsdestotrotz zur furiosen Liebeserklärung an die elektrisch verstärkte Bluesgitarre.

Eine Geliebte habe ihn einst vor die Wahl gestellt, sich zwischen ihr und seiner Gitarre zu entscheiden, singt Tee Dee Young in einem seiner Stücke. Seine nonchalant vorgebrachte Antwort: "Bye bye Baby, goodbye." Keine Frage, Tee Dee Young, der in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge bei den Lexington Music Awards als bester Blueskünstler ausgezeichnet wurde und sich dabei gegen drei andere Nominierte durchsetzte, liebt seine Musik über alles.

Er lässt seine Gitarre aufheulen, er lässt sie singen, mitunter auch flüstern, und stets ist dabei seine Spielfreude spürbar, stellt er in seinem goldenen Bühnenanzug das klare Energiezentrum auf der Bühne dar. Dabei kann sich der passionierte Bluesmusiker ganz zurücknehmen. So stehen zu Beginn der beiden Konzerthälften die drei Musiker der Henry Carpaneto Band ohne ihn auf der Bühne und bestreiten den Auftakt instrumental. Bandleiter Enrico "Henry" Carpaneto beweist sein Können mit rasanten Klavierläufen, Bassist Pietro Salvatore Martinelli legt fingerfertig ein groovendes Klangfundament, und Schlagzeuger Andrea Tassara hält mal ganz stoisch den Takt, mal bearbeitet er virtuos sein Arsenal an Perkussionsinstrumenten und gibt seinen Bandkollegen das Tempo vor.

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Mal heult die Gitarre auf, dann flüstert sie

Als Henry Carpaneto dann "The one and only Tee Dee Young" ankündigt, beginnt dieser seinen Auftritt mit "I Got The Blues". Der Musiker präsentiert sich als regelrechtes Energiebündel, das bei seinen Soli über das ganze Gesicht strahlt, den von Chuck Berry und später von dem AC/DC-Gitarristen Angus Young kultivierten Duckwalk andeutet und sich vor allem mit Henry Carpaneto in amüsante Zwischenspiele ergeht. Da fächelt Young dem Pianisten und Keyboarder schon einmal Luft zu oder winkt angesichts von dessen Virtuosität an den Tasten nur lachend ab, so als könne er dessen Talent selbst nicht fassen. Immer wieder sucht Tee Dee Young auch den Kontakt zum Publikum, lässt die Besucher Küsse in sein Mikrophon hauchen und fragt dann den jeweiligen Partner, ob die so erzeugten Klänge die Kuss-Leistung adäquat abbilden würden. Selbst in der Pause schont sich der Gitarrist nicht, gibt noch ganz verschwitzt Autogramme und fragt die Zuhörer, wie ihnen das Konzert bisher gefalle.

Dabei, so Young in einer seiner raren Ansagen, wolle er nicht viel reden, sondern die Gitarre sprechen lassen. Das tut er mehr als zweieinhalb Stunden lang so virtuos, dass es viele Zuhörer nicht mehr auf ihren Stühlen hält und sie selbstvergessen tanzen. Mit einem rasanten, Boogie-getränkten "Let the Good Times Roll" beschließen Young und die Henry Carpaneto Band den regulären Teil, allerdings nur, um nach kurzem Abgang von der Bühne bei den Zugaben, die noch einmal mehr als 20 Minuten dauern, noch einmal zu unterstreichen, dass der Blues für Tee Dee Young in der Tat ein Lebenselixier darstellt.

Autor: Adrian Steineck