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28. Dezember 2011
Motor des Jazz
Zum Tod des amerikanischen Saxophonisten Sam Rivers.
Er war ein einfallsreicher Improvisator des Jazz und ein origineller Melodiker auf dem Saxophon, der nie unter dem Einfluss des übermächtigen John Coltrane stand: Sam Rivers wurde zur Vaterfigur der Avantgarde der siebziger Jahre, eine Institution der damaligen New Yorker Loft-Szene, benannt nach seinem Studio, das er in Manhattan einrichtete. Der Saxophonist bewegte einiges: Er ermunterte seine Schüler zum scheuklappenfreien Umgang mit Musik und demonstrierte mit seinen Bands die Lust am Ausprobieren neuer Sound-Konstellationen. Dieser unermüdliche Motor des Jazz ist am zweiten Weihnachtsfeiertag gestorben.
Von seinem fünften Lebensjahr an erhielt Rivers, 1923 in Oklahoma geboren, Klavierunterricht von seiner Mutter, später kamen Geige und Saxophon hinzu. 1947 bis 1952 studierte er in Boston Komposition und Musiktheorie. Um nicht ins Fahrwasser großer Vorbilder wie Sonny Rollins oder John Coltrane zu kommen, hatte er deren Improvisationen analysiert und ein eigenes Übungssystem entwickelt. Daneben gründete er eine Rhythm’n’Blues-Band, mit der er namhafte Musiker wie Wilson Pickett, B.B. King oder T-Bone Walker begleitete. Die Wende in seiner Karriere kam 1964 durch ein kurzfristiges Engagement im Miles Davis Quintett. Rivers’ Spiel passte allerdings nicht mehr in einen konventionellen Hardbop-Kontext, sondern eher zu den Sounds junger Musiker im Umfeld des Blue-Note-Labels wie Bobby Hutcherson, Andrew Hill, Larry Young oder Tony Williams. Die in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre eingespielten Platten des Saxophonisten grenzten sich von den erfolgreichen Soul-Jazz-Alben ab.
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1968 begann die fünfjährige Zusammenarbeit mit Cecil Taylor. 1971 wurde Rivers’ Studio zum ultimativen Treff der Avantgarde und sein Improvisationstrio mit Dave Holland und Barry Altschul stilbildend. Rivers wurde nun auch in Europa bekannt. Tradition und Avantgarde waren für Rivers nie Gegensätze. Free Jazz bedeutete für ihn "nicht die unbedingte Abkehr von Melodie und Rhythmus, sondern die Freiheit, mir aussuchen zu können , was ich spielen will. Das ist die Freiheit, die ich meine".
Autor: Reiner Kobe
