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31. Januar 2012

Schleier über brasilianischer Sonne

Beim Gastpiel der Diana Horta Band im Lörracher Jazztone glänzte der Gitarrist Aliéksey Vianna.

  1. Diana Horta am Piano Foto: Barbara Ruda

Innerhalb von bloß acht Tagen geben sich im Lörracher Jazztone zwei brasilianische Musikerinnen die Klinke in die Hand. Wird heuer am Haagensteg also ein Mini-Ableger des Karnevals in Rio zelebriert? Mitnichten. Der ersten der beiden Südamerikanerinnen, Diana Horta Popoff, wollte es am Freitagabend nicht einmal recht gelingen, die Sonne ihrer Heimat im europäischen Winter scheinen zu lassen.

Aus dem Wunsch heraus, etwas zu machen, was nicht alle machen, und der intensiven Beschäftigung mit den vielfältigen Möglichkeiten brasilianischer Musik hat die Tochter zweier Musiker einen ganz persönlichen Stil gefunden und in Kompositionen gegossen. Eine wichtige Rolle spielt wohl auch, das meinte man durchzuhören, der Einfluss ihres Onkels, des weltbekannten brasilianischen Gitarristen und Komponisten Toninho Horta. Von der Klangfarbe her verortet man Diana Horta Popoffs Musik irgendwo zwischen entspanntem Bossa Nova und Fusion, zwischen Flora Purim und Wayne Shorter. Sie hat schon viel Brasilianisches - exotisch, eigenwillig und melancholisch ist die Musik und bisweilen strahlt sie auch einen Hauch Lebensfreude aus.

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Im Jazztone spielte und sang Diana Horta bis auf eine Ausnahme nur Stücke aus der eigenen Feder wie "Baiao Brasileiro", "Na Roda", "Algum Sugar" oder "Neu do Oceano", welche das Publikum nicht kannte. Filigran, warm und von harmonischen Farben geprägt ihre Läufe am Piano, doch auf ihrer Stimme lag ein Schleier, der den Gesang dämpfte. Der viel zitierte Funke - er wollte einfach nicht überspringen. Sicherlich lag das zum Teil auch an dem sehr zurückhaltenden bis introvertierten Auftreten der Pianistin und Sängerin. Auch dass sie während des kompletten Konzerts mit dem Rücken zum Publikum gewandt am Flügel saß, leistete der Interaktion nicht gerade Vorschub.

Jochen Feucht (Saxophon), Thomas Rotter (Bass) und Mauro Martins (Drums) an ihrer Seite agierten solide. Das Feuer im Jazztone zu entfachen gelang jedoch dem zweiten Brasilianer im Quintett und exzellenten Gitarristen Aliéksey Vianna, ebenfalls in Hortas Geburtsort Belo Horizonte aufgewachsen und - man höre und staune - in Basel wohnhaft. In einem Samba-Set nach der Pause, das Hortas musikalische Begleiter featurte, riss er die Zuhörer zu wahren Beifallsstümen hin. Eine echte Entdeckung!

Autor: Barbara Ruda