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03. Juli 2017

Vielleicht der Anfang einer neuen Serie

Lange Bluesnacht im Schopfheimer Stadtpark mit Interpreten aus vier Ländern.

Eine lange Bluesnacht lieferte am Wochenende in Schopfheim den passenden Soundtrack zum Jubiläumsfest der Städtepartnerschaften: 50 Jahre Freundschaft mit dem französischen Poligny, 30 Jahre mit dem schwedischen Ronneby: Vier Bluesbands aus den Partnerstädten und -regionen Kleinmachnow (bei Berlin), dem französischen Jura, Schweden und Kamerun bespielten einen langen Abend lang die Open-Air-Bühne, die die Organisatoren vom Verein "exbluesive – Jazz und Blues in Südbaden" im Schopfheimer Stadtpark installiert hatten.

Weg vom allein feierlichen Festakt der Offiziellen (den’s freilich trotzdem gab), hin zum lockeren Jubiläumsfest für die ganze Bevölkerung – ein Konzept, das aufging: Bis in die späte Nacht (zumindest bis zu der auch zu Jubiläumszeiten geltenden Mitternachtsruhe) tummelten sich Massen an Besuchern tanzend und plaudernd im Schopfheimer Stadtpark, unter dessen mächtigen Baumkronen auch der eine oder andere Regentropfen gut zu verkraften war.

"Blues verbindet", formuliert Klaus Deuss von "exbluesive" die zum Jumelage-Jubiläum passende Grundidee des Bluesfestivals – "er wird fast zu überall gespielt und bringt die Menschen zum Tanzen." Zugleich gibt’s jenseits der Grundweisheit von Bluesschema und Blue Notes eine Menge musikalischen Spielraums, der denn auch am Freitag für Abwechslung im Gehörgang sorgte.

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In Text und Ton ein bisschen polternd und rumpelnig, dabei schräg-sympathisch, wärmten die urigen "Männerversteher" aus Kleinmachnow das zu diesem Zeitpunkt noch etwas zurückhaltende Alemannenpublikum mit speziellem Berliner Charme ein wenig an. Kraftvoll zurockend dann präsentierte sich die Band um Sänger und Gitarrist Rod Barthet aus dem französischen Jura: Mit sattem Gitarrensound, knackigen Rhythmen und singenden Saitensolos sorgte Barthet für Bewegung und Begeisterung im Publikum. Etwaiges Bedauern über die vom strengen Zeitplan verhinderte Zugabe ward im nächsten Musikmoment von der charismatischen schwedischen Gentleman-Blueser von "Emil & The Ecstatics" beiseite gespielt: Unterm seriösen Deckmäntelchen ihres gepflegten Nadelstreifen-Outfits pflegen die vier Musiker aus dem hohen Norden groovend und shuffelnd den klassischen schwarzen Chicago-Blues, mischen funkige und jazzige Einsprengsel mit bei und liefern einen musikalisch virtuosen, atmosphärisch dichten Musikgenuss. Wo Frontman Emil Arvidsson mit feinem Gesang, kernigen Licks, singender Slide-Guitar und intensiven Solos überzeugte, lieferte Pianist Johan Bendrik den Gegenpart, webte mal aus dem Untergrund heraus den dichten Soundteppich seiner Hammond-Orgel und tupfte dann wieder von oben herab nuancierte Soli auf Geschehen.

Als Vertreter Kameruns schließlich bereicherte Roland Tchakounté den Abend mit einer Prise Weltmusik, indem er den Blues mit Rhythmen, Sounds und Worten aus seiner afrikanischen Heimat würzte, während Mick Ravassat als zweiter Gitarrist gekonnt den Part des klassischen Bluesers übernahm.

Geht es nach den Veranstaltern, war das Event in Schopfheim der gelungene Einstieg in eine ganze Serie solcher Festivals in der Region, mit der die Bluesliebhaber von "exbluesive" ihren Musikstil "wieder mehr in die Mitte holen wollen", wie Klaus Deuss erklärt. Schopfheim stünde da sicher auch ganz ohne Jumelage-Jubiläum gerne erneut als Gastgeber zur Verfügung.

Autor: Anja Bertsch