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30. Oktober 2012

Romantik in ganz großer Besetzung

Die Kantoreien aus Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim bereiten zum Jahr der Kirchenmusik ein gemeinsames Chorprojekt vor.

  1. Rainer Marbach, Herbert Deininger und Christoph Bogon (von links) Foto: Roswitha Frey

  2. Zu gemeinsamen Proben trafen sich die Kantoreien Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim. Foto: Roswitha Frey

LÖRRACH. Drei Kantoreien, drei Chorleiter, 170 Sängerinnen und Sänger: Das sind die Eckdaten für das außergewöhnliche Chorprojekt "Romantik XXL". Die Kantoreien aus Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim haben sich zu diesem städteübergreifenden Kirchenmusikereignis zusammengetan und singen gemeinsam Werke aus der Romantik für große Besetzung. Aufgeführt werden sie am 11. November in Schopfheim, am 17. November in Lörrach und am 18. November in Rheinfelden.

Hintergrund dieses Großprojekts ist das Jahr der Kirchenmusik, das die evangelische Kirche in Deutschland 2012 ausgerufen hat. Im Rahmen der Reformationsdekade steht jedes Jahr unter einem anderen Motto. "Unsere Idee war, anlässlich des Jahres der Kirchenmusik im Kirchenbezirk Markgräflerland ein gemeinsames Projekt zu machen", erklärt der Schopfheimer Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon, der mit seinen Kantorenkollegen Herbert Deininger aus Lörrach und Rainer Marbach aus Rheinfelden das Projekt leitet.

Dieser Tage trafen sich die Mitwirkenden der drei großen Chöre des Kirchenbezirks zum gemeinsamen Probenwochenende im Gemeindehaus der Christuskirche in Lörrach, um den gesanglichen Feinheiten den Schliff zu verleihen. Das erste gemeinsame Probenwochenende hatte im Sommer in Schopfheim stattgefunden. Die Proben und Vorbereitungen der Kantoreien laufen schon seit längerem. Mit 70 bis 80 Sängern stellt die Schopfheimer Kantorei den größten Teil des Chores, die Lörracher und Rheinfelder sind mit je 40 bis 50 Sängern beteiligt.

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Zuerst habe man überlegt, was für diese "XXL"-Besetzung an Literatur in Frage komme, so Bogon. Ein großes Oratorium wäre eine Option gewesen, doch für 170 Sänger plus Orchester fehlen die geeigneten Räumlichkeiten. Das würde die räumlichen Kapazitäten sprengen. Also entschied man sich für ein A-cappella-Programm mit Chormusik der Romantik. Denn gerade im 19. Jahrhundert wurden viele Werke für groß besetzte Chöre geschrieben, und diese lassen sich mit einer 170-köpfigen Chorvereinigung einmal adäquat und authentisch im Klang aufführen. "Wir betreiben damit historische Aufführungspraxis", sagt Bogon.

Als Hauptwerk erklingt die Motette über den 91. Psalm von Giacomo Meyerbeer. Außerdem stehen Motetten von Anton Bruckner, Gesänge von Josef Rheinberger, Max Regers große Motette "Nachtlied" und Felix Mendelssohns Psalm 2 "Warum toben die Heiden" für achtstimmigen Chor auf dem Programm. Zu hören sind neben diesen großen Namen der romantischen Chorliteratur auch Werke von oft unterschätzten "Kleinmeistern", deren Qualität entdeckenswert ist. Als Ergänzung zu den A-cappella-Chorwerken sind solistische Auftritte der in Schopfheim lebenden Sopranistin Jacqueline Forster und des Tenors Karl-Heinz Brandt, einem renommierten Sänger vom Theater Basel, vorgesehen, begleitet von Herbert Deininger an der Orgel. So erklingen Lieder aus den "Biblischen Liedern" von Dvorák sowie ein Solo und Duett aus Mendelssohns "Lobgesang"-Kantate. Forster und Brandt übernehmen außerdem in Meyerbeers Motette die solistischen Parts.

Die Frage des Dirigats hat man folgendermaßen gelöst: Christoph Bogon dirigiert das Premierenkonzert in Schopfheim, Rainer Marbach die weiteren Konzerte in Lörrach und Rheinfelden. Herbert Deininger überlässt den Kollegen das Dirigentenpult und übernimmt die Orgelbegleitung.

Ein gemeinsames Projekt der drei Kantoren in dieser Größenordnung gab es bisher noch nicht, wie Deininger bestätigt: "Zusammenarbeit hat es immer schon gegeben, aber in dieser Art und Größenordnung ist es ein Novum".

Es ist für die Chorleiter eine Herausforderung, drei gewachsene Chöre, die ihren jeweiligen Stil, Klang und Tradition haben, zu einem homogenen Klangkörper zu verschmelzen. "Die Homogenität ist ein Thema, aber in einem großen Chor wird die Streuung breiter", sagt Marbach. Sein Kollege Bogon fügt an: "Viele Sänger fühlen sich geborgener in der Stimme. Es ist klanglich etwas vollkommen anderes, wenn 160 Leute ein Piano singen oder wenn 40 Leute ein Piano singen". Dann drängt es die Chorleiter in den Gemeindesaal, wo die Chorsänger auf den Beginn der Proben warten. Marbach hat für die gespannte Probenatmosphäre ein Zitat von Leonard Bernstein parat: "Die Probe ist das Leben und das Konzert ist das Fest".

Aufführungen "Romantik XXL": 11. November, 18 Uhr, Evangelische Stadtkirche Schopfheim; 17. November, 20 Uhr, Christuskirche Lörrach; 18. November, 18 Uhr, katholische Pfarrkirche St. Joseph Rheinfelden. Vorverkauf Regio-Buchhandlung Schopfheim, Musikhaus Geissler Lörrach, Optik Eisenmann Rheinfelden

Autor: Roswitha Frey