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10. April 2011 17:30 Uhr

Demo auf der Rheininsel

Rund 2000 Menschen fordern: Fessenheim abschalten

Wenn Veteranen der Anti-Atom-Bewegung auf Jugendliche und junge Familien treffen: Rund 2000 Menschen haben auf der Rheininsel bei Hartheim für die Stilllegung des Kernkraftwerks Fessenheim demonstriert.

  1. So nah ist der Stein des Anstoßes: Demonstranten blicken über den Rheinseitenkanal zum AKW Fessenheim. Foto: Rainer Ruther

Der Wind aus Norden blies die bunte Wolke weg von Fessenheim. In Deutschland erreichte sie zuerst Müllheim und Neuenburg, zog dann über Mulhouse bis nach Basel. Zum Glück bestand diese "Wolke" nur aus hunderten von Ballons, gestartet in der Umgebung des französischen Atommeilers. Sie trugen einen Aufruf an die französische Atomsicherheitsbehörde ASN – die entscheidet in wenigen Wochen, ob das AKW Fessenheim weitere zehn Jahre am Netz bleiben kann.

Noch weit nach Beginn der Kundgebung am Sonntag um 14 Uhr rollten die Demonstranten an – von deutscher Seite auf Fahrrädern, die Franzosen mit Autos, bis es im Stau nicht mehr weiterging. Ihr Ziel war die Ostseite der Schleuse im Rheinseitenkanal. Hier hatten sich schon ab Mittag viele Familien zum Picknick eingerichtet. Die Organisatoren, darunter Alsace Nature, NABU, der Friedensrat Markgräflerland sowie der DGB, die Grünen und die SPD, waren zunächst etwas beunruhigt, sah es doch eher nach einem Sonntagsausflug als nach einer mächtigen Kundgebung aus. Doch dann trafen aus Staufen, Bad Krozingen und Heitersheim, sogar aus Freiburg Radlerkonvois ein – und auch von französischer Seite war die Mobilisierung groß. Zum Schluss mögen es gut 2000 Demonstranten gewesen sein, davon ein Drittel aus Frankreich. Viele waren Veteranen der Anti-Atombewegung – sie hatten ihre alten Fahnen, Plakate und Buttons mitgebracht. Dennoch machten auch die Verkäufer von frischen Aufklebern und Ansteckern bei jungen Familien und Jugendlichen gute Geschäfte.

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Ein Abzeichen ganz anderer Art fiel sofort auf – eine Schärpe in den Nationalfarben Frankreichs. Sie wies Jacques Muller als französischen Bürgermeister aus. Es ist eher ungewöhnlich, dass sich ein französischer Offizieller zur Anti-Atom-Bewegung bekennt und dazu noch die Schärpe über einem T-Shirt mit der Anti-Atom-Sonne trägt. Muller, als Mitglied der Öko-Partei "Europe Ecologie/Les Verts" Bürgermeister von Wattwiller, sagte, der Widerstand gegen das AKW Fessenheim wachse jetzt auch im Elsass. Die Internet-Petition "Arrêter Fessenheim!" ist bisher von 63 000 Menschen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz unterzeichnet worden. Muller betonte stolz, dass seine Kommune die erste in Frankreich war, die TRAS beigetreten war.

Der trinationale Atomschutzverband bekomme vor allem seit den Vorfällen in Japan immer mehr Zulauf, sagte auch der Vorsitzende des Verbandes, Jürg Stöcklin, in einer kurzen Ansprache. Er sicherte zu, dass die Versuche, das AKW Fessenheim auf juristischem Wege zu stoppen, auch nach der ersten Niederlage vor einem französischen Gericht weitergehen werden.

Die Argumente liefert den AKW-Gegnern nicht zuletzt die Anlage selbst. Erst vor zehn Tagen hatte sich im Werk ein Störfall der Kategorie 1 ereignet – nach einem "Bedienungsfehler", so die offizielle Version des Betreibers EDF, war der Reaktor im Block 1 des AKW automatisch gestoppt worden.











Autor: Rainer Ruther