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11. August 2012 00:01 Uhr
US-Popstar
Russland-Tournee: Hasstiraden gegen Madonna
US-Popstar Madonna wird ihrem Ruf als Skandalnudel auf ihrer aktuellen Tour mehr als gerecht. Erst eckt die 53-Jährige in Frankreich und Polen an. In Russland droht ihr nun sogar eine Strafe.
Vor der Moskauer Erlöserkathedrale verbrennen wütende Christen Fotos von Madonna. In St. Petersburg zerreißen Gläubige das Bild "der Sünderin" auf der Straße. Die "Königin des Pop", die Tabubrüche stets kultiviert hat, kennt solche Wutausbrüche seit Jahren. Sie sind Markenzeichen ihrer Popularität.
Was dem alternden Superstar aber in Russland derzeit an Hasstiraden entgegenschlägt, übertrifft auch aus Sicht ihrer Fans das Maß des Üblichen. "Der Teufel soll sie holen", ätzte etwa Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin am Freitag im Internet. Der Gefolgsmann von Kremlchef Wladimir Putin störte sich daran, dass die Sängerin den Russen Lektionen in Moral erteilen wolle. "Leg das Kreuz ab oder zieh Dir einen Schlüpfer an!", twitterte er bereits am Vortag.
Madonnas Vergehen aus russischer Sicht sind rasch erzählt: In Moskau forderte sie bei ihrem Konzert vor mehr als 20 000 Fans Freiheit für die kremlkritische Punkband Pussy Riot und lobte den Mut der seit Monaten inhaftierten Musikerinnen. Es sind Botschaften von Liebe, Toleranz und Freiheit, die Madonna unter Beifall ihrer Fans ausgibt. In ihren Shows mixt sie religiöse Symbole wie Kreuze und Grabmale mit Popkultur und Sex. In Russland rührte sie damit an Tabus.
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"Wir werden nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft mit dem Spülwasser aus der höllischen Küche des Imperiums des Bösen gefüttert wird", schrieb der St. Petersburger Politiker Witali Milonow über Madonna in seinem Internetblog. Er will Strafanzeige erstatten, weil die Sängerin gegen das Verbot von "Homosexuellen-Propaganda" verstoßen habe. Außerdem hätten sie und die Konzertorganisatoren zum Hass angestachelt, so Milonow. Darauf stehen mehrere 10 000 Euro Geldstrafe oder sogar Haft. Im Gegenzug drohten die Veranstalter, Milonow wegen illegaler Konzertmitschnitte zu verklagen. Madonna hatte vor 25 000 Zuschauern zu Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben aufgerufen. In russischen Blogs erntet sie damit Lob und Dank.
Es ist nicht das erste Mal, dass Madonna auf der Tour aneckt. In Frankreich ließ sie der rechtsextremen Politikerin Marine Le Pen in einem Video Hitlerbart und Hakenkreuz ins Gesicht projizieren. In Polen protestierten Kriegsveteranen, weil der Star am Jahrestag des Warschauer Aufstandes auftrat.
Autor: Ulf Mauder (dpa)



