Nach Pyro-Aktion

SC Freiburg greift gegen Problemfans hart durch

Joachim Röderer, aktualisiert um 17 Uhr

Von Joachim Röderer & aktualisiert um 17 Uhr

Do, 12. April 2012 um 11:40 Uhr

SC Freiburg

Der Sportclub Freiburg reagiert auf das Abbrennen von Bengalos beim letzten Heimspiel und schränkt die bislang gewährten Sonderrechte für Fans drastisch ein. Und:Werden die Täter ermittelt, sollen sie zahlen.

Kurz vor Beginn des Heimspiels gegen Nürnberg am Samstag waren im SC-Fanblock auf der Nordtribüne mehrere Bengalofeuer entzündet worden. Eine Frau erlitt Brandverletzungen. Es war der erste Pyrotechnikeinsatz im SC-Stadion seit vielen Jahren. Damit wurde die lange bestehende Absprache zwischen Anhängern und Sportclub gebrochen, wonach die Fans im eigenen Stadion auf solche Aktionen verzichten. Im Gegenzug gewährte der Verein einige Sonderrechte.

Bei Auswärtsspielen hatten die SC-Anhänger in dieser Saison jedoch schon einige Male gezündelt. Deswegen hat der Verein bislang auch schon Strafen in Höhe von insgesamt 11.000 Euro zahlen müssen. Sollten die Urheber der verbotenen Feuerspiele ermittelt werden, will der Sportclub seinem Vorsitzendem Fritz Keller zufolge alles daran setzen, dieses Geld plus der zu erwartenden Strafe aus dem Spiel gegen Nürnberg auf zivilrechtlichem Weg von den Tätern zurückholen. "Das sind wir unseren Mitgliedern schuldig", so Keller.

Sonderregelungen werden gestrichen

Zudem hat der Verein weitere drastische Maßnahmen wegen des Verhaltens der Problemfans angekündigt. Nach der Rückkehr der SC-Führung vom Auswärtsspiel in Berlin gab es laut einer Pressemeldung des Vereins intensive Gespräche mit der Polizei und der Fangemeinschaft, dem Dachverband mit 75 Fanclubs und 2500 Fans. Das Ergebnis: Alle Zugeständnisse und Sonderregelungen für Fangruppen, die nicht in der Fangemeinschaft organisiert sind, werden für die letzten beiden Saisonheimspiele gestrichen.

Konkret zählen dazu die Schließung des Infostandes hinter der Nordtribüne, das Verteilen von Flugblättern auf dem Stadiongelände, den Einsatz von sogenannten Doppelhaltern und Spruchbändern sowie die Rücknahme der Ausnahmegenehmigung für die Nutzung des Megafons. Im Klartext: Diese Beschränkungen treffen die Fans wie die Natural Born Ultras und die Supporters Crew Freiburg, die nicht der SC-Fangemeinschaft angehören.

Die Polizei sucht weiter nach den Tätern vom vergangenen Samstag und hofft auf den Videobändern aus dem Stadion entsprechende Hinweise zu finden. Es soll laut SC-Pressemitteilung beim Spiel auch noch zu weiteren Zwischenfällen gekommen. So sei mit Fahnenstangen auf Sicherheitskräfte eingeschlagen worden.

SC-Fangemeinschaft verurteilt Verhalten

Gabriel Winterer, Einsatzleiter der Polizei bei SC-Spielen, kündigte gegenüber der BZ an, dass die Polizei am Sonntag beim Spiel gegen Hoffenheim ein besonderes Augenmerk darauf richten werde, dass die jetzt angeordneten Beschränkungen auch eingehalten werden. Winterer schätzt die Zahl der Ultras auf 50 bis 100. Beim Spiel gegen Nürnberg hatte es nach der Pyro-Aktion eine deutliche Reaktion von Trainer Christian Streich gegeben. Die anderen Fans auf der Nordtribüne skandierten: "Ultras raus".

Die SC-Fangemeinschaft hat sich in einer Erklärung zu dem Vorfall geäußert. "Die Fangemeinschaft verurteilt das inakzeptable Verhalten einiger Zuschauer auf das Äußerste. Wir ärgern uns über selbstdarstellende Störer, die mit einem unberechenbaren Gefahrenpotential mit der Gesundheit aller Fans spielen, den Spielbetrieb empfindlich stören, das Ansehen des Sport-Clubs schädigen und dem Verein hohe Strafen aufbürden." Auf der Nordtribüne, dem Herz der Freiburger Fanszene, sei deshalb kein Platz für Selbstdarstellung und Selbstverherrlichung. Deswegen sollten alle Fans und Zuschauer Flagge zeigen: "Emotionen ja, Pyro nein".

Supporters Crew spricht von "blindem Aktionismus"

Die Supporters Crew Freiburg (SCFR) wiederum, die als Fanorganisation auch viele der Ultrafans vertritt, kritisierte die von der SC-Führung verfügten Maßnahmen und sprach von einer "Kollektivstrafe" und von "blindem Aktionismus" Dass die beschlossenen Verbote nur die unorganisierten Fans betreffe, wirft nach Ansicht der SCFR einige Fragen auf. "Bisher ist nicht ermittelt worden, ob die Personen, die Pyrotechnik gezündet haben, überhaupt Mitglieder in irgendeiner Gruppierung, Interessensgemeinschaft oder eines Fanclubs sind. Wird also auf Verdacht davon ausgegangen, dass dies einfach so ist und dass diese Personen keinesfalls Mitglieder der Fangemeinschaft gewesen sein können?" heißt es in einer Stellungnahme der SCFR gegenüber der Badischen Zeitung.

Die Frage sei auch, wie am Samstag im Stadion bei der Einlasskontrolle organisierte von unorganisierten Fans unterschieden werden könnten. Die Verbote könnten zu "Ohnmachtsgefühlen gegenüber dem Verein" führen, eine "Jetzt-erst-Recht-Einstellung" fördern und die Fronten weiter verhärten. Die SCFR teilt jedenfalls mit, sie beim Pyrotechnik-Einsatz am vergangenen Samstag "wahrscheinlich genauso erstaunt gewesen wie die meisten anderen Stadionbesucher". Sie fragt auch, was sie als Interessensgemeinschaft verschiedenster SC-Fans nun in dem Fall hätte unternehmen sollen. "Wir sind uns sehr wohl darüber bewusst, dass sich in unserem Umfeld viele jugendliche Fans aufhalten, unter ihnen auch einige Wenige, die dazu neigen ihre Grenzen auszuloten". Deshalb verweist die Supporters Crew noch einmal auf ein aus ihrer Sicht notwendiges professionell agierendes Fanprojekt, um mit heranwachsenden Fans langfristig und präventiv zu arbeiten.

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