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22. August 2009 15:00 Uhr
Fußball-Bundesliga
SC Freiburg ist nach 0:5-Schlappe Tabellenletzter
Der SC Freiburg hat gegen Bayer Leverkusen an der Dreisam 0:5 (0:1) verloren. Damit stürmt Bayer an die Tabellenspitze. Der SC muss weiter auf seinen ersten Bundesliga-Sieg in dieser Saison warten.
Trotz einer sehr guten ersten Halbzeit ging das Team von Trainer Robin Dutt im Badenova-Stadion gegen solide Leverkusener mit 0:5 unter und liegt nun auf dem letzten Tabellenplatz. Das große Manko des Aufsteigers sind nach nunmehr drei Spielen und bereits zehn Gegentoren die unsichere Defensive und ein glückloser Sturm.
Wie angekündigt veränderte SC-Trainer Robin Dutt seine Anfangself kaum. Lediglich Julian Schuster spielte im zentralen Mittelfeld für Ivica Banovic, der noch beim 2:4 in Stuttgart das Vertrauen des Trainers bekommen hatte. Auf Leverkusener Seite musste der ehemalige Freiburger Daniel Schwaab zunächst auf der Bank Platz nehmen.
DIE FREIBURGER STARTETEN NOCH BESSER ALS GEGEN DEN HSV
Robin Dutt hatte sich eine spielerische Leistung gewünscht wie gegen den Hamburger SV. Gegen Leverkusen kamen die Freiburger sogar noch besser ins Spiel: Nach acht Minuten begann mit einem akrobatischen Volleyschuss von Mohamadou Idrissou eine ganze Reihe fein herausgespielter Torchancen des Sportclubs. Die Freiburger kombinierten derart gefährlich vor dem Strafraum der Leverkusener, dass sich Bayers Arturo Vidal bereits nach zehn Minuten eine gelbe Karte wegen eines taktischen Fouls einhandelte.
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Johannes Flum, den er von hinten zu Boden trat, hätte sonst freie Schussbahn vor Torwart René Adler gehabt. Den aussichtsreichen Freistoß setzte Julian Schuster in die Mauer. Auch der zweite zentrale Spieler der Leverkusener, Nationalspieler Simon Rolfes bekam von Schiedsrichter Marco Fritz die Gelbe Karte – ebenfalls für ein taktisches Foul. Beste Chancen erspielte sich der SC durch Flum (15.) und Jäger (18.). Beide schossen knapp am Bayer-Tor vorbei, so dass Adler nicht einzugreifen brauchte.
Die erste Torchance erspielten sich die Gäste erst nach 25 Minuten. Stürmer Stefan Kießling ersprintete einen langen Pass in den Freiburger Strafraum, narrte Verteidiger Pavel Krmas, überwand Torhüter Manuel Salz aber nicht.
SCHWAAB KAM NACH 30 MINUTEN FÜR FÜR DEN ROT-GEFÄHRDETEN VIDAL
Auf sein Wiedersehen mit dem SC Freiburg wartete Daniel Schwaab erstaunlich kurz. Bayer-Coach Jupp Heynckes entschied, den rot-gefährdeten Arturo Vidal schon nach einer halben Stunde vom Feld zu nehmen. Ein Vorteil entwickelte sich für den SC daraus allerdings nicht. Im Gegenteil: Nach zwei weiteren vergebenen SC-Chancen machte Bayer Leverkusen dem Klischee alle Ehre und bestrafte diese Unzulänglichkeit mit dem völlig unverdienten 0:1. Kießling knallte einen Rolfes-Pass ins kurze Ecke über Torwart Salz.
Der ganz große Schock war das aber noch nicht für die Dutt-Elf. Der Sportclub versuchte sein starkes Offensivspiel fortzusetzen, kam auch prompt durch den treffsichersten Freiburger Idrissou zur Ausgleichschance. Im Eins-gegen-eins mit Adler ließ sich der strauchelnde Stürmer aber nicht fallen – eine Elfmeter-reife Szene, die so ohne Zählbares endete.
NACH DER HALBZEIT DER SCHOCK
Der Schock für die bis dahin klar überlegenen Freiburger, kam wie das 0:1 aus dem Nichts. Nur zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff landete ein 18-Meter-Schuss von Leverkusens Tranquillo Barnetta so genau neben dem Innenpfosten zum 0:2 im Netz, dass Torwart Salz den Ball nicht einmal mehr berührte.
Den Freiburgern kam daraufhin sowohl der Mut als auch der Elan abhanden. Nichts mehr mit dem erfolgreichen Pressing der ersten Hälfte und den überraschenden Kurzpass-Kombinationen in Bedrängnis. Auch die körperliche Überlegenheit, die Robin Dutt zuvor für seine Mannschaft reklamiert hatte, war nicht wahrnehmbar. Ein Funke Hoffnung hätte allenfalls ein Elfmeter gebracht, der Idrissou aber auch in der 53. Minute verwehrt blieb, als er nach einem Trikotzupfer offenbar zu theatralisch für den Geschmack des Unparteiischen zu Boden ging. Blutüberströmt musste Idrissou kurz danach behandelt werden. Bei einem Zusammenprall mit Adler hatte sich der Stürmer eine Platzwunde geholt, spielte aber weiter.
Robin Dutt versuchte mit Cedrick Makiadi für Abdessadki (61.) und Reisinger für Bechmann (69.) noch einmal für offensiven Schwung zu sorgen. Davon sahen die 20.000 Zuschauer auf den Rängen allerdings nichts. Ein schwerer Fehler von Pouplin-Ersatz Salz beendete alle SC-Hoffungen endgültig. Salz versuchte einen an sich harmlosen Freistoß von Bayers Eren Derdiyok zu fangen. Dabei rutsche ihm das Leder katastrophal zum 0:3 durch die Hände (70.).
Auf den Rängen sangen die Leverkusener Fans bereits triumphierend "Wir können nach Hause fahren", dabei hatten sie noch nicht alles Sehenswerte erlebt: Ein schlechter Befreiungsschlag von Krmas brachte das 0:4. Barnetta nahm den Ball an, dribbelte mit Tempo auf den Strafraum zu und schickte den Ball ins rechte Eck. Salz hechtete dem Ball chancenlos hinterher. Den Schlusspunkt setzte Bayers Neuzugang Derdiyok. Einen Freistoß vom eingewechselten Toni Kroos legte Rolfes per Kopf in die Mitte, wo kein Freiburger Derdiyok am Volleyschuss zum 0:5 hinderte.
JETZT IST DER PSYCHOLOGE DUTT GEFRAGT
"Ein kurioses Spiel", lautete das Fazit von Gästestrainer Heynckes. "Freiburg war 35 Minuten lang klar die bessere Mannschaft." Ein Lob, das Robin Dutt die Laune nicht verbesserte: "Mir kommen die Komplimente mittlerweile aus den Ohren raus." Welch große Möglichkeit zu einem ersten Sieg die Freiburger an diesem Tag ungenutzt ließen, war Dutt sehr gut bewusst. "Wahrscheinlich wird es in dieser Saison wenige Mannschaften geben, die gegen Leverkusen ähnlich viele Torchancen erspielen werden."
Nach der herben 0:5-Klatsche wird Robin Dutt nun vor allem als Psychologe gefragt sein, um seine Mannschaft aufzubauen. Am kommenden Wochenende muss der Sportclub bei Schalke 04 antreten, die mit ihrem neuen Trainer Felix Magath sehr gut in die Saison gestartet sind. Mindestens bis dahin ist der SC Freiburg Tabellenletzter. "Ich bin sehr optimistisch, dass die Mannschaft das Ergebnis schnell aus dem Kopf kriegen wird", sagte Dutt. "Letztlich macht es keinen großen Unterschied, ob 0:5 oder 0:1." Bisher sei die Freiburger Art Fußball zu spielen noch nicht belohnt worden. Bisher.
Fotogalerie: Eindrücke vom Spiel
Hintergrund: Daniel Schwaab bekommt viel Lob, aber noch keinen Stammplatz
Überblick: Was am 3. Spieltag noch passierte
Autor: Arne Bensiek
