Hart, aber königlich

Schauinslandkönig zieht 800 Radler und Skater auf den Berg

Nicola Schwannauer

Von Nicola Schwannauer

So, 03. August 2014 um 18:57 Uhr

Freiburg

Alles, was Räder hat, rauf auf den Berg. Um die 800 Freizeitsportler zwischen neun und 76 Jahren wollten am gestrigen Sonntag wieder Schauinslandkönig sein und arbeiteten sich per Rad oder Skates, mit oder ohne Kinderanhänger, auf Liegerad, Einrad oder Tandem die kurvenreichen elfeinhalb Kilometer den Freiburger Hausberg hoch.

Der Schnellste in 30 Minuten und 50 Sekunden. Wer wollte, fuhr am Limit – für die anderen hieß es "Hauptsache, ankommen". "Krass steil". "Tut weh". "Übel". "Übersäuerung". "Furchtbar". "Demoralisierend". Und das schon am Anfang der elfeinhalb Kilometer. Die Radler am Start konkurrieren um das treffende Etikett für den steilsten und fiesesten Abschnitt der Strecke. Er kommt gleich am Anfang, und dann wird’s nur noch besser, klingt es aus den Reihen der Sportler (Fotos vom Rennen).

Schweißtropfen an den Ohren

Kurz vor zehn Uhr stehen sie aufgereiht vor der Startrampe, die Blicke auf die Straße gerichtet, die im Wald verschwindet. Fast jeder hat schon Erfahrung am Schauinsland, und die ersten 600 Meter mit einer Steigung von 16 Prozent und einem Puls von 190 sind für die Fahrer die größte Herausforderung des Rennens. Ab zehn Uhr starten die Radler im 15-Sekundentakt. Rotgesichtig, gelöst und mit Schweißtropfen an den Ohren werden sie später über die Ziellinie fahren, der erste halbe Kilometer nur noch eine müde Erinnerung.

Heinz Braun kennt den Anstieg zur "Forsthauskurve": "Man muss es langsam angehen und mit seinen Kräften haushalten." Der Freiburger ist mit 75 Jahren der Zweitälteste, der sich den Berg hochschindet, er ist zum achten Mal dabei und hat kein Rennen ausgelassen. Er küsst seine Frau zum Abschied und reiht sich vor der Startrampe ein. In einer Stunde und drei Minuten will er oben sein, "drunter schaff ich’s nicht, aber das muss ich akzeptieren."

Optimale Bedingungen

Der Himmel bedeckt, die Straße trocken, die Temperaturen mild und mäßig – die rund 800 Starter finden vor, egal ob auf einem oder zwei Rädern, mit Kinderanhänger, als Tandem oder auf Inline-Skates. Die Speed-Skater starten zwei Stunden nach den ersten Rennradlern. Sie bilden, seit es den Schauinslandkönig gibt, mit rund 40 Skatern eine verlässliche Minderheit unter den Startern.

Ein sachter Schubs an der Startrampe, und einer nach dem anderen schaukelt sich nach oben, im Schnitt mit 15 Kilometern pro Stunde.

Jens Kohler kommt als erster der Inliner oben an, in 49 Minuten und 50 Sekunden hat er sich auf maßgeschneiderten Karbonschuhen auf neongelben 100-Millimeter-Rollen den Berg hochgekämpft. Nach dem Zieleinlauf fährt er noch einen halben Kilometer weiter und ringt nach Atem. "Speedskating ist bei dem Anstieg nicht möglich", sagt er. Mann müsse sich hochdrücken. Die Schmerzen in den Oberschenkeln werden ignoriert: "Am Dienstag geht’s schon wieder mit dem Training weiter."

Speedskating ist nicht möglich

Für Jens Kohler und fünf Skaterkollegen ist das Rennen gleichzeitig die Bergetappe für den Baden-Württemberg-Inline-Cup. Jens Kohler vermisst bei den Inlinern "die Breite": Noch nicht genug Freiburger wüssten, dass der Schauinslandkönig nicht nur ein Radrennen ist, sondern auch den Skatern offensteht.

Und so kommt auch diesmal die satte Mehrheit der Teilnehmenden auf dem Rennrad. Drahtige Frauen und Männer, Ausdauersportler, ambitionierte Freizeitradler. Die Stimmung ist gelöst, man unterhält sich fröhlich vor dem Rennen, für die meisten ist dies ein reiner Freizeitspaß – aber oben ankommen will man schon. Niklas und Fabio, zehn und neun Jahre alt, sind die jüngsten, die den Berg mit seinen durchschnittlich sechs bis acht Prozent Steigung erklimmen und sichtlich stolz darauf: "Wir machen das aus Spaß und nicht wegen der Zeit". Stefan Stängle ist zum ersten Mal dabei und auch bei den ersten, die ihre Startnummer abholen. Mit zwei Trinkflaschen am Rennrad will er die Strecke in 44 Minuten schaffen, "das wär super." Am Ziel ruft er "Ziel erreicht". In 44 Minuten und zehn Sekunden war er oben.

Ist es hart?

Wer gewinnen will, der muss eine Zeit um die 30 Minuten hinlegen – der bisher Schnellste Schauinslandkönig absolvierte die 770 Höhenmeter in 29 Minuten. Der Pfälzer Christoph Fuhrbach war diesmal der schnellste Mann (30:35,4), Ann-Kathrin Hellstern (37:04,9) aus Freiburg war als erste Frau am Ziel. "Da kann man sich verausgaben", sagt Veranstalter Alexander Lang, "hart am Limit fahren, das pocht bis in die Schläfen."

Ist es hart? "Muss es sein!", sagt Lars Wagner und schwingt sich mit seiner Arbeitskollegin Dorte Meyka aufs Tandem. "Wir wollen in unter zwei Stunden oben sein." "Man muss das Ganze wollen", fasst Egon Mink, 66, zusammen. Der Tuttlinger fährt seit 30 Jahren auf den Schauinsland, damals in 38 Minuten, jetzt braucht er zehn Minuten länger. Warum er das macht? "Weil man sich spürt".

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