"Einmalig für die Bundesliga"

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Fr, 12. Januar 2018

Schießen

BZ-INTERVIEWmit dem Bogenschützen Christoph Häßler vor dem Heimwettkampf der SG Freiburg in Teningen.

BOGENSCHIESSEN. Wo sonst Handbälle das Tornetz ausbeulen, surren am Samstag Pfeile durch die Luft. In der Teninger Ludwig-Jahn-Halle richten die Bogenschützen der SG Freiburg gemeinsam mit dem BSV Teningen den dritten und vorletzten Saisonwettkampf der ersten Bundesliga Süd aus. Freiburg liegt derzeit auf dem achten und damit letzten Tabellenplatz. Über die Chancen des Aufsteigers auf den Klassenerhalt und die Organisation dieses Bogensport-Highlights sprach Matthias Kaufhold mit dem SG-Schützen und Mitorganisator Christoph Häßler.

BZ: Erklären Sie mal einem Laien wie so ein Bundesligawettkampf abläuft?

Häßler: Alle acht Mannschaften treffen sich an einem Ort und absolvieren ihre Wettkämpfe nach dem Modus jeder gegen jeden. Für jedes dieser sieben Duelle bietet eine Mannschaft drei Schützen auf, die jeweils zwei Pfeile abgeben. Alle Mannschaften haben für ihre sechs Pfeile zwei Minuten Zeit und schießen zeitgleich. Anschließend werden die Ringzahlen für jedes Team addiert. Wer das Duell gewonnen hat, bekommt zwei Punkte, bei Unentschieden erhält jedes Team einen Punkt. Das Duell geht so lange, bis eine Mannschaft sechs Punkte gesammelt hat oder es 5:5 steht. Ein Duell dauert 15 bis 25 Minuten, der gesamte Wettkampftag etwa drei Stunden.

BZ: Wie bereiten Sie den Wettkampf in der Halle für Zuschauer auf?

Häßler: In Teningen haben wir die acht Scheiben Richtung Bühne aufgebaut, sodass die Zuschauer von der Tribüne, die auch noch etwas über das Feld hängt, beste Sicht haben und dicht dran sind. Zwei Duelle werden auf Großbildleinwänden mit Beamern und Full-HD-Kameras übertragen. Dieser Aufwand dürfte für einen Bundesligawettkampf einmalig sein. Schütze und Zuschauer sehen kurz nach dem Pfeileinschlag, wo er gelandet ist. Zudem wird über jeder Scheibe der aktuelle Schusswert angezeigt, sodass der Zuschauer sofort weiß, was abgeht. Damit kann richtig Stimmung aufkommen.

BZ: Können die Freiburger Bogenschützen im Heimwettkampf die Grundlage für den Klassenerhalt legen, sich also noch um zwei Ränge verbessern?

Häßler: Ja, da bin ich optimistisch. Wir haben beim ersten Wettkampf mit einem Sieg und sechs Niederlagen sehr schwach begonnen. Beim zweiten Wettkampf kamen wir schon auf 7:7-Punkte. Wenn wir diese Leistung bestätigen, geht es auf jeden Fall Richtung Klassenerhalt.

BZ: Wie groß ist die Gefahr, sich vor eigenem Anhang zu großen Druck aufzubürden und dann zu verkrampfen?

Häßler: Schon sehr groß. Wobei der Druck in der ersten Bundesliga generell sehr hoch ist. Aber vor Freunden und Verwandten zu schießen, ist dann noch mal was Besonderes. Aber ich glaube, dass wir damit umgehen können.

BZ: Sie schießen die zweite Saison für Freiburg, die erste in der ersten Liga, wo sie in 14 Duellen einmal eingesetzt wurden. Hätten Sie sich mehr Einsätze erhofft?

Häßler: Am ersten Wochenende bin ich erkrankt ausgefallen, am zweiten hatte ich technische Probleme, die ich auf der Probescheibe einigermaßen in den Griff bekommen habe. Allerdings hat es dann beim Einsatz nicht so recht funktioniert. Natürlich hätte ich mir etwas mehr Einsätze erhofft, aber es geht immer um die Mannschaft. Und da hat es gepasst.

BZ: Litt bei Ihnen als Mitorganisator für den BSV Teningen in den vergangenen Tagen die Konzentration auf den Sport?

Häßler: Eigentlich nicht. Die Organisation des Wettkampfs läuft bereits seit einem halben Jahr. In den letzten Tagen waren nur noch Kleinigkeiten zu regeln.

BZ: Die seit Rio 2016 bekannte Olympia-Zweite Lisa Unruh startet in der ersten Bundesliga Nord für den BSC BB-Berlin. Welche Spitzenschützen sind denn am Samstag in Teningen zu erwarten?

Häßler: Für die SGI Welzheim sind zwei Olympia-Teilnehmer dabei: Camilo Mayr schoss 2012 in London für Deutschland, Jeff Henckels 2004 und 2012 für Luxemburg. Besonders interessant: das Bruderduell der Schweizer Topschützen Adrian Faber, der für uns schießt, und Florian Faber, der für Villingen antritt.

Zur Person: Christoph Häßler schießt die Wintermeisterschaften weiter für seinen Heimatverein BSV Teningen, im Sommer für die BSG Riegel und die Hallenrunde für die SG Freiburg. Als Gewehrschütze war er fast zehn Jahre lang für die SSVg Brigachtal in der ersten Bundesliga im Einsatz. Der 37-jährige Polizeibeamte wohnt in Teningen.

Kompakt: Freiburg ist zwar Tabellenletzter der Bundesliga, das Feld liegt jedoch eng beisammen. "Ich sehe uns auf Augenhöhe mit den übrigen drei Teams in der zweiten Tabellenhälfte", sagt Trainer Martin Cornils, der in der Liga eine Zweiklassen-Gesellschaft ausmacht. Freiburg geht ohne Personalsorgen in den Heimwettkampf. In Teningen lockt ein Fest des südbadischen Bogensports: Der Bundesliga-Wettkampf beginnt am Samstag um 14 Uhr, gegen 18 Uhr und am Sonntag (8 bis 16 Uhr) folgen die südbadischen Ligen mit dem Compound-, Blank-, und Recurvebogen.