Atomkraft stößt allseits auf Ablehnung

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Fr, 04. August 2017

Schliengen

Bundestagskandidaten sprechen in Schliengen über Energiewende / Viel Sympathie für CO2-Steuer / Engagierte Diskussion über Für und Wider von Windkraft am Blauen.

SCHLIENGEN. Atomausstieg, Klimawandel und Energiewende waren die Themen, zu denen sich im Schliengener Bürger- und Gästehaus am Mittwochabend eine lebhafte Diskussion mit den Bundestagskandidaten Armin Schuster (CDU), Jonas Hoffmann (SPD), Gerhard Zickenheiner (Bündnis 90/Grüne), David Trunz (Linke), Christoph Hoffmann (FDP) und Wolfgang Fuhl (AfD) entwickelte. Eingeladen hatte der Verein Bürgerwindrad Blauen (BwB). Gekommen waren mit über 50 Interessierten deutlich mehr als erwartet, wie Georg Hoffmann vom BwB-Vorstand feststellte.

Als Moderator fungierte effizient, zurückhaltend und betont sachlich Sebastian Sladek, Vorstandsmitglied der Genossenschaft Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Die Energiewende sei ein Thema für die Bundespolitik, erinnerte Kurt Mayer, Vorstandsmitglied von Bürgerwindrad Blauen: "Wir kämpfen vor Ort, aber die Weichen werden in Berlin gestellt." Und dass sich die Fragen rund um die Zukunft der Energieerzeugung und um Klimaveränderungen nicht als parteipolitische Spielwiese eignen, sondern ihre Lösungen vielmehr gemeinsame nationale und internationale Anstrengung erfordern, wurde sehr bald deutlich.

So waren sich bis auf Fuhl, der gleich beim Eingangsstatement die Diskussion um den Klimawandel als Streit mit lediglich ideologischem Hintergrund abgetan und sich als "Klima-Atheist" geoutet hatte, alle einig, dass eine CO2-Steuer ein wirksames Instrument der Zukunft wäre. Einigkeit sogar mit der AfD herrschte darüber, dass die Fortschreibung der Atomkraft kein Weg in die Zukunft ist.

Schuster als Vertreter der Regierungspartei hob darauf ab, dass man viele verschiedene Interessen ausbalancieren müsse, um am Ende eine Politik zu bekommen, in der Energie "sicher, sauber und bezahlbar" sei. Deutschland brauche dafür eine "sozial-ökologische Marktwirtschaft". Als Schuster dann doch parteipolitisch deutlicher wurde, überraschte er mit der Aussage, eine CO2-Abgabe könne er sich am ehesten mit den Grünen als politisch durchsetzbar vorstellen. Er hält aber nichts davon, damit die Industrie "in den Schwitzkasten" zu nehmen. Dass Deutschland bei der Speichertechnik noch nicht gut ist, bedauerte er, aber Mut machen ihm neue Start-ups mit innovativen Ideen. Christoph Hoffmann, auch Bürgermeister von Bad Bellingen, kam bei seinem Statement zu dem Schluss, dass man als Übergangslösung auf dem Weg zu einer sauberen Energiezukunft nicht "Braunkohlekraftwerke auf Volllast" brauche. Er setze dabei auf die Nutzung von Gas und Kraft-Wärme-Kopplung. Und "wir sollten auch mal ans Aufforsten denken", brachte der gelernte Förster den Aspekt der Bindung von CO2 in der lebenden Biomasse von Bäumen ins Spiel.

Jonas Hoffmann machte sich als ehemaliger Entwicklungshelfer dafür stark, die globalen Aufgaben gerechter auf die Schultern der Starken zu verteilen. Er kritisierte, dass die Angst heute in der Politik eine zu große Rolle spiele. Unerlässlich ist für ihn die Investition in eine dezentrale Erzeugung regenerativer Energie.

Auch David Trunz sieht als Molekularbiologe die Notwendigkeit einer CO2-Abgabe. Angesichts der immer noch nicht gelösten Endlagerfrage müsse man so schnell wie möglich aus der Nutzung von Atomkraft aussteigen.

Gerhard Zickenheiner reklamierte das Themenfeld als ureigenes Revier der Grünen. Er wartete mit einem konkreten Maßnahmenkatalog auf als Gegenentwurf zu denn "Lippenbekenntnissen" nach dem Pariser Klimagipfel. Unter anderem fordert er, "die 20 dreckigsten Kohlemeiler abschalten", energetische Sanierungen von Altbeständen voranbringen, eine Umkehr in der industrialisierten Agrarpolitik, einen klaren nationalen Klimafahrplan, eine kostendeckende Besteuerung von CO2-Ausstoß und klare Übergangsregeln für die Autoindustrie und den Kohlebergbau.

In der engagierten Diskussion mit dem Publikum spielte die Nutzung der Windkraft eine wichtige Rolle, wobei sich die Geister wieder einmal daran schieden, ob ein Windrad auf dem Blauen schön oder hässlich ist und ob Windräder im Schwarzwald dem Tourismus schaden. Dass die Lage beim Weltklima ernst ist, darin waren sich alle einig, ob es aber fünf vor oder schon fünf nach zwölf ist, konnte niemand sagen.

Um aber dem Klimawandel als "Meteoriteneinschlag in Zeitlupe" entgegenzuwirken, setzen – außer der AfD – alle auf die Kraft von technischen Innovationen, die auch in großem Stil neue Arbeitsplätze generieren sollen.