Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. Januar 2010

Die Tulpe, die nicht mehr duften will

Adél Kovács-Ehret aus Schliengen hat eine Geschichte des ungarischen Autos Sándor illustriert und damit einen Preis gewonnen.

  1. „Die stumme Tulpe“ Foto: Denise Beil

  2. Adél Kovács-Ehret, Bilderbuchillustratorin, vor ihren Zeichnungen „Der rote Mantel“ Foto: Denise Beil

SCHLIENGEN. Bücher mit bunten und lebendigen Bildern sind für Kinder ein riesiger Spaß. Die Illustratorin Adél Kovács-Ehret aus Schliengen schmückt Geschichten mit Bildern aus. Dafür wurde die 31-Jährige mit dem Publikumspreis des Bilderbuchillustrations-Wettbewerbs "Der Meefisch" ausgezeichnet. Sie überzeugte mit ihrer Arbeit "Die stumme Tulpe".

Doch Adél Kovács-Ehret illustriert nicht nur Bücher für Kinder, sondern auch Erwachsenenbilderbücher. "Ich finde es wichtig, dass Kinder mit schönen Geschichten aufwachsen, aber auch als Erwachsene kann ein illustriertes Buch etwas sehr schönes sein", sagt sie. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Freien Hochschule Freiburg illustrierte sie zwei Geschichten: "Der Mantel" und "Die stumme Tulpe". Dirk Görtler, ihr Dozent für Illustration, empfahl ihr am Bilderbuchillustrations-Wettbewerb "Der Meefisch" der Stadt Marktheidenfeld am Main und dem Arena Verlag teilzunehmen. So reichte sie noch im Abschluss- und Prüfungsstress "Die stumme Tulpe" ein, die ihr im Dezember prompt den Preis einbrachte.

Werbung


Unter mehr als 100 Einsendungen wurde "Die stumme Tulpe" unter die 16 besten gewählt und in Marktheidenfeld ausgestellt. Die Besucher der Ausstellung konnten ihren Favoriten wählen. Am besten gefielen ihnen die Illustrationen von Adél Kovács-Ehret und sie wurde mit dem 500 Euro dotierten Publikumspreis ausgezeichnet. "Mich hat es total gefreut und auch bestätigt, dass von Hand gezeichnete Illustrationen sehr geschätzt werden" so Adél Kovács-Ehret. In ihren Augen wirken nur diese richtig lebendig.

Die 31-jährige Grafikdesignerin stammt aus Siebenbürgen. Vor sechs Jahren besuchte Adél Kovács-Ehret ihre Cousine in Deutschland, fing an Deutsch zu lernen und beschloss, in Freiburg zu studieren. Im vergangenen Jahr schloss sie ihr Studium mit dem Thema "Gegen den Strom" ab, dazu illustrierte sie zwei Geschichten. "Ich wollte zeigen, dass ich nicht ausschließlich für Kinder oder Erwachsene illustrieren kann, ich wollte beides verbinden", so Adél Kovács-Ehret. Daher ist "Der Mantel" eher für Erwachsene, "Die stumme Tulpe" auch für Kinder ein Vergnügen.

Zuerst wählte Adél Kovács-Ehret die Geschichten aus und überlegte sich dann die Einteilung in Bilder. "Die stumme Tulpe" erzählt vom Versuch eines Gärtners, alle Blumen nach Basilikum, seinem Lieblingsduft, duften zu lassen. In stillem Protest schließt die Tulpe ihre Blütenblätter, lieber möchte sie gar nicht mehr duften. Dieser Text wurde noch nie illustriert und stammt vom bekannten ungarischen Autor Kányádi Sándor, dessen Gedichte Adél Kovács-Ehret schon als Schulmädchen aufsagte. Die beiden telefonierten mehrmals und nachdem Sándor Beispielillustrationen gesehen hatte, bekam sie die Erlaubnis, seine Geschichte zu illustrieren. Der 80-jährige Autor lebt in Budapest, ein erstes Treffen der beiden und weitere gemeinsame Projekte sind in Planung.

"Der Mantel", eher für Erwachsene, ist ein Kurztext der Hobbyautorin Kasia Vintrici. Es geht um das Leben in einer lauten anonymen Stadt, in der die Menschen ihr Gesicht verloren haben. Eine Frau in einem roten Mantel hat ihre Gesichtszüge behalten und findet Ruhe in einem Park. "Ich mag es, wenn Geschichten eine Aussage haben", sagt Adél Kovács-Ehret. Für kleine Kinder sind zunächst tolle Bilder wichtig und später verstehen sie die Aussage des Textes.

Verbunden sind die beiden Bücher durch das Thema. Die Elemente, die den Geschichten ihren Namen geben sind beide rot: die Tulpe und der Mantel der Frau. Das Muster des Mantels setzt sich aus Tulpen zusammen.

Ihre Technik ist gemischt, mal Acryl, mal Aquarell, mal Buntstift, seltener Öl. Farben sucht sie nach Gefühl aus. Adél Kovács-Ehret kombiniert naive und realistische Darstellungsformen. Im Laufe ihrer Ausbildung hat sie ihren eigenen Stil entwickelt, typisch für sie sind ihre Linienführung und die Verschachtelung, die in den Bildern des Mantelbilderbuchs am besten erkennbar sind. Natürlich möchte Adél Kovács-Ehret die beiden Bilderbücher auch gerne veröffentlichen, mit Verlagen ist sie im Gespräch.

Schaut man sich bei Adél Kovács-Ehret zu Hause um, entdeckt man überall Kunstwerke von ihr. Von den Küchenfliesen bis zur Wohnzimmerlampe, von der Wanddekoration bis zur Keramikkunst – Adél Kovács-Ehret ist Künstlerin aus Leidenschaft. "Natürlich ist mein Ziel, davon leben zu können und zufrieden zu sein", sagt sie. Neben den Illustrationen bearbeitete sie bisher Grafikdesign-Projekte. "Für mich ist alles interessant, Gebäudeillustrationen, Weinetiketten oder Logos, ich lebe mich gerne auf verschiedenen Ebenen aus", so die junge Frau.

Mehr Infos über Adél Kovács-Ehret unter http://www.adelier-design.de

Autor: Denise Beil