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05. Oktober 2017

"Wer nicht dran bleibt, hat verloren"

Mit Hartnäckigkeit, einer Machete und viel Detailwissen sorgt Frank Mehlin dafür, dass das als gefährlicher Eindringling geltende Springkraut in Schach gehalten wird.

  1. Springkraut blüht auch noch Ende September, Anfang Oktober - Frank Mehlin ist es in jahrelanger Arbeit gelungen, die invasive Pflanzenart zurückzudrängen. Foto: Jutta Schütz

  2. Die Blüten des Springkrauts sind zwar nett anzuschauen, doch die aus dem Himalaya stammende Pflanze verbreitet sich sehr dominant und verdrängt so heimische Arten. Foto: Hannes Lauber

SCHLIENGEN/MÜLLHEIM. Zwei lila blühende Springkraut-Exemplare sind noch übrig im sogenannten "Pfilp" bei Feldberg. Den Argusaugen von Goldschmied Frank Mehlin, Hobbybotaniker und Springkrautbekämpfer, entgehen sie nicht. Schnell ist die Machete bei der Hand und "die Pflanzen sind Geschichte", sagt er zufrieden.

Viele Bürger in Feldberg, Gennenbach, Mauchen und Liel – und nicht nur dort, sondern auch in Kandern und Malsburg-Marzell – kennen den Mann mit der gefährlichen Machete mittlerweile. "In Zeiten von Isis und Terroranschlägen ist es natürlich gar nicht ohne, mit einer Machete im Auto unterwegs zu sein oder damit durch die Landschaft zu laufen, früher hätte man mich einfach als Spinner abgetan, der ich in Sachen Springkraut auch irgendwie bin", sagt Frank Mehlin mit einem Augenzwinkern. Er führt also ein von den Behörden ausgestelltes Papier mit sich, das ihn als Bekämpfer von Springkraut ausweist, obwohl es bis dato noch gar keine offizielle Bezeichnung für seine ehrenamtliche Arbeit gibt. "Und allen Privatleuten, die mich misstrauisch beäugen, erkläre ich, was ich mit der Machete mache – Springkraut abhauen", berichtet er.

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Frank Mehlin ist ein selbst geschulter Experte in Sachen Springkrautbekämpfung. "Ich bin vermutlich der einzige Privatmann in ganz Deutschland, der weiß, wie man dieses Kraut dauerhaft vernichtet", meint er. Sein Rezept: über viele Jahre unbedingte Hartnäckigkeit. Der Erfolg ist zumindest für alle die, die sich für invasive Pflanzenarten und den Erhalt der heimischen Flora interessieren, an Bächen bei Feldberg, in Gennenbach und bei Mauchen und unterhalb von Liel Richtung Schliengen sichtbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Gewässern, gibt es dort kein Springkraut mehr. Kuckuckslichtnelken, Sumpfdotterblumen, Wiederich, Mädesüß, Knabenkraut oder Sumpf-Siegwurz haben hier angestammtes Terrain zurückerobert.

Frank Mehlin, der auch Möbel restauriert und Musikinstrumente sammelt, pachtete vor neun Jahren ein Grundstück am Gennenbach bei Liel und ärgerte sich über die immer wieder auftauchende Pflanze, die aus dem Himalaya stammt. Viele Privatleute und Kommunen haben "längst das Handtuch geworfen, was die Gegenmaßnahmen angeht", so Mehlin. Denn: Bleibt man nicht "dran an der konstanten Entfernung der Pflanze, hat man verloren", so der Lieler. Großangelegte einmal vorgenommene Springkrautaktionen nutzen gar nichts. Hat der Neophyt einmal Wurzeln geschlagen, vermehrt er sich rasant, besonders an Bächen und in lichten Wäldern sowie auf Brachflächen.

"Die Samen der Pflanze springen wirklich meterweit, und es sind unendlich viele, die zudem von Tieren im Fell mitgeschleppt werden können. Die Wurzeln sind flach, sie erodieren die Uferbereiche, die Pflanze wächst so schnell mannshoch, dass alle anderen keine Chance neben ihr haben, und die Samen wandern in den bergab fließenden Gewässern mit", zählt Mehlin auf.

Inzwischen reicht oft ein Kontrollgang

Was er auch herausgefunden hat: Die Wurzeln sondern ein Gift ab, das heimische Pflanzen am Wuchs hindert. Mehlin begann also, sich rückwärts zu den Quellen vorzuarbeiten. In einem Notizbuch hat er für sich notiert, wie viele Stunden er unterwegs war. Mehr als 1200 sind in den Jahren zusammengekommen.

Im Juni, Juli, August und September ist er unterwegs, am Anfang waren es drei bis vier Durchgänge pro Jahr, bis wirklich restlos jede Pflanze entfernt war. "Aber was im Boden an Samen da war, sieht man natürlich nicht, also, ging es Jahr um Jahr weiter, von einem Bach zum anderen. Und die Pflanze wurde immer weniger, wo ich unterwegs bin – bis nun ein Kontrollgang reicht", resümiert der Goldschmied.

Ist man mit ihm unterwegs etwa am Hohlebach und Gennenbach aufwärts, merkt man, dass ihm keine einzige Springkrautpflanze mehr entgeht. Mehlin "scannt" regelrecht das ihm gut bekannte Gelände, hüpft ständig aus dem Auto, begutachtet Bachränder. Auf einer tischplattengroßen Gemarkungskarte hat er die Problembereiche markiert.

Ein bisschen traurig sei für ihn, dass im Gegensatz zu anderer ehrenamtlicher Arbeit nicht jeder sieht, was er für die Ortschaften und deren Natur "drumherum" geleistet hat, meint er. Immerhin: Naturfreunde, Landwirte, Gartenliebhaber und einige Förster – hier gibt es dann auch mal einen Zustupf – nehmen die Ergebnisse mittlerweile zur Kenntnis, und sie lernen von Mehlin. "Manche Förster wie etwa Patrick Tröndle haben nun ein anderes Auge auf das Problem", sagt er. Da, wo Springkraut auf Lichtungen auftaucht, wird es sofort entfernt, ebenso aus Bauschutt, der auf oder an Wegen als Füllmaterial angekippt wird und haufenweise Samen mitträgt.

Privatleute melden ihm problematische Bereiche, so beispielsweise den Pfilp "den ich erst gar nicht so im Auge hatte und wo ich mich Meter um Meter durchgekämpft habe", stellt er fest. Dass das Springkraut nie wieder komplett ausgerottet werden wird, weiß auch Mehlin. "Aber je mehr Leute lernen, wie man es effektiv in Schach hält, desto besser für unsere heimischen Blumen", ist sein Anliegen.

Autor: Jutta Schütz