"Verunstaltungsverbot"

Schlumpfblaue Parkplätze in der Freiburger Wiehre sollen weg, fordert das Amt

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Di, 17. Juli 2018 um 18:11 Uhr

Freiburg

Die Stadt Freiburg ist sich sicher: Die knallblauen Parkplätze in der Wiehre verstoßen gegen das "Verunstaltungsverbot" der Landesbauordnung. Jetzt soll der Eigentümer die Farbe wieder ändern.

Die Stadtverwaltung fordert, dass das Immobilienbüro Augustin die schlumpfblaue Farbe auf den Parkplätzen vor seinem Gebäude im Stadtteil Wiehre wieder entfernt. Nach Ansicht des städtischen Baurechtsamts verstoßen die bunten Flächen gegen das Verunstaltungsverbot der Landesbauordnung. Das ist ein Novum in Freiburg: Bislang wurde dieses Instrument in der Stadt noch nie angewandt. Eigentümer Ralf Augustin hofft noch auf einen Kompromiss.

Die blauen Parkplätze waren nicht genehmigt

Ende Juni hatte das bunte Treiben für viel Aufsehen gesorgt. Nachdem Ralf Augustin die Parkplätze vor seinem Gebäude an der Dreikönigstraße blau eingefärbt hatte, waren Anwohner beim Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee Sturm gelaufen. Und auch der Vereinsvorsitzender Hans Lehmann hatte rot gesehen und von "einem Angriff auf alle Farbnerven eines normal empfindenden Menschen" gesprochen. Die Stadtverwaltung verhängte sofort einen Baustopp. Denn die blauen Parkplätze waren nicht genehmigt. Dabei sollten diese eigentlich erst der Anfang sein. Ralf Augustin wollte die gesamte Vorfläche des Eckhauses in eine hellblaue Tartanbahn verwandeln – "wie im Berliner Olympiastadion", sagte er. Dies passt seiner Meinung nach zur bunten Bewohnerstruktur im Gebäude. Der Immobilienfachmann ist für ungewöhnliche Ideen bekannt und ausgezeichnet.

"Nach Auffassung des Baurechtsamts stellt die gewählte Farbgebung in der sensiblen und hochwertigen Umgebung der Wiehre eine Verunstaltung im Sinne der Landesbauordnung dar." Pressemitteilung der Stadt
Nun hat die Stadtverwaltung den Fall rechtlich geprüft. Insgesamt gibt es bei der Farbgestaltung nur wenige Vorgaben und diese beziehen sich eher auf Gebäude und nicht auf Außenanlagen. Deshalb ging es vor allem um die Frage, ob die blauen Parkplätze gegen das Verunstaltungsverbot der Landesbauordnung verstoßen. Dessen Hürden seien jedoch sehr hoch, hieß es im Juni aus dem Rathaus – in Freiburg sei kein Fall bekannt, bei dem das Instrument angewandt wurde. Bei den Parkplätzen sieht die Verwaltung die Voraussetzungen nun erstmalig erfüllt. "Nach Auffassung des Baurechtsamts stellt die gewählte Farbgebung in der sensiblen und hochwertigen Umgebung der Wiehre eine Verunstaltung im Sinne der Landesbauordnung dar", heißt es in einer Pressemitteilung, die die Stadtverwaltung gestern verschickte.



Ein Bußgeld sieht das Verunstaltungsverbot nicht vor. Aber die Stadtverwaltung fordert, dass Ralf Augustin die blaue Farbe wieder entfernt. Sollte es zu keiner Einigung kommen, werde das Rathaus auch rechtliche Schritte einleiten.

"Ich kann das ganze Theater nicht verstehen." Parkplatzbesitzer Ralf Augustin
Ralf Augustin ist nach wie vor verwundert über die Wellen, die das Thema geschlagen hat. "Ich kann das ganze Theater nicht verstehen", sagt er. In seiner Nachbarschaft gebe es zum Beispiel asphaltierte Vorgartenzonen. "Ist das schöner?", fragt Augustin. Zudem seien in der Wiehre Häuser in einem ähnlichen Blauton angestrichen. Ihm sei zwar klar, dass sich über Geschmack streiten lasse – in diesem Fall werde aber "eine innovative und kreative Idee einfach plattgemacht".

Drei Viertel der BZ-Leser mögen blau

Die blauen Parkplätze haben auch die BZ-Leser bewegt. Bei einer Umfrage auf BZ-Online schlugen sich 73 Prozent auf die Seite des Immobilieneigentümers und meinten, dass jeder sein Grundstück so gestalten soll, wie es ihm gefällt. Augustin hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er sich mit der Stadt Freiburg auf einen Kompromiss einigen kann. Vielleicht könnten die Parkplatzflächen bunt bleiben, meint er – gegebenenfalls auch in einer anderen Farbe. Auf die blaue Tartanbahn ums Haus herum würde er dann verzichten.


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