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27. Juli 2012 21:45 Uhr

Lehrreicher Ferienbeginn

Schnäppchenjäger dürfen Schulpflicht nicht aushöhlen

Ein Schulleiter lehnt die Bitte eines Vaters ab, die Tochter vorzeitig in die Ferien reisen zu lassen. Als das Mädchen dennoch nicht zum Unterricht erscheint, rückt die Polizei aus. Ein verhältnismäßiger Schritt?

  1. Was versäumt ein Kind am letzten Schultag? Foto: dpa

Vorweg: Das Mädchen ist zur Oma nach Italien in Urlaub geflogen. Die Polizei hat nur die Personalien festgestellt und damit den Sachverhalt juristisch verwertbar festgehalten: Die Siebenjährige ist entgegen der Anweisung des Schulleiters nicht zum Unterricht erschienen, sie war aber nicht krank. Konsequenz wird eine Geldbuße sein. Das vermeintliche Billigticket, gebucht für den letzten Schul- und nicht den ersten Ferientag, wird nun mit einem kräftigen Aufschlag bedacht.

Natürlich ist die Frage berechtigt, ob da nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde. Welchen relevanten Unterrichtsstoff versäumt ein Kind am letzten Schultag? Keinen. Was verpasst es in der letzten Schulwoche? Wenig. Schon eine Woche vor Ferienbeginn schalten viele Schulen in den Entspannungsmodus. Die Noten sind gemacht, der Stoff ist durch, die Luft raus. So gesehen dürfen Schulen sich nicht wundern, wenn Eltern das als eine versteckte Einladung missverstehen.

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Diese Argumentation ist jedoch tückisch. Erstens reduziert sie die Aufgabe der Schule und spricht ihr ausgerechnet jenen Part ab, der heute wichtiger wird als jemals zuvor: Schule soll nicht nur Wissen, sondern auch Sekundärtugenden und soziale Kompetenz vermitteln. Lernziel eins: Es gibt Regeln und Gesetze, und diese gelten für alle.

Schulpflicht ist ein hohes Gut

Wer Regeln setzt, muss auch bereit sein, sie durchzusetzen. In diesem Punkt war der Schulleiter aus Gomaringen so konsequent wie das Schulgesetz eindeutig. Es gibt eine Schulpflicht und "Schulpflichtige, die ihre Schulpflicht nicht erfüllen, können der Schule zwangsweise zugeführt werden". Diese Schulpflicht ist ein hohes Gut, das zu verteidigen sich lohnt.

Lernziel zwei: Sollte es an einer Schule den Trend geben, das Schuljahr frühzeitig zu beenden und die letzten Schultage nicht mehr ernst zu nehmen, sollten Eltern nicht auf diesen Zug aufspringen, um den eigenen Geldbeutel zu schonen, sondern sich zu Anwälten ihrer Kinder machen und zur Wehr setzen. Zum Beispiel mit der Forderung, die letzte Schulwoche zu nutzen, um andere Dinge zu lernen als den Satz des Pythagoras oder den Corrioliseffekt. Die Tage um die Ferienzeit dürfen jedenfalls nicht zur Dispositionsmasse für Schnäppchenjäger werden – mit dem Effekt, dass die draufzahlen, die sich an die Regeln halten. Und was, wenn die Airlines dem Billigangebot am letzten ein Superbilligangebot am vorletzten Schultagfolgen lassen?

Schließlich darf man Eltern daran erinnern, dass sie – mit gutem Grund – von der Schule mehr Verlässlichkeit verlangen. Das gilt ganz besonders für Grundschulen. Lernziel drei: Wer Verlässlichkeit einfordert, der muss selbst bereit sein, sich danach zu richten.

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Autor: Franz Schmider