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05. Mai 2014

Das Rind als Geburtstagskind

125 Jahre Hinterwälderzucht / Festakt mit Landrätin Marion Damann und vielen Gästen in Utzenfeld.

  1. Hubert Schätzle (rechts) stellt prominenten Gäste (links Bürgermeister Harald Lais, daneben MdB Armin Schuster und Landrätin Marion Dammann) seine Rinder und damit die Hauptpersonen des Festaktes vor. Foto: Paul Berger

  2. Sie standen im Mittelpunkt: Die Zucht von Hinterwälderrindern blickt auf eine lange Tradition im Oberen Wiesental zurück. Foto: Paul Berger

UTZENFELD. "Happy Birthday" durfte nicht nur gesungen, sondern auch am Wochenende zum 125-jährige Bestehen der heimischen Hinterwälderzucht gefeiert werden. Einer Rasse, die zwei volle Tage im Mittelpunkt stand mittlerweile eine echte Erfolgsstory darstellt. Bundestagsabgeordneter Armin Schuster sprach in seinem Grußwort denn auch treffend vom "Wappentier für die Region", das es verdient habe, gebührend gefeiert zu werden.

Auch wenn die Vorbereitungen Utzenfelds Bürgermeister und Gastgeber Harald Lais vorab bereits eine "unruhige Woche" bescherten: Sein Versprechen, dass die Aussteller schönes Wetter erwarten dürfen, konnte der Gemeindechef einhalten. Voll erfüllt haben sich bei dieser Jubiläumsschau auch die Erwartungen von Franz Maus von der Rinderunion Donaueschingen sowie von Züchter und Organisator Hubert Schätzle aus Präg und mit ihm auch zahlreicher Aussteller, was die Qualität ihrer gezeigten Tiere betraf.

Neben den engagierten Züchtern und Landwirten sind es vor allem die Berater der Fachverbände sowie Politiker, die den besonderen Wert dieser außergewöhnlichen Rinderrasse für die Schwarzwaldregion erkannt und schätzen gelernt haben. Gewiss ist auch: Ohne deren gezeigten Einsatz wäre nach den Worten von Landrätin Marion Dammann diese Schwarzwaldrasse heute nicht mehr existent. Vor allem für die Höhenlagen in dieser Region sind die Rinder geradezu geschaffen. Genügsam und robust, aber auch durch die stabile Konstitution und eine hohe Fruchtbarkeit zeichnet sich die Rasse aus. Hinzu kommen die hohen Milch- und Fleischqualitäten. Gerade sie machen aus Sicht von Marion Dammann die Erzeugnisse für den Verbraucher interessant, der durchaus bereit ist, für gute Qualität einen angemessen Preis zu zahlen.

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Eine gute Chance hat nach Marion Dammanns Worten die Rinderhaltung auch als Aushängeschild für den Tourismus, weshalb man auch weiter an der Landschaftserhaltung dran bleiben werde. Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus können - unter Einbindung der zuständigen Behörden - dazu beitragen, ein wichtiges Stück Schwarzwälder Kultur zupflegen und zu erhalten. Ähnlich sieht dies Georg Heckel von der Rinder-Union gesehen. Für ihn ist es ein großer Gewinn, dass die Rasse inzwischen auch in der Schweiz und in Österreich heimisch geworden ist.

Viel Lob für die Züchter aus der Politik

Zusammen mit mehreren Züchtern war Kathrin Berger eigens aus dem Schweizer Emmental zur Jubiläumsveranstaltung angereist. Viel Lob, aber auch Rückendeckung für ihre Arbeit erhielten die Züchter von den Vertretern der Politik. Sowohl Bundestagsabgeordneter Armin Schuster als auch Ministerialdirektor Hans Ableiter vom Ministerium Ländlicher Raum sehen im Fortbestand der Hinterwälder-Rasse einen wichtigen Beitrag, von dem sowohl die Landschaft als auch die Region profitieren wird. Für Armin Schuster sind die bäuerlichen Familienbetriebe dafür die besten Garanten. Ihnen ist mit ihrer artgerechten Tierhaltung und einer schonenden Landschaftspflege auch das entsprechende "Gütesiegel" zu verdanken, das die Hinterwälder-Rasse heute auszeichnet. Aufschlussreich war die von Franz Maus, Zuchtleiter bei der Rinderunion, vorgestellte Entwicklung der vergangen 125 Jahre, mit deren Hilfe er die erfolgreiche Hinterwälderzucht mit Zahlen und Fakten belegte. Übrigens, der Eiffelturm in Paris wurde im gleichen Jahr erbaut, in dem in Schönau 45 Mitglieder die Urkunde für die Gründung des Hinterwälder-Zuchtverein unterzeichnet wurde (1889). Den zahlenmäßigen Höhepunkt erreichte die Rasse zwischen 1959 und 1961 mit 1339 Tieren. Entscheidend für den Erhalt der Rasse, so Maus, war die klare Ablehnung einer Verschmelzung von Hinter- und Vorderwälder-Rind.

Positiv auf den Fortbestand wirkten sich in den 70er Jahren auch die Einführung der Mutterkuhhaltung (die heute bei rund 80 Prozent liegt) sowie die Nachfrage aus dem Nachbarland Schweiz aus. Inzwischen hat sich die Mutterkuhhaltung bestens bewährt.

Auch in Österreich und sogar in Neuseeland weiß man nach Maus Worten die besondere Rasse aus dem Schwarzwald heute zu schätzen.

Autor: Paul Berger