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12. Januar 2016

Aufschlag für das Gewerbeschul-Jubiläum

Mit einer Feierstunde, der Enthüllung einer Wanderausstellung und einer Sporteinlage wurde am Montag der Reigen der 150-Jahr-Festivitäten eröffnet.

  1. Zum Jubiläumsauftakt gehörte auch eine Badminton-Demonstration mit Nicole Grether und Anna Gießler. Foto: Monika Weber

  2. Geht bald auf Tour: die am Montag enthüllte Wanderausstellung Foto: Monika Weber

  3. Geschenk: Jakob Rauter (rechts) überreichte Ralf Dierenbach ein Zimmerer-Lehrbuch von 1783. Foto: Weber

SCHOPFHEIM. Vor 150 Jahren, am 1. Januar 1866, fand an der Gewerbeschule zum ersten Mal Unterricht statt. Am Montag, dem ersten Schultag im Jahre 2016, wurde in einer Auftaktveranstaltung diesem bedeutenden Datum der Schule gedacht. Die Feierstunde am Montag war allerdings nur der Auftakt – das ganze Jahr über soll das Jubiläum gefeiert werden.

Schulleiter Ralf Dierenbach erinnerte in einer Feierstunde an die Anfänge der ältesten Schule im Landkreis Lörrach und erläuterte die Unterschiede zur heutigen Zeit. Zuvor hatte der ehemalige Schulleiter Jakob Rauter seinem Nachfolger im Amt ein Zimmerer-Lehrbuch aus dem Jahr 1783 überreicht, das mit vielen Kupferstichen versehen ist. Viele Inhalte darin seien heute noch aktuell, und die Zimmermannskunst berufe sich im Wesentlichen auf dieses Buch, erklärte er. Auf Umwegen habe dieses Buch zu ihm gefunden. Jetzt soll es der Schule gehören.

Gemeinsam mit Badminton-Spielerin Nicole Grether enthüllte Ralf Dierenbach eine Tafel, die als Wanderausstellung demnächst auf Reisen geht und in verschiedenen Orten im Landkreis zu sehen sein wird. Auf dieser Tafel sind die historisch bedeutsamen Daten in Wort und einigen Bildern festgehalten. Nicole Grether hielt anschließend einen Vortrag über Zielsetzungen im Leben, Erfolg und den Umgang mit Rückschlägen und Niederlagen und zeigte mit TSG-Nachwuchsspielerin Anna Gießler verschiedene Schlagvarianten beim Spiel mit dem gefiederten Ball. Anschließend durften sich die Schüler selbst bei der Abwehr von Schmetterschlägen oder im Spiel versuchen. Auch Schulleiter Ralf Dierenbach nutzte die Gelegenheit zu einigen Ballwechseln mit der zweifachen Olympiateilnehmerin und deutschen Rekordmeisterin aus Schopfheim.

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Derzeit werden 935 Schüler unterrichtet, eine weitere Klasse kommt in der nächsten Woche hinzu. Im Gegensatz zu früher (siehe Chronik) sind es heute studierte Lehrer, die im wissenschaftlichen Bereich die Schüler unterrichten. Und in den Werkstätten sind es erfahrene Meister oder Techniker mit sehr gutem Abschluss und vielen Jahren Berufserfahrung. Beide Lehrertypen bekommen nochmals eine spezielle Ausbildung und werden regelmäßig in der Unterrichtsqualität überprüft. Die Gewerbeschule ist bei vielen Schulversuchen dabei, oftmals auch federführend. Auch gibt es zahlreiche Kooperationen und Partnerschaften mit ausländischen Schulen. "Die Gewerbeschule steht für 150 Jahre Innovation und Fortschritt", resümierte Dierenbach. Zum Konzept gehöre auch die Motivation zu Bewegung, denn diese sei ein wichtiger Ausgleich zu den vielen sitzenden Tätigkeiten. Daher auch die Einladung an Nicole Grether. Auf Frage der Sportlerin, wer in seiner Freizeit Sport treibe, hoben jedoch nur wenige die Hand. Viele begründeten dies mit Zeitmangel.

Weitere Veranstaltungen:

8./9. März Besuch von Viertklässlern. Azubis führen durch ihre Arbeitswelt.

16. April: Parallel zur Ausbildungsbörse gibt es von 10 bis 14 Uhr einen Tag der offenen Tür.

Anfang Juni: Tag für Ausbilder und Lehrer der Schule

8. Juli: Festakt zum 150-jährigen Bestehen.

Oktober: Austausch überregionaler berufspädagogischer Ausbildungskonzepte über Deutschland hinaus, besonders im Dreiländereck. Themen: Wie gewinnt man Auszubildende? Wie kann man das Handwerk stützen und stärken?

HINTERGRUND

Auszüge aus der Chronik

Gegründet wurde die Gewerbeschule bereits zwei Jahre früher. Allerdings hatte man 1864, als Honoratioren der Stadt Schopfheim einen Gewerbeschulvorstand gründeten, noch keinen geeigneten Lehrer zur Verfügung. Den Vorstand bildeten Bürgermeister E. Grether, Stadtpfarrer Dekan Bark, Großh. Bezirksförster Bayer, Gemeinderat Fleiner (Apotheker), Bäckermeister Jak. Adolph (Adlerwirt), Schlossermeister Friedr. Rupp, Zimmermeister Friedr. Brüderlin und der anzustellende Gewerbelehrer. Zu dieser Zeit gab es nur ausgediente Arbeiter und "sonstige untaugliche Leute, die nur, um leben zu können, Schulmeister wurden", hieß es in damaligen Texten. Zudem seien diese Personen selbst in den notdürftigsten Elementarkenntnissen unerfahren und ohne die dem Lehrer so nötige sittliche Bildung. In Schopfheim wollte man jedoch kompetente und erfahrene Fachleute, daher der verzögerte Start.

Das Wiesental galt damals als ausgeprägter Industriestandort, vor allem wegen der Textilindustrie. Neben Webereien und Spinnereien siedelten sich auch die Bereiche Maschinenbau, Bürstenherstellung und eine Papiermühle an. Zu der Zeit war Kinderarbeit üblich.

1869 wurden 50 Lehrlinge an der Gewerbeschule gezählt. Aus einem Lehrvertrag vom 1. Mai 1881 kann man die damaligen Bedingungen erahnen. Jeder Lehrling aus einer Porzellanfabrik hatte fünf Gulden Lehrgeld an den Fabrikherrn zu zahlen. Die Lehrzeit betrug sechs Jahre, konnte jedoch bei Fleiß verkürzt, sowie bei weniger fleißigen Lehrlingen verlängert werden. Als 1872 der Schulzwang eingeführt wurde, erhöhte sich die Schülerzahl auf 187, verteilt auf nur drei Klassen.

An Wochentagen fand der Unterricht von 5 bis 7 Uhr und von 17 bis 19 Uhr statt. In der Zeit dazwischen wurde gearbeitet. An Sonntagen war Schule von 6 bis 10 Uhr, im Winter auch noch von 13 bis 15 Uhr. 1884 bekam die Gewerbeschule eigene Räume im neuen Anbau der Bürgerschule. 1897 schrieb das neue Handwerkergesetz verpflichtend Gesellen- und Meisterprüfungen vor, weshalb wegen steigender Schülerzahlen ein zweiter Gewerbelehrer nötig wurde. 1905 fand der erste Vorbereitungskurs für die Meisterprüfung statt. Im gleichen Jahr bot man einen Buchführungskurs für Frauen und Handwerkertöchter an. Mit dieser Handelsabteilung wurde die Gewerbeschule zusätzlich auch eine kaufmännische Schule. Später wurde dieser Zweig selbstständig.

1909 zog die Gewerbeschule abermals wegen steigender Schülerzahlen um. 1938 wurde der Landkreis Lörrach Träger für die sachlichen Leistungen und erwarb das Schulgebäude, das umgebaut und erweitert wurde. Während des Zweiten Weltkrieges fiel der Unterricht wegen Einberufung der Lehrer oft aus. Im Frühjahr 1946 ging es jedoch weiter. 1968 zog man an den heutigen Standort in der Bannmattstraße. Im Jahr 1986 wurde das Gebäude um ein Stockwerk erhöht.  

Autor: mow

Autor: Monika Weber