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29. August 2014 10:52 Uhr

Historie

Gersbach rüstet auf: Palisaden für die Barockschanze

Im Herbst wird das Verteidigungsbauwerk in Gersbach geschärft: Palisadenspitzen ziehen sich dann um die Barockschanze. Die Verwandlung in eine Festung begleitet ein Fernsehteam.

  1. Erweitert werden soll im September die Barockschanze um eine Lunette. Vorgesehen ist, sie seitlich neben dem Beobachtungsturm anzulegen. Das Besondere an der Aktion: Ein Filmteam wird die Bauarbeiten begleiten. Foto: privat

  2. Erweitert werden soll im September die Barockschanze um eine Lunette. Vorgesehen ist, sie seitlich neben dem Beobachtungsturm anzulegen (siehe Markierung). Das Besondere an der Aktion: Ein Filmteam wird die Bauarbeiten begleiten. Foto: Repro/Fotos:  Hönig, Störk

  3. Anpacken ist in Gersbach jetzt wieder angesagt. Ein spezielles Merkmal einer Lunette sind insbesondere Palisaden, ähnlich wie jene, die es schon auf der Schanze gibt, hier präsentiert von Manfred Deiss und Christian Walter. Foto: André Hönig

Mit Palisadenspitzen geschärft wird im Herbst das Profil der Gersbacher Barockschanze – als originalgetreues Anschauungsobjekt für Erdfestungsbau und damit natürlich auch als touristischer Anziehungspunkt. So wird sie im September um ein zusätzliches kleines Verteidigungsbauwerk, einer Lunette erweitert, aus denen Palisaden auch seitlich herausragen. Realisiert wird das Vorhaben in einer buchstäblich filmreifen Aktion – ein Fernsehteam begleitet die Arbeiten und erstellt Beiträge fürs SWR-Fernsehen und den Schulunterricht.

Wie kommt es dazu? Regisseur und Filmemacher Peter Prestel und sein Team, darunter Filmausstatter Mike Gründwald vom SWR haben im Grunde selbst den Anlass gegeben. Sie sind derzeit kreuz und quer im Ländle unterwegs, um zwei 45-Minuten-Beiträge unter dem Titel "Barock im Südwesten" zu drehen, die rund um den 300. Geburtstag der Barock-Stadt Karlsruhe (17. Juni 2015) gesendet werden. Nebenbei entstehen dabei fünf 15-minütige Beiträge für das SWR-Projekt "Planet Schule", die etwa im Schulunterricht gezeigt werden.

Auf der Suche nach barocken Zeitspuren stießen sie auf Gersbach und seine originalgetreu nachgebaute, 2008 eingeweihte Barockschanze. Nur die Schanze zu filmen wäre aber etwas unspektakulär gewesen. In Gesprächen, in die auch Schanzen-Ideengeber und – Planer Werner Störk eingebunden war, entstand dann die Idee, nochmals zu Spaten und Schaufel zu greifen und die Schanze um eine Lunette zu erweitern, erzählen Ortsvorsteher Christian Walter und sein Stellvertreter Manfred Deiss. Zwei Fliegen mit einer Klappe werden so geschlagen: Eine Lunette mit ihrer charakteristischen Bauweise fehlte bislang mit Blick auf die Grundidee, die hinter dem Schanzen-Projekt steckt: Mit ihr in der Region verbreitete Verteidigungstechniken des 16. und 17. Jahrhunderts, speziell zur Zeit des legendären Türkenlouis Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, konkret zeigen zu können, sie buchstäblich "begreifbar" machen. Eine Lunette wäre da mehr als nur ein Randbaustein, sie rundet das geschichtliche Anschauungsangebot vielmehr sinnvoll ab. Walter spricht denn auch vom "letzten Meilenstein" für das Projekt, das einst die Minifossi-AG und ihr Leiter Werner Störk auf den Weg gebracht haben. Zugleich wird den Filmemachern handfeste Action geliefert.

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Was genau wird gebaut? Vorgesehen ist, dass die Lunette auf sieben Mal sieben Metern seitlich vor dem Beobachtungsturm in einem spitz zulaufenden Winkel angelegt wird – dafür wird ein Graben ausgehoben und das Material dahinter zum Wall aufgeschüttet. Auf und in diesen (siehe Infografik) werden die Holzpalisaden gesetzt, die dadurch eine stark abwehrende Funktion hatten. Ein Teil der Arbeiten soll dabei wie einst im 17. Jahrhundert von Hand erfolgen – mit zeitgemäßem Werkzeug wie Spaten, Schaufeln und Bodenstampfern. Dieses werde eigens in Tschechien von einem Spezialisten für die Aktion hergestellt. Unklar ist im Moment allerdings noch, wie man mit den seitlich herausragenden Palisaden genau umgehen wird. "Sehr wahrscheinlich werden wir die Spitzen abhauen, weil es sonst einfach zu gefährlich ist", erklärt Walter.

Wie ist der Ablauf? Vorgesehen ist, dass der Bau in zwei Schritten erfolgt beziehungsweise an zwei Drehtagen filmisch festgehalten wird. Am Wochenende 6./7. September soll es losgehen, wobei hier nicht nur die Baustelle, sondern etwa auch das Waldglas-Zentrum gefilmt werden soll. Am Wochenende drauf, 13./14. September, soll dann der Abschluss der Arbeiten mit dem Setzen der Palisaden erfolgen. Gearbeitet und gefilmt werden soll möglichst dabei immer samstags, die Sonntage seien lediglich als Ausweichtermine reserviert, falls das Wetter nicht mitspiele.



Wer ist beteiligt? Tatkräftig anpacken werden insbesondere Mitglieder der Jugendfeuerwehr Gersbach und Forst-Azubis, aber auch Mitglieder des Ortschaftsrates und Vertreter des Fördervereins Gerisbac, der sich um die Schanze kümmert. Rolf Dieter Schmidt übernimmt die Vermessung, koordiniert wird das Ganze von Manfred Deiss, da Walter zwischendurch im Urlaub ist. Ebenfalls mit im Boot ist die Firma Engesser (Schönau), die auch schon beim Schanzenbau beteiligt war.

Was hat Gersbach davon? Der Ausbau der Schanze, vor allem aber natürlich auch die filmische Dokumentation des Vorgangs sei nicht nur für Gersbach, sondern auch für die Stadt Schopfheim ein toller Werbeeffekt, sind Walter und Deiss überzeugt. Immerhin soll Gersbach rund zehn Minuten in einem der 45-Minuten-Filmbeiträge bekommen, dazu mehrere Minuten in den "Projekt Schule"-Beiträgen. Die wiederum würden sich anbieten, sie dann anschließend auch im Waldglaszentrum zu zeigen.

Wer ist Peter Prestel?: Prestel hat bereits mehr als 200 Filmbeiträge für diverse öffentlich rechtliche Rundfunkanstalten zum Thema Wissenschaft, Literatur und Geschichte erstellt hat – darunter Folgen für die bekannten Serien Schliemanns Erben und Terra X. Zudem ist er maßgeblich an der Entwicklung des Internet-TV-Formats "DFG Science TV" beteiligt. 2007 wurde er mit einem Denkmalschutz-Journalistenpreis ausgezeichnet für "vorbildliche Berichterstattung im Themenbereich Kulturdenkmalschutz und -pflege".

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Autor: André Hönig