Geschichte ohne Hochdütsch

Klaus Brust

Von Klaus Brust

Do, 28. Juni 2018

Schopfheim

Grundschule Wiechs fördert Alemannisch / Heidi Zöllner begeisterte 78 Kinder mit den "Erdmännli".

SCHOPFHEIM-WIECHS. Ein türkisch- und ein iranischstämmiges Mädchen brachten es auf den Punkt: "Es hat uns sehr gut gefallen, kommen Sie bitte wieder; Sie haben uns in die alte alemannische Welt eingeführt." Die Danksagung ging nach spannenden zweieinhalb Stunden an Heidi Zöllner aus Hausen, Vorsitzende der Muettersproch-Gsellschaft Gruppe Wiesental. Zöllner hatte die Kinder in der Grundschule besucht und sie auf eine tolle Mundart-Entdeckungsreise mitgenommen.

Ein Kompliment gilt auch der Grundschule Wiechs, die seit vielen Jahren sich der Förderung der Mundart verpflichtet sieht als Antwort auf einen Sonderpreis beim Gerhard-Jung-Wettbewerb, den sie im Jahr 2009 gewann. Schulleiterin Rosemarie Jäkel aus Hausen hatte am Freitagmorgen alle 78 Kinder der Klassen 1 bis 4 versammelt. Sie sangen ihr umgedichtetes alemannisches Lied auf die Melodie "Un jetzt gang i an Peters Brünnele" und warteten, was wohl Heidi Zöllner zu erzählen wusste und was sie in ihrer großen Tasche verborgen hatte. "Wer spricht von euch Alemannisch?" Fast die Hälfte der Jungen und Mädchen hob die Hand und ein "Cleverle" antwortete treuherzig: "I cha fascht kei Hochdütsch." Mundartsprecherin Heidi Zöllner betonte, dass Sprachenlernen das Gehirn schule und mehr Vor- als Nachteile habe.

Die Kinder versetzte sie dann in die Zeit vor 140 Jahren und schilderte, immer unterstützt von den Kindern, den "Liechtgang". Abends saßen Alt und Jung reihum bei den Nachbarn zusammen, denn die armen Bauern, auch in Wiechs, mussten sparen, hatten noch keinen Strom, alles war stockdunkel. Mit "Liechtspön" und einer Kerze wurde für etwas Helligkeit gesorgt. Aus der Wundertasche kamen des Weiteren eine kupferne Bettflasche und meterlange Strümpfe aus Schafwolle (die zwickten), die wärmen sollten. Das Interesse aller Kinder fand ein kiloschweres Bügeleisen, das mit glühender Holzkohle bestückt wurde; jeder wollte es hochheben und staunte über das Gewicht – Bügeln war eine harte Arbeit. Beim Erzählen haben die Frauen gestrickt und gestopft, die Männer haben im Winter Schindeln angefertigt, alles wurde anschaulich gezeigt und demonstriert.

Dass Heidi Zöllner bestens erzählen und auch Geschichten schreiben kann, davon konnten sich Schüler überzeugen. Die Sage von den Erdmännlein in der Hasler Höhle, die den Leuten nachts Hausarbeiten erledigten, hatten die Kinder schon gehört. Nicht aber, dass ein Bauer den Erdmännlein zu essen gab, ins Goldbergwerk im Innern der Höhle mitgenommen und täglich mit einem Goldstück belohnt wurde. Doch er war neugierig, was die Gestalten unter ihrem großen Umhang verbargen und streute Asche. Die Asche-Abdrücke zeigten Entenfüße. Des Bauern Entdeckung war zugleich das Ende der Hilfe durch die Erdmännlein.

Später las Heidi Zöllner ihre Version "Erdmännli chömme wieder". Atemlose Stille herrschte im Klassenzimmer, als die Kinder von der 500 Jahre dauernden Verbannung in der Höhle vernahmen. Zöllners Geschichte zeigt, wie das Erdmännlioberhaupt ein strenges Regiment führte. Das kleine Erdmännchen Michi aber schleicht sich trotz Verbots nachts aus der Höhle und hilft dem Menschenkind Anja beim schweren Fach Mathematik. Die kleinen Erdgeister wollten also gerne den Menschen wieder helfen, aber wie?

Nun sollten die Kinder die Fortsetzung der Geschichte malen (die Erstklässler) oder in Einzel- und Gruppenarbeit ihre Ideen notieren. Zusammengefasst lauteten die Lösungen: nett zu den Erdmännlein sein, ihnen Namen geben, sie nicht mehr ärgern, ihnen Schuhe kaufen (dass man die Entenfüße nicht mehr sieht) und "eine Party schmeißen" als Dank für ihre Hilfe. Die Zweitklässler werden im Juli die Erdmannshöhle in Hasel besuchen und sicherlich schauen, ob sie hinter den Tropfsteinen Erdmännlein entdecken. Schulleiterin Rosemarie Jäkel dankte Heidi Zöllner für den spannenden Vormittag, der Lust auf Mundart in der Schule gemacht habe und im Unterricht in der kommenden Woche aufbereitet werde. Mit lautstarkem Beifall schlossen sich die Kinder an.