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18. März 2011
Leserbriefe
CAFÉ IRRLICHT
"Ich dachte erst an einen Fasnachtsscherz"
Auch weiterhin beschäftigt die Zukunft des "Irrlichts" und die im Raum stehende Kündigung des Mietverhältnisses viele Leser.
Ich dachte erst an einen Fasnachtsscherz, als ich aber weiterlas, wurde mir die Tragweite des Antrags der SPD bewusst. Einem selbstverwaltetem, soziokulturellem, selbst ernannt linkem Jugendzentrum soll auf Antrag der Sozial-Demokraten der Mietvertrag gekündigt werden. Es seien Auflagen missachtet worden. Jeder Vermieter hat das Recht, einem Mieter Auflagen zu machen. Jeder Mieter hat dem gegenüber natürlich auch das Recht, diese Auflagen zu hinterfragen und sich gegebenenfalls anwaltlichen Beistand einzuholen. Von mangelndem Umgangsverständnis kann, meiner Meinung nach, nicht die Rede sein. Nachdenklich stimmt mich dabei die Information von Mitgliedern des Irrlichtforums, dass jenes Schreiben, welches diese Bedingungen mit Nachdruck auflistet, vor einiger Zeit zurückgenommen wurde.
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Ich habe mich gefreut, dass sich mein Sohn engagiert. Er setzt sich für eine andere Art Jugendkultur ein. Er lernt dabei, sich mit Meinungen auseinanderzusetzen, auch mal anwesend zu sein, wenn es gerade mal nicht so viel Spaß macht. Er lernt, was Demokratie ist oder sein kann. Dazu braucht es den Freiraum eines selbstverwaltetem Jugendzentrums. Freiraum heißt nicht Freiheit, alles tun zu können. Er bedeutet aber, die Jugendlichen ausprobieren zu lassen, wachsen zu lassen, ihnen Flügel zu geben und nicht mit repressiven Mitteln und Hau-Ruck-Methoden aus heiterem Himmel die Existenz des Irrlichts in Frage zu stellen. Vielleicht ist es an der Zeit, sich gemeinsam an einen runden Tisch zu setzen. Mit Hilfe eines Mediators einen Dialog zu beginnen, der sich in einem respektvollem Umgang mit allen Fragen, Anregungen und Bedürfnisse jeder einzelnen Partei demokratisch auseinandersetzt.
Kerstin Reisberger, Maulburg
"Der falschen Machtausübung ein Ende setzen"
Schopfheim, eine Kleinstadt, die scheinbar viel zu bieten hat. Vor allem begrenzte kulturelle Einrichtungen für junge Menschen. Ausgerechnet diese sollen uns durch den unbremsbaren Ehrgeiz unserer Dorfpolitiker jetzt auch noch genommen werden, indem das Café Irrlicht schließen soll. Was viele Bürger nicht wissen, ist, dass diese Einrichtung sehr wichtige Jugendarbeit leistet. Das relativ junge Team besteht aus rein ehrenamtlichen Helfern, welche ihre Freizeit dazu nutzen, um für uns Jugendliche einen solch unersetzbaren, kulturellen Freiraum zu schaffen. Die Mitwirkenden lernen Teamfähigkeit und durch selbstverantwortliches Handeln Veranstaltungen zu organisieren. Die Ideen und Interessen der Jugendlichen werden so sinnvoll eingesetzt und nach außen getragen. Die "Irrlichter" laden oft zu Informationsveranstaltungen ein und betreiben somit eine gezielte und wichtige Aufklärungsarbeit, die sich gegen die weit verbreiteten rechten Strukturen richtet.
So vermittelt das Irrlicht wichtige Werte an junge Generationen und beseitigt somit die Unwissenheit, die die Bürger aufzufressen droht. Weiterhin sorgt das Café Irrlicht dafür, dass es auch jungen Menschen mit wenig Geld möglich ist, sich in öffentlichem Raum mit Freunden zu treffen, da keinerlei Konsumzwang besteht. Egal ob arm oder reich, ob hell- oder dunkelhäutig, das Irrlicht hat keinen Platz für Vorurteile und ist somit der perfekte Ort, um mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt zu treten. Auch weit über die Grenzen von Schopfheim hinaus ist das Irrlicht ein positiver Begriff.
So bringt der wohl bunteste Fleck in Schopfheim an den Wochenenden leben in unser eingeschlafenes Städtchen. Ohne das Irrlicht hätten wir Jugendlichen keinen geschützten Ort mehr, an dem wir unsere Freizeit gut und gerne verbringen können und wichtige Dinge fürs Leben lernen.
Wir müssten häufiger auf den Straßen herumlungern, da es in unserer Region keine mit dem Irrlicht vergleichbare Einrichtung gibt. Das kulturelle Angebot in Schopfheim lässt ganz klar zu wünschen übrig und deshalb ist es dringend notwendig, das Irrlicht zu erhalten und zu unterstützen. Gemeinsam muss der falschen politischen Machtausübung ein Ende gesetzt werden und gemeinsam müssen wir für die Erhaltung des Café Irrlichts als kulturellen Freiraum kämpfen.
Tina Hagg, MaulburgStadt springt unfair mit jungen Menschen um
Ein wenig schäme ich mich für meine Generation. In altbekannter Manier bedienen sich die bürgerlichen Altvorderen aus Stadtverwaltung und Gemeinderat ihrer Autorität und wollen der "ungehorsamen" Jugend im Rahmen einer erzieherischen Maßnahme Mores beibringen. Ernst genommen werden die Jugendlichen nicht und von einer, durchaus gebotenen, Begegnung auf Augenhöhe kann keine Rede sein. Kündigung und spätere Neuvermietung des "Irrlicht" sollen die vom "rechten Weg abgekommenen" jungen Betreiber wieder auf die Spur bringen. Haben Sie in der Vergangenheit das offene Gespräch mit den jungen Leuten gesucht und sie auch wirklich ernst genommen? Die Vorgänge und Feststellungen im Umfeld des "Irrlicht" werden in der Öffentlichkeit nicht differenziert behandelt. Versuche des Vereins Soziokultur zur Richtigstellung werden schon als Provokation gewertet. Ist den Vertretern unserer Stadt klar, wie unfair sie mit den jungen Menschen umspringen? Die Vorwürfe, die sie in Ihrem Bedürfnis nach bürgerlicher Ordnung eher ungeprüft vorbringen, lassen sich überwiegend schnell entkräften. Wenn man dafür überhaupt offen ist. Den Stadtvertretern ist gar nicht bewusst, dass sie es mit gesellschaftlich engagierten und mündigen und verantwortungsbewusst handelnden jungen Leuten zu tun haben, die es verdienen, dass man auf sie zugeht und nicht feige oder ignorant nur die Strippen zieht. Seien wir doch froh, dass sich Jugend in Schopfheim selbst organisieren kann, dass etwa solch beeindruckende Veranstaltungen wie Holzrock stattfinden. Hier findet Schule für’s Leben statt. Und für diejenigen, die auf den Stadtsäckel schauen: Ein einziger Jugendknastplatz kostet pro Jahr deutlich mehr als das ganze Thema "Irrlicht". Leider, das muss gesagt werden, zieht das "Irrlicht" auch Leute an, die hauptverantwortlich sind für die festgestellten Belästigungen. Die "Irrlicht"-Betreiber können kaum Einfluss auf die Vorgänge vor der Türe nehmen und können nicht für alle Vorkommnisse verantwortlich gemacht werden. Also, Ihr Stadt-Allmächtigen, geht bitte fair und entgegenkommend mit den Betreibern und Gästen des "Irrlicht" um. Und seid bitte nicht allzu beleidigt, wenn sie demnächst eher nicht CDU oder SPD wählen. Hubert Kienzler, Schopfheim Vor jeder Disco und jeder Kneipe gibt es Stunk
Die Stimmen zum geplanten Antrag der SPD auf Kündigung des Mietvertrages seitens der Stadt mit den Betreibern des Café Irrlicht zeigen alle nur ein negatives Bild, was ich äußerst schade finde. Nicht ein positives Wort war zu lesen und aus diesem Grunde melde ich mich zu diesem Thema. Auch finde ich es eigenartig, dass die Betreiber des Irrlicht durch den Zeitungsartikel über die geplante Aktion erfuhren und nicht in einem direkten Schreiben. Nennt sich das Demokratie?
Seit über 20 Jahren wohne ich nun in Schopfheim, gehöre altersmäßig sicher nicht zum üblichen Klientel des Irrlichts, habe aber dank meiner Söhne, die im Irrlicht ehrenamtlich tätig waren und sind, immer den "Draht" zum Irrlicht gehabt und bin auch jedes Jahr am Holzrock. Ich finde es toll, dass sich junge Leute ehrenamtlich im Irrlicht engagieren, Zeit für die Organisation eines Treffpunkts investieren, mit allen Aufgaben, die damit zusammenhängen. Die Planung und Organisation nur alleine vom Holzrock, dauert über ein halbes Jahr. Auch als es darum ging, dass die Bühne im Sengelen abgerissen werden sollte, zeigte sich der große Zusammenhalt der "Irrlichter", die um den Erhalt der Holzrockbühne kämpften, sie dann auch sanierten und der TÜV das vollendete Werk für gut befand. Solche Dinge sollten auch anerkannt werden und nicht nur Negatives, welches unbestritten auch vorkommt. Aber vor jeder Disco und jeder Kneipe gibt es Stunk und wenn ich jetzt, nach all den Faschingsveranstaltungen lese, wie viel Schlägereien und wüste Gelage es gab, wundert es mich, dass da nicht die Veranstalter zur Pflicht gerufen werden und es z.B. ein Hallenverbot gibt. Aber das steht ja auf einem anderen Blatt, da es sich um "traditionelle" Veranstaltungen handelt und es an Fasnacht halt wohl einfach dazu gehört, sich zu betrinken und Stunk zu machen. Nur noch eines: Wenn das Irrlicht geschlossen wird, gibt es eine große Anzahl Jugendlicher, die keine Anlaufstelle mehr haben, wo sie sich wohl fühlen. Wohin damit? So vertreibt man seine jungen Bürger erfolgreich aus der eigenen Stadt. Barbara Kettner, Schopfheim
Autor: Kerstin Reisberger, Maulburg
