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10. April 2010

Mini-Kraftwerke statt Atom

Der Film "Die 4. Revolution" löst im Scala-Kino rege Diskussionen über die Energiepolitik aus.

  1. Groß war das Interesse der Besucher des Films „Die 4. Revolution“ im Scala-Kino in Schopfheim. Rege wurde bei der anschließenden Podiumsdiskussion mitdiskutiert. Foto: Heiner Fabry

SCHOPFHEIM. "Wir stehen vor dem größten Strukturwandel der Wirtschaft seit dem Beginn des Industriezeitalters", erklärt Hermann Scheer, MdB, Vorstand des Weltrats für erneuerbare Energien und Träger des alternativen Nobelpreises, im Film "Die 4. Revolution", der am Donnerstag im Schopfheimer Kino Scala anlief. Das bis auf den letzten Platz gefüllte Kino und die rege Teilnahme des Publikums an der Diskussion zeigten, wie groß das Interesse an der Thematik ist.

Der Film von Carl A. Fechner, der seit März in den deutschen Kinos läuft, ist kein neues Horrorgemälde über drohende Klimakatastrophen, sondern ein Appell an alle, sich für eine Umstellung auf erneuerbare Energien hier und jetzt einzusetzen.

Dass dies keine Utopie ist, wird sachlich und ohne Polemik anhand von konkreten Projekten demonstriert, in denen die Machbarkeit nachgewiesen ist. Die Revolution, die der Film im Titel führt, bezieht sich dabei nicht nur auf die Umstellung auf erneuerbare Energien, sondern auch darauf, dass Strom und Wärme nicht mehr von Großkonzernen bezogen werden soll, sondern von kleinen dezentralen Einheiten in Familien, Dörfern oder Regionen. An der Podiumsdiskussion, in die Moderator Ulrich Martin Drescher auch das Publikum einbezog, nahmen teil Armin Schuster, CDU MdB, Jana Zirra, Mitglied des SPD Landesvorstandes, Josha Frey, Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion, Professor Siegfried Rapp und Ursula Sladek, Geschäftsführerin der EWS in Schönau. Die Diskussion konzentrierte sich schnell auf die politische Ebene, die von der Bundesregierung diskutierte Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke und die Förderungen aus dem EEG (Erneuerbare Energie Gesetz).

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Armin Schuster, der die Positionen der Regierung zu erläutern versuchte, hatte einen schweren Stand und fand in dieser Diskussionsrunde wenig Zustimmung. "Die angestrebte Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke ist unverantwortlich", betonte Ursula Sladek. Mit ständigen Verweisen auf die Übergangszeit, die notwendig für eine Umstellung auf erneuerbare Energien sei, werde diese Umstellung nur verzögert oder gar verhindert. Siegfried Rapp plädierte dafür, die Diskussion nicht nur auf politischer Ebene zu führen. "Wir haben keine Zeit, noch zehn Jahre zu diskutieren – wir müssen handeln", lautete sein Appell, für den es starken Beifall gab.

Aus dem Publikum wurde die Frage aufgeworfen, was unter der häufig angeführten Dezentralisierung zu verstehen ist. Ursula Sladek erläuterte, dass es darum gehe, weg zu kommen von großen zentralen Kraftwerken, hin zu vielen kleinen Stromerzeugungsanlagen, die eben auch für neue Eigentumsverhältnisse stehen und nicht die Macht der Großkonzerne stärken. Jana Zirra verwies auf den lokalen oder regionalen Kreislauf. "Dort wo Strom und Wärme erzeugt werden, werden sie auch verbraucht", führte sie aus und verwies auf das Energieprojekt in Hägelberg. Aus dem Publikum kam die Ergänzung: "Wir selber müssen aktiv werden, indem wir über unseren Verbrauch und den Bezug der Energie zusätzlichen Einfluss nehmen."

In der Schlussrunde der Diskussion wurde die Botschaft des Films aufgegriffen und verstärkt. "Es geht viel mehr als wir glauben", betonte Siegfried Rapp, "wir müssen es nur tun." Ursula Sladek appellierte an ein starkes Engagement auf regionaler und lokaler Ebene und rief zusätzlich alle auf, an den Demonstrationen gegen die Laufzeitverlängerung der AKWs am 24. April teilzunehmen. Und Jana Zirra fand mit ihrem Aufruf das passende Schlusswort: "Nehmen Sie die Botschaft des Filmes mit: die umfassende Strukturveränderung in der Energieversorgung ist möglich, wenn alle zusammenstehen."

Info: Der Film "Die 4. Revolution" ist zu sehen in Schopfheim im Kino Scala bis zum 14. April, anschließend vom 16. bis 20. April im Kino in Kandern. Weiterführende Informationen unter: http://www.4-revolution.de und http://www.energyautonomy.org

Autor: Heiner Fabry