"Neue Methoden, Blutzucker stabil zu halten"

Anja Bertsch

Von Anja Bertsch

Sa, 03. März 2018

Schopfheim

Rasante medizinische und technische Fortschritte erleichtern Diabetikern das Leben mit ihrer Erkrankung / Diabetesverein ist das ganze Jahr über vielfältig aktiv.

SCHOPFHEIM. Rasante medizinische und technische Fortschritte erleichtern Diabetikern in jüngerer Zeit das Leben mit ihrer Erkrankung immens. "In den letzten drei, vier Jahren hat sich extrem viel getan. Wir sind in ganz neue Dimensionen vorgestoßen", schwärmte Dr. Michael Maraun als Leiter des Diabetes- und Schulungszentrums am Schopfheimer Kreiskrankenhaus sowie als Vorsitzender des zugehörigen Vereins in der Hauptversammlung.

Wesentliche Neuerung für Typ-1-Diabetiker ist die "kontinuierliche Blutzuckermessung": Das täglich mehrfache "Stechen" und Analysieren des so gewonnenen Blutes wird hier durch einen dauerhaft unter der Haut platzierten Sensor ersetzt, der über das Unterhautfettgewebe alle paar Minuten den Zuckerwert ermittelt. Dies erlaube statt punktueller Momentaufnahmen einen kontinuierlichen Überblick über den Blutzuckerverlauf. "Man hat ganz andere Möglichkeiten, den Zucker stabil zu halten", zeigte sich Maraun begeistert – etwa über die Kopplung mit einer elektronischen Insulinpumpe, die den Blutzucker kontinuierlich einpegelt. Neue Entwicklungen und Erfolge gebe es auch bei der Medikation von Typ-2-Diabetikern mit Herz- oder Gefäßproblemen. "Das alles sind ganz neue Dimensionen im Umgang mit unserer Erkrankung", zeigte sich der Vereinsvorsitzende begeistert, der selbst seit über 50 Jahren mit der Krankheit lebt und ihre zugleich von professioneller Seite zu Leibe rückt. An einem Grundmerkmal freilich ändern all diese Entwicklungen nichts: Eine Diabeteserkrankung begleitet die Betroffenen ein Leben lang: "Man wird sie einfach nicht mehr los", so Maraun. Und klar ist auch: Die Erkrankung ist mehr als ein bisschen viel Zucker im Blut: "Wenn man sich nicht kümmert, ist Diabetes gefährlich, und kann dramatische gesundheitliche Folgen haben", machte Maraun deutlich.

Umgekehrt gelte aber eben auch, dass die Betroffenen viele Möglichkeiten haben, positiven Einfluss zu nehmen. "Wenn man sich kümmert, kann man sehr lange sehr gesund und gut leben." Gerade Typ 2-Diabetiker hätten die entscheidenden Faktoren neben den richtigen Medikamenten selbst in der Hand, zeigte sich Maraun überzeugt: Ernährung und körperliche Bewegung. Letztere sei lange Zeit vernachlässigt worden, sei aber "extrem wichtig", und in ihre positive gesundheitliche Wirkung unschätzbar wertvoll: "Es lohnt sich". Hilfreich, um den (Wieder-)Einstieg zu finden, seien oft Aktivitäten in der Gruppe; der Diabetikerverein hilft bei der Vermittlung entsprechender Angebote. Um den Betroffenen Informationen zum guten Umgang mit ihrer Erkrankung an die Hand zu geben, fanden auch im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Informationsveranstaltungen und Vorträge statt. Auf große Resonanz stieß zudem der Tag der offenen Tür des Diabeteszentrums am Schopfheimer Krankenhaus im Rahmen einer Aktionswoche zum Welt-Diabetestag (14. November).

Wichtiges Element neben den fachlichen und medizinischen Inputs ist der Austausch mit anderen Betroffenen, der bei einer solchen chronischen Erkrankung immens wichtig sei, wie Maraun betonte. Um aus dem geballten Erfahrungsreservoir konkrete Tipps und Ideen für das eigene Leben mit der Krankheit zu bekommen – oder um im Kontakt mit anderen Betroffenen mentale Rückenstärkung zu erfahren.

Im Sinne des Miteinanders bestehen unterm Dach des Vereins neben Einzelveranstaltungen wie Ausflüge oder Weihnachtsfeier zwei regelmäßige Events: Beim Stammtisch treffen sich seit über zehn Jahren etwa ein Dutzend Betroffene (überwiegend Typ 1) einmal im Monat. "Da hat sich eine homogene Gruppe zusammengefunden", berichtete Rolf Schwald. Offen für alle, und ausgesprochen gut besucht ist das Diabetikerfrühstück, zu dem der Verein Diabetiker mitsamt Familie im Kulturcafé zum Schmausen lädt, berichtete Mechthild Wallny. Das Frühstück findet in unregelmäßigen Abständen jeweils sonntags statt.

Wahlen: Einen Wechsel an der Vereinsspitze brachten die Wahlen: Der langjährige Vizevorsitzende Rolf Schwald zog sich zurück und wurde mit warmen Worten verabschiedet. Nachfolgerin ist die bisherige Schriftführerin Mechthild Wallny, deren Aufgaben Sabine Bühler übernimmt. Einstimmig wiedergewählt wurden Vorsitzender Michael Maraun und Kassierer Fritz-Martin Weis. Beisitzer sind Brigitte Dinse, Rainer Graichen, Franziska Kufner, Gaby Keller und Johannes Schröder. Vorsitzender Maraun dankte seinen Vorstandskollegen für die engagierte Zusammenarbeit.

Ausblick/Termine: Das nächste Diabetiker-Frühstück findet am kommenden Sonntag ab 10 Uhr im Kultur-Café (Kulturfabrik) statt. Weitere Termine: 22. April; 26. Juni, 21. Oktober und 9. Dezember. Zwecks Überblick ist eine Anmeldung erforderlich, unter info@dizescho.de

Sonstige Termine: 21.3. Blutzuckermessgeräte – Vorstellung neuer und Überprüfung alter Geräte (Gasthaus Adler, Schopfheim); 19.4. Hausnotruf (DRK Lörrach); 16.5. Workshop "Motivation – Wie kann es gelingen, bei der Stange zu bleiben?" (Adler); 18.7. Medizinische Fußpflege – aber richtig (Adler); 17.10. Workshop Herzinfarkt und Schlaganfall – Was tun als Erste Hilfe? (DRK Grenzach-Wyhlen); 22. November: Kontinuierliche Messungen – ein Update (Adler). Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30. Homepage: http://www.dizescho.de