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01. August 2016 17:22 Uhr

Schnelligkeit siegt

Erfolg für Schopfheimer Nachwuchsfilmer

Ihnen gelang eine anspruchsvolle Filmproduktion innerhalb von einem Tag und einer Nacht: Marius Kast und Lorenzo Oschwald aus Schopfheim landeten mit ihrem Beitrag "Die zweite Chance" beim "24-Hour Film Race" unter den Top 24.

  1. Marius Kast (links) und Lorenzo Oschwald freuen sich über ihren Erfolg beim 24-Hour Film Race. Foto: Anja Bertsch

  2. Vorbereitungen für die Turbo-Dreharbeiten. Foto: privat

SCHOPFHEIM. 24 Stunden, um einen Film zu drehen? Um die Story zu ersinnen, das Drehbuch zu schreiben, die Schauspieler auf ihre Rollen einzustimmen, das Ganze zu filmen und das Rohmaterial dann zum fertigen Film zurechtzuschneiden? Beim internationalen Filmwettbewerb "24-Hour Film Race" ist genau diese Highspeed-Herausforderung Programm.

Mit dem 19-jährigen Lorenzo Oschwald und dem 20-jährigen Marius Kast haben sich zwei Nachwuchsfilmer aus Schopfheim dieser Herausforderung gerade ausgesprochen erfolgreich gestellt: Als einzige europäische Teilnehmer landeten sie mit ihrem Beitrag unter den Top 24; die Prämierung der besten Filme erfolgt am kommenden Wochenende im Rahmen einer Gala in Atlanta.

So abenteuerlich und originell wie das eigentliche Film Race selbst ist der Weg, der die beiden Jungfilmer überhaupt zu diesem Wettbewerb führte: Bis vor einem guten Monat waren die beiden zusammen auf der mittlerweile beinahe obligatorischen Nach-Abi-Reise: Indien war anvisiert, Marokko ist es geworden, und hier also waren die beiden fünf Monate lang unterwegs – filmend, fotografierend und Leute treffend. Unter den neuen Bekanntschaften war mit Jose Cano ein Kanadier, der in Marokko gerade an einer Lebenskrise operierte – "witzig, schräg und sympathisch. Völlig abgedreht. Und mit einer Menge Ahnung vom Filmen", schildert Lorenzo. Jose hatte es selbst schon mehrfach erfolglos bei der Film Race versucht, witterte in und für Lorenzo und Marius Kast nun aber die große Chance für einen erfolgreichen Neuversuch; die beiden ließen sich von der Begeisterung anstecken.

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In der Nacht des "Film-Rennens" saßen Lorenzo und Marius vor dem Rechner und fieberten dem Startschuss entgegen: In Atlanta war es 22 Uhr, in Schopfheim nun mal 4 Uhr morgens, als die E-Mail mit dem Arbeitsauftrag ankam: "Zweite Chance", "Kartenspiel", "Schalter umlegen" – drei Stichworte, die im Fünf-Minuten-Kurzfilm als Thema, als Requisite und als Aktion vorkommen mussten. 30, 40 Minuten Brainstorming, jeder für sich, welche Story sich aus diesen Elementen womöglich stricken ließe. Vier Grundideen entstanden in dieser kurzen Zeit, eine machte das Rennen und wurde weiter ausgearbeitet. Nächste Herausforderung: Das Ganze zum Drehbuch zu formen, die Story in Szenen und Dialoge zu packen. Große Hilfe dabei wie auch bei den späteren Schritten war wiederum Jose, der von Kanada aus per Skype zugeschaltet war.

Wichtige Unterstützung kam vor allem auch von Lukas Engelke – ehemals Lehrer, mittlerweile Freund der beiden. Engelke war es im Übrigen auch, unter dessen Fittichen Lorenzo und Marius im Rahmen eines Schulprojektes ihre ersten filmischen Gehversuch machten. Zweieinhalb Jahre ist das erst her; mittlerweile haben die beiden sich mit ihrem eigenen Unternehmen "Carmona" als Fotografen und Filmer selbständig gemacht.

Es wurde etwa Mittagszeit, bis das Buch fertig war – ein hintersinniges Schauspiel über den Tod, das Schicksal – und "die zweite Chance", die auch den Filmtitel gibt. Mit dem Drehbuch im Gepäck hieß es nun Requisiten und Schauspieler einsammeln, um endlich ans Drehen zu kommen. Einiges immerhin hatten die beiden vorab schon klargemacht: Die Alte Schmiede in Mambach als typische Location zum Beispiel – mit Sicherheit schon einmal ein Alleinstellungsmerkmal in einem amerikazentrierten Wettbewerb, so das Kalkül. Auch einen Pool an Helfern und vor allem an potenziellen Schauspielern standen auf Abruf bereit. Im Film zu sehen sind nun Lisa Leitner, Ferdi Oda, Lukas Engelke und Alexander Wagner.

Und wann ging es endlich ans Drehen? "Zu spät", schmunzelt Lorenzo – "und dann zu langsam". Als die erste von zweieinhalb Szenen abends um sieben erst im Kasten war, war klar, dass es von nun an doch um einiges zackiger gehen müsse. Die Wege der beiden Filmemacher trennten sich: Während Marius mit dem übrigen Team die zweite Szene drehte, machte sich Lorenzo schon mal allein an seinen Rechner, um das Rohmaterial zu schneiden und in Filmform zu bringen. Die zweite Szene war dann tatsächlich schneller abgedreht als die erste, so dass Marius sich gegen Mitternacht aus dem Geschehen ausklinkte – und Lorenzo bis wenige Minuten vor vier Uhr den Film vollendete. Wenige Minuten vor der Deadline startete Lorenzo den Upload – geschafft!

Schon drei Tage später kam die gute Nachricht

Immerhin beeilten sich nach dem ganzen Zeitdruck auch die Veranstalter ihrerseits mit Sichtung und Bewertung der Wettbewerbsbeiträge: Drei Tage später schon kam die gute Nachricht von der Top-24-Platzierung. Gefreut hat sich darüber nicht zuletzt Jose: "Der ist vor Freude durchs Zimmer gehüpft", so Marius.

Das bei dem Film Race angesagte Tempo ist überhaupt derzeit Programm im Leben der beiden: Aus Marokko waren sie gerade eine Woche zurück, als es an das Projekt Film Race ging. Mittlerweile haben Lorenzo und Marius schon den nächsten Filmauftrags-Ausflug hinter sich; Zielort diesmal war Ibiza, wo sie die beiden Schopfheimer DJs "Beatrockers" beim Auflegen auf der legendären Bootsparty "Pukka up" filmten. Mit der großen Reise zur Filmgala Ende dieser Woche allerdings wi rd’s wohl nichts: Den beiden fehlt schlicht das Geld für den Flug nach Atlanta. Als würdiger Vertreter geht Jose Cano ins Rennen – "der freut sich mindestens genauso wie wir", ist Lorenzo überzeugt.

Info: Der Film wird ab dem 7. August auf http://www.carmona-media.com/ zu sehen sein.

Autor: Anja Bertsch